Neue Serie

„Das Schlimmste waren die Formulare“

Anya M. Waite. Bild:Sina Löschke, Alfred-Wegener-Institut

Mehr als 8.500 ausländische Forscher arbeiten an Helmholtz-Zentren in Deutschland. Was ist ihre persönliche Geschichte? Wie erleben sie unser Land? In einer Serie stellen wir einige von ihnen vor. Den Anfang macht die Australierin Anya Waite, Ozeanografin am Alfred Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

Als einzige Biologin unter den Ozeanografen an der University of Western Australia in Perth fühlte sich Anya Waite manchmal etwas verloren: Die meisten Fachkollegen saßen in Europa oder Amerika und waren dank Zeitverschiebung nur schwer zu erreichen. Nach ihrem Umzug nach Bremen schwärmt sie vom Alfred-Wegener-Institut, wo die Kollegen auf dem gleichen Flur sitzen.

Waite erforscht Plankton, den Mikrokosmos aus kleinsten pflanzlichen und tierischen Lebewesen in den Ozeanen der Welt. Er bildet eine der untersten Stufen der Nahrungskette allen Lebens im Meer, aber Waite interessiert nicht nur für seine Biologie: "All diese Lebewesen sind physikalisch betrachtet Partikel, die sich verteilen, vermischen und gegenseitig beeinflussen. Mich interessiert, wie sie sich als Teile einer bewegten Flüssigkeit verhalten."

Als neue Leiterin der 40-köpfigen Sektion Polare Biologische Ozeanografie am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven kann sie ihrer Neugier nachgehen. Für sie hat die Ozeanografie in Deutschland einen Ruf von Weltrang. Doch nach 17 Jahren an der University of Western Australia kam sie dennoch nicht von ganz allein auf die Idee, nach Europa zu ziehen: "Ich hätte mich vielleicht nicht auf die Stelle beworben, wenn ich nicht vom AWI darauf angesprochen worden wäre. Als ich dann im Rennen war, kam alles ins Rollen."

In ihre neue Rolle als Gruppenleiterin muss Anya Waite noch hineinwachsen, sagt sie. Doch der Forscherdrang treibt sie an: "Ich muss noch viel über Menschen und Kommunikation lernen, doch vor allem freue ich mich darauf, meine Arbeit an die Pole zu bringen. Die Arktis wird voraussichtlich eine der vom Klimwandel am schlimmsten betroffenen Regionen der Weltmeere sein. Das Südpolarmeer hat großen Einfluss auf das Weltklima. Beide Regionen bergen die Chance, unser Verständnis vom Funktionieren der Welt zu revolutionieren."

Doch vor der Revolution kommt in Deutschland bekanntlich eine Menge Papierkram. Anya Waite erinnert sich an große Mühsal: "Mein Mann und ich mussten gut einen Quadratmeter Papier durcharbeiten: Krankenversicherung, Aufenthaltsgenehmigung, Steueranmeldung, Arbeits- und Mietverträge, und so weiter. Mit unseren noch brüchigen Sprachkenntnissen die Formulare zu bewältigen, war eine Mammutaufgabe!" Heute lernen sie und ihre Familie so schnell es geht Deutsch. Dabei helfen ihr auch die Kollegen bei der Arbeit, die meist halb auf Deutsch und halb auf Englisch stattfindet.

Alles in allem fühlt sich Anya Waite gut unterstützt. Bei der Schulanmeldung der Kinder war ihre Vermieterin eine große Hilfe, und dank eines eigenen Beistands vom AWI konnte die Familie auch das Behördendeutsch meistern. Außerdem freut sich Waite, im Herzen Europas zu sein und viele interessante Orte in Reichweite zu haben. Kein Wunder: In Australien muss man gleich den Kontinent wechseln, wenn man ein anderes Land besuchen will.

Zwar vermisst die Familie gelegentlich die australischen Strände, doch manches begeistert sie auch an Deutschland: Die Freundlichkeit der Menschen in ihrer neuen Heimatstadt Bremen, die grüne Natur und der gelebte Umweltschutz und der tatsächlich funktionierende Sozialstaat: "Hier gibt es eine tatsächlich soziale Demokratie, in der ärmere Menschen weitaus besser Hilfe bekommen als in Australien."

Internationales am AWI

  • Das Büro für Internationales (International Office) unterstützt Gäste, Studierende und Angestellte mit Informationen rund um Visa, Unterkunft, Anmeldung, Sprachkurse und mehr.
  • Das Familienbüro vermittelt Informationen über Kinderbetreuung, Schulen und allen Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit, auch in englischer Sprache. Das AWI betreibt zudem eine Kinderkrippe für Kinder bis 3 Jahren.
  • Die Doktorandenvertretung "DokTeam" bietet Ausflüge, Informationen und Zusammenhalt für die AWI-Doktoranden aus vielen verschiedenen Ländern. Auch angehende Doktoranden werden hier beraten. 

Serie: Ausländische Wissenschaftler bei Helmholtz

05.02.2015 , Michael Büker
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