Standpunkt

KI-Chatbots und Gesundheitsinformationen: hilfreich, aber mit klaren Grenzen

Susanne Weg-Remers, Leitung des Krebsinformationsdienstes (DKFZ). Bild: Gaby Ehmann / DKFZ

KI-Chatbots sind für viele Menschen zu einer häufig genutzten Informationsquelle geworden – auch bei Fragen zu Gesundheitsthemen. Doch wie verlässlich sind ihre Antworten? Die „ELCAP-Empfehlungen“ der ESMO geben Orientierung für einen verantwortungsbewussten Umgang mit KI.

„Was bedeutet der Befund?“, „Welche Nebenwirkungen hat meine Therapie?“ oder „Was kann ich selbst tun?“ – wer mit einer schweren Erkrankung wie Krebs konfrontiert ist, hat viele Fragen. KI-Chatbots bieten rasche Antworten in leicht verständlicher, empathischer Sprache. Das macht sie auch für Patientinnen, Patienten und Angehörige attraktiv. Doch gerade bei Krebsinformationen ist ein kritischer Umgang mit Informationen wichtig.

Große Sprachmodelle können medizinische Fachbegriffe erklären, umfangreiche Texte allgemeinverständlich zusammenfassen oder dabei helfen, Fragen für das nächste Arztgespräch vorzubereiten. Gleichzeitig erzeugen sie ihre Antworten auf Grundlage statistischer Sprachmuster. Eine überzeugend formulierte Antwort ist deshalb nicht automatisch medizinisch richtig, vollständig und aktuell. Fehler oder Ungenauigkeiten sind für medizinische Laien nur schwer zu erkennen. Auch die wissenschaftlichen Quellen hinter einer Aussage sind – je nach verwendetem System – nicht immer transparent oder überprüfbar.

Hinzu kommt: Krebs ist nicht gleich Krebs. Welche Information individuell relevant ist, hängt etwa von Tumorart und -stadium, molekularen Eigenschaften, Begleiterkrankungen und bisherigen Behandlungen ab. Ein Chatbot kennt diesen medizinischen Gesamtkontext in der Regel nicht. Besonders problematisch wird es daher, wenn KI-Antworten als individuelle Therapieempfehlungen verstanden werden.

Mit der „ESMO guidance on the use of Large Language Models in Clinical Practice“ (ELCAP) hat die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) 2025 erstmals einen Rahmen für den Einsatz großer Sprachmodelle in der Onkologie vorgelegt. Für patientenorientierte Anwendungen ist die Botschaft klar: KI kann die medizinische Versorgung ergänzen, soll professionelle Beratung aber nicht ersetzen. Für Ratsuchende bedeutet das:

Fragen an einen Chatbot sollten möglichst klar formuliert werden. Dabei ist besondere Vorsicht geboten: Sensible, eindeutig einer Person zuordenbare Informationen sollten nicht unbedacht in allgemeine KI-Systeme eingegeben werden. Medizinisch relevante Antworten sollten anhand vertrauenswürdiger, wissenschaftlich fundierter Informationsquellen überprüft werden. Behandlungsentscheidungen sollten nicht allein anhand einer KI-Antwort getroffen werden, sondern nur in Absprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Bei akuten Beschwerden oder einer deutlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands ist ein Chatbot keine Alternative zu medizinischer Hilfe.

2026 feiert der Krebsinformationsdienst sein 40-jähriges Bestehen. Was 1986 mit einem Telefon und der Idee begann, Ratsuchenden wissenschaftlich fundierte Informationen über Krebs zugänglich zu machen, ist heute ein multimediales Informationsangebot. Website, E-Mail, Social Media und weitere Formate sind im Laufe der Jahrzehnte hinzugekommen – die individuelle Beratung am Telefon ist geblieben.

Mit KI verändert sich die Informationswelt erneut grundlegend. Die Herausforderung besteht heute weniger darin, überhaupt Informationen zu finden, als ihre Qualität, Verlässlichkeit und Passgenauigkeit zu beurteilen. Genau hier bleibt der Auftrag des Krebsinformationsdienstes aktuell: Menschen dabei zu unterstützen, gute von schlechter Information zu unterscheiden und evidenzbasiertes Wissen für die eigene Situation nutzbar zu machen.

KI-Chatbots können für Ratsuchende ein zusätzliches Werkzeug sein. Wo es aber auf medizinische Verlässlichkeit und Einordnung ankommt, braucht es weiterhin überprüfbare Evidenz und qualifizierte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Denn bei Krebsinformationen zählt nicht nur, schnell eine Antwort zu bekommen – sondern auch zu wissen, dass man sich auf sie verlassen kann.

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