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Drei Fragen an die Medizinerin Freba Grawe

Bild: DKFZ
Freba Grawe ist Leiterin der Nuklearmedizin in der Uniklinik Mannheim und leitet am Deutschen Krebsforschungszentrum die Gruppe „Translationale Molekulare Bildgebung im Onkologischen Therapiemonitoring“.
Was ist das Spannendste an Ihrem Job?
Am spannendsten ist der Moment, in dem wir nach jahrelanger Entwicklung erstmals die Scans eines Patienten nach Gabe eines neuen Radiopharmakons sehen: Macht es sein molekulares Ziel im Tumor tatsächlich sichtbar? Zeigt es schon früh, ob eine Therapie wirkt? Wenn sich ein solcher Bildbefund bei weiteren Patienten bestätigt, kann daraus ein Biomarker entstehen, der die Behandlung konkret verändert. Dann wird aus präklinischer Entwicklung und klinischer Translation eine Entscheidungshilfe für die individuell beste Therapie und aus einem zunächst abstrakten Forschungskonzept ein sichtbarer, möglicherweise lebensentscheidender Nutzen für Patienten.
Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden: Was wäre Ihr nächstes Projekt?
Ich würde ein molekulares Navigationssystem für Krebstherapien aufbauen. Zielgerichtete Medikamente wie Antikörper und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate würden radioaktiv markiert und mit Ganzkörper-PET verfolgt. So ließe sich vor Behandlungsbeginn erkennen, ob ein Medikament alle Tumorherde erreicht und früh prüfen, ob es wirkt. Dafür würde ich eine internationale Plattform schaffen, die Radiochemie, Bildgebung, Tumorbiologie und klinische Studien verbindet und neue Radiopharmaka vom Labor bis zur multizentrischen Anwendung bringt – gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Klinik und Industrie. Das Ziel: für jeden Patienten schneller die individuell beste Therapie zu finden.
Mit wem würden Sie gerne mal zu Abend essen und worüber würden Sie dann sprechen?
Mit Barack Obama. Mich beeindruckt, dass er bereits 2015 die Precision Medicine Initiative ins Leben rief mit dem Ziel, für jeden Menschen die richtige Behandlung zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Genau daran arbeiten wir auch in der Nuklearmedizin: Mithilfe molekularer Bildgebung wollen wir sichtbar machen, welche Therapie zu welchem Patienten passt und ob sie wirkt. Beim Abendessen würde ich ihn aber vor allem fragen, wie es ihm gelungen ist, Menschen für eine gemeinsame Vision zu gewinnen. In einer Wahlkampfrede griff er einen Satz der Dichterin June Jordan auf: „We are the ones we’ve been waiting for.“ Ich würde ihn fragen, wie wir diese Haltung in Wissenschaft und Führung bewahren können. Denn Fortschritt beginnt, wenn wir nicht auf andere warten, sondern selbst Verantwortung übernehmen.
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