Capacity Building in Entwicklungsländern

Integriertes Wasserressourcenmanagement für aride Schwellenländer

Etwa 2,5 Milliarden Menschen weltweit leben ohne nennenswerte Abwasserinfrastrukturen. Etwa in Jordanien: Das ohnehin wasserarme Land deckt seinen Trinkwasserbedarf zum überwiegenden Teil aus dem Grundwasser. Verbraucht wird mehr als hinzukommt, und so sinkt der Grundwasserspiegel im Durchschnitt um einen Meter pro Jahr. Das unbehandelte Abwasser verunreinigt die knappen Wasserressourcen. Forscher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ in Leipzig haben ein besonders für den Einsatz in Schwellenländern geeignetes naturnahes Abwasserbehandlungsverfahren entwickelt. Sie konnten nicht nur ein funktionierendes System mit Pilotanlagen etablieren. Auch der Transfer von der Forschung hin zu einem flächendeckenden Praxiseinsatz der entwickelten Verfahren ist gelungen: Das Team hat ein Implementierungsbüro im jordanischen Wasserministerium gegründet und Entscheidungsträger vor Ort beraten. Das jordanische Kabinett hat schließlich ein politisches Rahmenwerk für das dezentrale Abwassermanagement verabschiedet, an dem das deutsche Team aktiv mitgewirkt hat. Das „Jordanien-Modell“ stößt auf Interesse weiterer Staaten im Mittleren und Nahen Osten: Im Oman werden Mittel der omanischen Forschungsbehörde zum Bau einer Forschungs-, Demonstrations- und Prüfanlage bereitgestellt. Das Projektteam wurde mit dem Deutschen Umweltpreis 2018 ausgezeichnet.

Deutscher Umweltpreis für Leipziger Expertenteam

Erdbebengefährdung: Die zentrale Rolle des GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ)

Zur Abschätzung der Auswirkung von Erdbeben auf die Gesellschaft arbeitet das GFZ eng mit Erdbeben-Ingenieuren zusammen und erstellt Erdbebenzonierungskarten für erdbebengerechtes Bauen. Die Zonierungskarten zeigen an, wo normale Hochbauten, Chemieanlagen und speziell Wasserbauten, wie Talsperren, Dämme gebaut werden sollten und wo nicht. Die Karten und Sicherheitsnachweise werden im Rahmen entsprechender DIN-Normen bzw. entsprechender europäischer Baunormen erstellt. Die GFZ-Aktivitäten zur DIN für normale Hochbauten sind direkt eingebunden in das European Committee for Standardisation (CEN). Diese Arbeiten besitzen neben der hohen gesellschaftlichen auch wirtschaftliche Relevanz, z.B. Einschränkung des Einsatzes von Baustoffen und Bauarten.

Ein Ergebnis dieser Arbeiten ist die am GFZ entwickelte „Europäische Makroseismische Skala“, das  weltweit verwendete Standardwerk zur Intensitäts- und Risikoabschätzung. Ein weiteres Beispiel sind die seismischen Gefährdungskarten für die D-A-CH Staaten (Deutschland, Österreich, Schweiz), die als Grundlage für die Karte der Erdbebenzonen des nationalen Anwendungsdokuments des EUROCODE 8 („Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben“) verwendet wurde. Diese dient nunmehr für die neueste Version der deutschen Erdbebenbaunorm DIN 4149 (Fassung 2005) und für Ingenieuranwendungen in der Schweiz und in Österreich.

Erdbebeninformation (GFZ)

Trainingskurs "Seismologie und Seismische Gefährdung" für Entwicklungs- und Schwellenländer am Potsdamer GeoForschungsZentrum (GFZ)

Das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) schult Fachkräfte aus edbebengefährdeten Entwicklungs- und Schwellenländern im Bereich Erbebensicherheit und Erdbeben-Monitoring. Die Seismologie-Trainingskurse finden jährlich statt, abwechselnd am Zentrum in Potsdam selbst und an einem Veranstaltungsort im Ausland. Finanziell unterstützt die UNESCO und das Auswärtige Amt das Projekt, weitere Mittel stellt das GFZ bereit. Der vier- bis sechswöchige Kurs soll theoretisches Grundlagenwissen und praktisches Training in angewandter Seismologie insbesondere an Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler und Ingenieurinnen und Ingenieure aus erdbebengefährdeten Entwicklungs- und Schwellenländern vermitteln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden von Universitäten oder Regierungsorganisationen ihres Landes geschickt, die sich mit dem Thema Erdbebensicherheit oder Erdbeben-Monitoring beschäftigen. Die Dozenten des Kurses sind Expertinnen und Experten aus verschiedenen Feldern der Geowissenschaften vom GFZ, dem Internationalen Seismologiezentrum Thatcham (Großbritannien), der ETH Zürich (Schweiz) und der Universität Bergen (Norwegen).

Trainingskurs Seismologie und Seismische Gefährdung

Ocean Science Centre in Mindelo, Cap Verde

Das Ocean Science Centre Mindelo (OSCM) ist im November 2017 nach knapp drei Jahren Bauzeit der Wissenschaft übergeben worden. Die internationale Forschungs- und Logistikstation, die gemeinsam vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und dem nationalen kapverdischen Fischereiforschungsinstitut INDP betrieben wird, soll die vielfältigen Forschungsaktivitäten der Kieler Meeresforscher in dem Gebiet des tropischen Nordostatlantiks zukünftig weiter stärken.

Die Kapverdischen Inseln vor der westafrikanischen Küste haben sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standort der internationalen Meeresforschung entwickelt. Das marine Ökosystem im tropischen Nordostatlantik ist eines der produktivsten weltweit und stellt mit seinen Fischbeständen die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl an Anrainerstaaten dar. Welchen Einfluss haben Sauerstoffminimumzonen oder der Staubeintrag aus der Sahara auf die marine Biodiversität und welche Auswirkungen hat der globale Klimawandel auf dieses Ökosystem – nur einige von einer Vielzahl an wissenschaftlichen Fragestellungen, die in dieser Region beantwortet werden können. Daher führen deutsche Einrichtungen auf und vor der Inselgruppe seit einigen Jahren Langzeit-Beobachtungen im Ozean und in der Atmosphäre durch. Der Hafen von Mindelo ist zudem häufig Ausgangs- und Endpunkt zahlreicher Schiffsexpeditionen internationaler Forschungsteams.

Um die zahlreichen Forschungsprojekte zu realisieren, erfordert es einen erheblichen logistischen Aufwand, damit die jeweils notwendige Ausrüstung und Gerätschaft einsatzbereit ist. Deshalb hat das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel zusammen mit dem nationalen kapverdischen Fischereiforschungsinstitut INDP (Instituto Nacional de Desenvolvimento das Pescas) vor fünf Jahren begonnen, in Mindelo eine feste Forschungsstation als Anlaufpunkt und Arbeitsplatz für kapverdische und internationale Arbeitsgruppen zu planen.

Ocean Science Center Mindelo

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