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Schülerlabore

Der Stolz, wenn das erste Experiment geglückt ist

Bild: Detlev Müller

In den Helmholtz-Schülerlaboren erleben jedes Jahr tausende Schüler:innen hautnah wie Wissenschaft funktioniert. Wir haben nachgefragt, ob und wie diese Besuche ihren weiteren Weg beeinflusst haben.

Das gibt es nur bei Helmholtz: 32 Schülerlabore an 16 der 18 Helmholtz-Zentren, in denen Kinder und Jugendliche Wissenschaft hautnah erleben können. Sie wurden zumeist Anfang der 2000er-Jahre gegründet mit dem Ziel, den naturwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, in der Gesellschaft ein Grundverständnis für Wissenschaft zu vermitteln und den Schulen einen Zugang zu aktueller Forschung zu öffnen.

Im Vordergrund steht der Spaß am Experimentieren. Im letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, also 2019, besuchten 97.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 13, zum Teil aber auch Grundschülerinnen und -schüler die Labore. Außerdem rund 3000 Lehrkräfte und Lehramtskandidat:innen für Fortbildungen.

Vier der Labore feiern in diesem Jahr Jubiläen: Das DLR_School_Lab Bremen wird zehn Jahre alt, das BioS Braunschweig wird genauso wie das DLR_School_Lab Berlin 20 Jahre alt und das Schülerlabor physik begreifen am DESY Hamburg feiert sogar sein 25-jähriges Bestehen. Außerdem holt das Schülerlabor DeltaX am HZDR 2022 seine Zehnjahresfeier vom vergangenen Jahr nach.

Hier erzählen drei Ehemalige, wie die Teilnahme an den Schülerlaboren ihren beruflichen Werdegang beeinflusst hat:

Simon Röhlecke (19), studiert im 3. Semester Medizin in Dresden.

"Mein Zwillingsbruder Malte ist eher der Theoretiker, während ich ein bisschen mehr praktisch veranlagt bin. Aber beide waren wir schon als kleine Kinder naturwissenschaftlich interessiert. Von der 9. Klasse bis zum Abitur besuchten wir das Landesgymnasium St. Afra in Meißen. Von da sind es nur rund 50 Kilometer bis zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Das erste Mal waren wir dort an einem „Boys- and Girls-Day“. Damals ging es um Elektrotechnik und ich weiß noch, dass ich eine Türklingel gelötet habe. Viel wichtiger war aber der generelle Einblick, den wir vom Forschungszentrum bekamen.

Von da an waren wir Stammgäste im Delta X-Schülerlabor am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Einmal war ich mit meiner Schulklasse da, vom Physikunterricht aus. Während eines Ferienprogramms habe ich ein Radio gelötet, dann war ich bei den Astrotagen mit Besuch einer Sternwarte und vielen interessanten Vorträgen von Wissenschaftlern. Ich erinnere mich auch an eine Führung zum Teilchenbeschleuniger ELBE und das letzte Mal, in der 12. Klasse, war ich beim Workshop „Genetik und Strahlenbiologie“. Da haben wir viele molekularbiologische Arbeitsmethoden kennengelernt. Das Spannende war immer, dass man einen echten Einblick in die Forschung bekam und alles mal in der Praxis sah. Das hat uns nur immer noch neugieriger gemacht.

Die Begeisterung derjenigen, die uns in den Schülerlaboren betreuten, war zu spüren und hat sich auf uns Teilnehmende übertragen. Später durfte ich bei der Festveranstaltung mit Kultusminister und Bürgermeister sogar das neue, viel größere Schülerlabor mit einweihen.

Malte und ich waren auch mal am Schülerrechenzentrum in Dresden, da wird man ins Programmieren eingeführt. Jetzt studiert er Informationssystemtechnik, also Informatik gepaart mit Elektrotechnik. Ich konnte mich nie entscheiden für eine bestimmte Ingenieurwissenschaft und fand eher die Anwendung der Naturwissenschaften in der Medizin spannend. Darum studiere ich jetzt im 3. Semester Medizin in Dresden."

Dewi Hadisoetanto, 25 Jahre, studiert Molekulare und Angewandte Biotechnologie an der RWTH Aachen im 3. Mastersemester

"Unser Biolehrer machte mit uns 2009 einen Ausflug ins JuLab am Forschungszentrum Jülich. Ich war damals in einer Klasse mit MINT-Schwerpunkt und wusste, dass mich Naturwissenschaften interessieren – nur noch nicht genau welche und was man damit anfangen kann. Ich machte dann später ein Praktikum im Schülerlabor und ein weiteres an einem anderen Institut des Forschungszentrums. Mitarbeitende am Julab stellten Kontakte zu Mirarbeitenden des Forschungszentrums her, sodass ich mich dort für ein Praktikum bewerben konnte. In den Osterferien 2014 kehrte ich ans JuLab zurück und nahm am Ferienkurs Biotechnologie teil. Da bekam ich erste Einblicke in mikrobiologisches Arbeiten – heute ist Biotechnologie mein Studienfach.

Anfangs waren die Praktika im Julab immer eine Herausforderung für mich, weil ich eher so der stille Typ bin. Leute kennenzulernen ist aufregend, aber im Endeffekt war es immer eine angenehme Gruppe. Wir hatten maximal Schulklassenstärke von 20 Personen, bei den Versuchen arbeitet man maximal zu dritt oder zu viert. Natürlich ist es ein bisschen einschüchternd, wenn man als Schülerpraktikantin das erste Mal allein im Labor steht, zwischen Geräten im Wert eines Einfamilienhauses. Mit dem Vertrauen wächst aber auch das Gefühl für Verantwortung und der Stolz, wenn das erste eigene Experiment geglückt ist."

Saskia Hensel (23), studiert Grundschullehramt in Dortmund.

"Ich war 2014 mit einigen Mitschülerinnen und -schülern der Klassen 9 bis 11 am School_Lab der TU Dortmund. Ich habe mich schon damals sehr für den Weltraum interessiert und darüber nachgedacht, später etwas in Richtung Astronomie oder Astrophysik zu machen. 

Wir waren in den Klassengruppen unterwegs und ich war total begeistert, dass alles so anwendungsbezogen ist. Anders als in der Schule bekommt man hautnah mit, wie die Forschung ganz praktisch funktioniert und was es überhaupt für technische Möglichkeiten gibt.

Der Besuch hatte mich so begeistert, dass ich im darauffolgenden Jahr als Schülerpraktikantin dort war. Es war nur ein weiterer Praktikant zur selben Zeit da und wir haben Experimente gemeinsam mit den Studierenden betreut. So konnte ich auch einen tieferen Einblick hinter die Kulissen des Zentrums bekommen. Nach einer Pause bin ich schließlich als Student wieder im Schülerlabor gelandet. Ich hatte einfach angefragt, als ich mit dem Studium anfing.

Meine Erfahrungen mit den Schülerinnen und Schülern haben sicher auch eine Rolle gespielt bei meiner Entscheidung, Physik und Astronomie eher als Hobby zu betreiben und ein Studium auf Grundschullehramt anzufangen. Letztlich ist das Schülerpraktikum daran schuld, dass ich heute in Dortmund studiere.

Ich habe aus den Labs manches mitgenommen, das ich im Grundschulpraktikum in der Klasse umsetzen konnte. Vor allem das praktische Arbeiten ist für Kinder immer etwas ganz Besonderes. Den Schulen fehlen oft Mittel und Möglichkeiten, etwas Vergleichbares im Unterricht anzubieten."

Solche und ähnliche Erlebnisberichte hört man immer wieder von früheren Besucher:innen der Schülerlabore. Ihnen allen ist die unmittelbare Erfahrung vor Ort gemeinsam, zusammen mit den Eindrücken, die dort entstehen. Dies muss – wie hier schon erkennbar – nicht zwangsläufig zu einer Karriere in den Naturwissenschaften führen. Aber ein wenig Einblick in die Herangehensweise und die Methodik naturwissenschaftlichen Arbeitens bleibt doch oft in Erinnerung, was im späteren Leben der Jugendlichen etwaigen Vorbehalten gegenüber den Aussagen und Empfehlungen der Forschung entgegegenwirken kann. In diesem Sinne: auf erfolgreiche weitere 20 Jahre der Schülerlabore!

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