Kometenjäger Rosetta

Zeit des Erwachens

Bild: DLR (CC-BY 3.0)

Nach einem zehnjährigen, mehr als sieben Milliarden Kilometer langen Rundflug durch unser Sonnensystem soll im November erstmals eine Raumsonde einen Kometen längerfristig begleiten und eine Landeinheit absetzen. Am 20. Januar erwachte sie planmäßig aus einer energiesparenden Tiefschlafphase: ein Schlüsselmoment der gesamten Mission

Nach zehn Jahren Rundflug durch unser Sonnensystem und kurzen Begegnungen mit den Asteroiden Stein und Lutetia soll die Raumsonde Rosetta in diesem Jahr ihr eigentliches Ziel erreichen: den Kometen Tschuryumov-Gerasimenko. Im November soll dann eine kühlschrankgroße Landeeinheit auf dem Kometen aufsetzen. Es wäre die erste Landung auf einem Kometen überhaupt. Die Wissenschaftler der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) haben dann die Möglichkeit, mehr über diese Himmelskörper zu erfahren, die als Zeugen der Entstehung unseres Sonnensystems gelten. Fragen, wie die, ob Wasser oder organische Verbindungen über Kometen auf die Erde gelangt sind, soll die insgesamt eine Milliarde Euro teure Mission beantworten. "Es könnte sein, dass Kometen den Schlüssel zur Entstehung des Lebens darstellen", sagt Stephan Ulamec, vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Um den Kometen an dem für die Mission idealen Punkt seiner Umlaufbahn und mit der nötigen Geschwindigkeit zu erreichen, musste Rosetta insgesamt sieben Milliarden Kilometer zurücklegen. Dreimal holte die Sonde Schwung an der Erde, einmal am Mars, bevor sie sich in die Tiefen des Sonnensystems verabschiedete. Die letzten 957 Tage hat Rosetta sich im Energiesparmodus auf der eingeschlagenen Bahn weiterbewegt. Die Ruhephase war notwendig, da sich die Sonde sehr weit von der Sonne entfernt hat. Die Energie, die der Solargenerator lieferte, reichte gerade aus, um die Sonde etwas aufzuheizen, und die empfindlichen Geräte vor dem Kältetod zu bewahren. Ein normaler Betrieb war nicht möglich war.

Am 20. Januar um zehn Uhr morgens MEZ erwachte die Sonde aus dem Tiefschlaf - etwa 800 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Eine Zeitschaltuhr löste eine Reihe interner Kommandos aus. Am Ende der Kaskade, sendete die Hauptantenne ein Signal Richtung Erde. Entsprechend groß war der Jubel im ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt, dem Kontrollzentrum der ESA, als um 19:18 das erste Signal von Rosetta seit 2 1/2 Jahren auf den Monitoren erschien. 

Der Weg von Rosetta durch unser Sonnensystem

Nach dem Aufwachen soll die Sonde Tschuryumov-Gerasimenko ins Visier nehmen und den letzten Teil der Reise antreten. Neun Millionen Kilometer trennen sie dann noch von ihrem Ziel. Im August sollen sich Rosetta und der Komet, der eine weite Bahn durch unser Sonnensystem zieht, begegnen. Die Sonde wird sich zunächst auf eine kontrollierte Umlaufbahn um den nur etwa vier Kilometer großen Himmelskörper begeben und erste Bilder von der Oberfläche Richtung Erde senden. Im November dann folgt der Höhepunkt der Mission: Der Kometenlander Philae, den die Sonde huckepack trägt, soll auf dem Kometen landen.

Geplant und gesteuert wird die Landung vom Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dort musste ein Nachbau der Landeeinheit einiges aushalten: Wissenschaftler und Ingenieure testen die Landung unter unterschiedlichen Bedingungen. Denn niemand weiß, wie die Oberfläche des Kometen genau beschaffen sein wird. Von weichem Schnee bis hartem Eis - vieles ist möglich. Bei der Landung wird Philae zwei Harpunen in den Untergrund schießen, die als Anker dienen. Aufgrund der geringeren Anziehungskraft des Kometen wird die auf der Erde 100 Kilogramm schwere Landeeinheit auf dem Kometen kaum schwerer sein als ein Blatt Papier. Da der Lander keine Proben zur Erde bringen wird, beherbergt er ein kleines Labor, das vor Ort analysiert und die Daten zur Erde sendet. Für drei der insgesamt zehn Instrumente trägt das DLR die Hauptverantwortung.

Der Komet wird sich dann - von Rosetta begleitet - weiter Richtung Sonne bewegen. Durch die zunehmende Temperatur bei Annäherung an die Sonne entweichen bei jedem Kometen aus dem Kern Gase und Staub und werden vom Sonnenwind mitgerissen. Dies erzeugt den typischen Schweif. Das gesamte Geschehen wird von Rosetta und dem Lander auf der Oberfläche des Kometen untersucht. Ob Philae all das übersteht und seine Arbeit wie geplant verrichten kann, ist keineswegs sicher. Es wird eine spannende Zeit für die Wissenschaftler. Zeit zum Aufwachen!

Einige der beteiligten Wissenschaftler stellen die Mission vor und sprechen über offene Fragen, die die Mission beantworten soll:

Weitere Links:

Rosetta - Europas Kometenjäger: Informationen des DLR

Website der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA)

20.01.2014 , Martin Trinkaus
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