Oktokopter beim Aufstieg, Bild: DLR

Drohnen im Dienst der Wissenschaft

Unbemannte Flugobjekte, Drohnen, UAV und UAS – im militärischen Einsatz haben sie sich zuletzt einen zweifelhaften Ruf erworben. Jetzt finden sie immer häufiger zivile Anwendungsbereiche, und eine Milliarden-Dollar-Industrie steht in den Startlöchern.

"Zeit sparen, Geld sparen, Leben retten" - auf diese simple Formel bringt Michael Toscano die Vorteile unbemannter Fluggeräte im nicht-militärischen Einsatz. Toscano ist Präsident der Association for Unmanned Vehicle Systems International (AUVSI), die Mitte August ihre Branchenmesse in Washington, D.C. abhielt, bei der es auch um viel Geld geht: Bis 2025 sollen allein im zivilen Sektor über 80 Milliarden Dollar umgesetzt werden, zudem wird von mehr als 100.000 neuen Arbeitsplätzen gesprochen.

Für friedenssichernde Maßnahmen hat kürzlich die UNO einen zivilen Dienstleister samt Beobachtungsdrohne für die Demokratische Republik Kongo engagiert. Haupteinsatzgebiete sind also immer noch Aufklärung und Überwachung, und hier gibt es auch die meisten Berührungspunkte mit zivilen Anwendungen. Im kleineren Maßstab helfen Drohnen beim Kartieren, sie unterstützen Archäologen bei ihren Forschungen, werden vom Katastrophenschutz genutzt, etwa, wenn unzugängliche oder gar verstrahlte Gebiete sondiert werden müssen, sie kommen als extrem flexible Kameraplattformen für alle Arten von Filmaufnahmen und für verschiedene polizeiliche Aufgaben zum Einsatz. Hieraus ergeben sich etliche Fragen im Zusammenhang mit dem Schutz der Privatsphäre und dem sicheren Umgang mit den dabei erhobenen Daten.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) forscht ebenfalls für den zivilen Einsatz kleiner Drohnen. Zum Einsatz kommt dabei ein "Oktokopter", also ein Drehflügler mit acht Rotoren, der ferngesteuert eine Nutzlast von bis zu 0,5 Kilogramm über eine Flugzeit von rund 16 Minuten tragen kann. Ausgerüstet mit einer Infrarot- und einer Videokamera, deren Bilder in Echtzeit zur Bodenstation gefunkt werden, sucht das Gerät aus einer Höhe von 50 Metern Feldflächen von etwa vier Hektar nach Rehkitzen ab, die sonst Opfer von Mähdreschern würden. Erste Experimente haben dabei die grundsätzliche Tauglichkeit des Systems nachgewiesen, das 2015 marktreif sein soll. Andere Versuche messen mit Drohnen die Strömungsverhältnisse zwischen Windkraftanlagen, um deren gegenseitige Beeinflussung auszuschalten.

Die äußeren Abmessungen von Drohnen sind so vielfältig wie ihre Einsatzgebiete. Von der Mikrodrohne mit der nur Zentimeter messenden Spannweite und den Flugeigenschaften eines Kolibris bis hin zum rund 60 Meter spannenden "Condor" des US-Herstellers Boeing ist heute alles möglich. Technisch sind heute alle aerodynamischen Konzepte nutzbar, die auch in der bemannten Fliegerei eine Rolle spielen: So gibt es längst Überschalldrohnen, unbemannte Hubschrauber und sogar Senkrechtstarter.

Ein spezielles Problem wurde im Zusammenhang mit der Bundeswehr-Drohne EuroHawk evident, einem Fluggerät von der Größe einer Boeing 737, das Langstrecken-tauglich in Höhen um 20.000 Meter eingesetzt werden sollte. Die Koordinierung mit dem zivilen Flugverkehr und die sichere Vermeidung von Kollisionen im dicht beflogenen Mitteleuropa konnte bislang nicht befriedigend geklärt werden. Die US-Luftfahrtbehörde FAA soll laut einem Auftrag des US-Kongresses bis 2015 entsprechende Regularien erarbeiten, in Europa könnte es noch etwas länger dauern. Hier ergeben sich künftig wohl Chancen für so genannte OPV, also optionally piloted vehicles/wahlweise bemannte Vehikel, die für den Flug durch kontrollierte Lufträume von darin befindlichen Piloten gesteuert werden, später dann über dem eigentlichen Zielgebiet aber autonom agieren sollen.

Es könnte also noch ein wenig dauern, bis so genannte "Atmosphärische Satelliten", angetrieben mit solarer Energie, jahrelang in tausenden Metern Höhe ihre programmierten Kreise ziehen und stoisch ihre Aufgaben verrichten. Dennoch gilt schon heute, was einst Avi Bleser, Marketingchef des israelischen Drohnen-Herstellers IAI, sagte: "Lächeln Sie, wenn Sie in den Himmel blicken - irgendwer schaut immer zu!

23.08.2013 , Robert Kluge
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