<b>Objekt der Begierde</b> Der Nobelpreis ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung. Bild: F1online/NielsDK Imagebroker, shutterstock

Nachgefragt!

Wie kann ich Nobelpreisträger werden?

Die diesjährigen Nobelpreise sind vergeben und jedes Jahr hoffen Wissenschaftler aus aller Welt, zu den glücklichen Gewinnern der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung zu gehören. Müssen Forscher spezielle Voraussetzungen mitbringen, um einen Nobelpreis zu bekommen? Wir haben die Hochbegabtenforscherin Larisa V. Shavinina gefragt

„Stay curious!“, antwortete Walter Gilbert, Chemie-Nobelpreisträger von 1980, als er einmal nach dem Geheimnis seines Erfolgs gefragt wurde. Auch dieses Jahr, wenn im Oktober wieder die Namen der Glücklichen verkündet werden, hoffen Wissenschaftler aus aller Welt, dass sie darunter sind. Doch genügt es wirklich schon, einfach neugierig zu bleiben, um sich den begehrten Preis zu sichern? Wir haben bei der Hochbegabtenforscherin Larisa V. Shavinina von der Universität Quebec nachgefragt:
„Wir haben die Biografien von 611 Nobelpreisträgern untersucht und tatsächlich verblüffende Gemeinsamkeiten entdeckt: In der sensitiven Altersphase zwischen zwei und drei sind Kinder besonders offen für bestimmte Anreize und stellen viele Fragen, und fast alle späteren Nobelpreisträger hatten bereits zu diesem Zeitpunkt einen ausgeprägten Eifer für ihr späteres Fachgebiet. Hinzu kommen das Elternhaus und das soziale Umfeld: Wird das Kind von den Eltern vielseitig gefördert und wächst beispielsweise mit Büchern, Spielzeug und spielerischem Experimentieren auf, kann dies den Forschergeist wecken. Das überraschendste Ergebnis der Studie war allerdings, dass engagierte und begeisterte Lehrer den größten Einfluss auf die Karriere künftiger Nobelpreisträger hatten. Lehrer, die ihr Fachgebiet liebten und gleichzeitig das Talent ihrer Schüler erkannt und besonders gefördert haben. Der Weg zum Nobelpreis führt also über die Kinderstube und das Klassenzimmer. Und für uns Erwachsene gilt: nie die Hoffnung aufgeben, sondern immer neugierig bleiben. Unsere Kinder leben es uns vor.“

). Bilder: G. Otto / GSI; A Zschau /GSI

Um die kleinsten Strukturen von Materie zu unter­suchen, beschießen Forscher sie mit extrem schnellen Teilchen. Am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung werden dafür geladene Atome genutzt, die eine besonders große Masse haben – Schwerionen. Diese Teilchen müssen fast auf Lichtgeschwindigkeit gebracht werden. Physikprofessor Oliver Kester erklärt, wie das geht

„Die Schwerionen kommen erst auf eine gerade Beschleunigungsstrecke, in einen so genannten Linearbeschleuniger. Der ist bei uns etwa 120 Meter lang und bringt die Teilchen mithilfe elektromagnetischer Wellen auf 15 bis 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Mit diesem Tempo kommen sie dann in den Kreisbeschleuniger. Auf einer Geraden bräuchte man über Kilometer hinweg mehrere Beschleunigungsstrecken. Die 216 Meter lange Ringstrecke hat den Vorteil, dass wir die Teilchen Runde für Runde nur an einer Stelle beschleunigen müssen. Ein so genannter Hochfrequenz-Resonator erzeugt dort ein elektrisches Feld – immer dann, wenn die Teilchen hindurchfliegen – und überträgt so mehr Energie auf sie.

Da im Beschleuniger ein Vakuum herrscht, stört nichts ihren Flug, sie werden immer schneller. Die große Herausforderung ist es, die Teilchen auf der Kreisbahn zu halten. Dazu nutzen wir starke Magnetfelder, die die Schwerionen auf die Bahn zwingen und sie im Paket bündeln. Beispielsweise rauschen so bis zu 33 Milliarden Uran-Ionen gemeinsam durch den Ring, wie ein langer dünner Faden sehen sie aus. Wenn wir sie nicht mit Magnetfeldern zusammenhielten, würden sie gegen die Wand prallen und verloren gehen. Bis zu einer Million Mal muss der Teilchenfaden am Resonator vorbei – dann sind 98 Prozent der Lichtgeschwindigkeit erreicht. Das Ganze dauert nur eine Sekunde. Da die Ionen bei jeder Umrundung schneller werden, müssen wir die Magnetfelder, die sie auf der Bahn halten, immer wieder neu anpassen. Das geschieht synchron, also zeitlich exakt passend zur Beschleunigung der Teilchen. Daher heißt ein Kreisbeschleuniger auch Synchrotron.“

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20.10.2014 , Nachgefragt hat Christin Liedtke

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