Wissenschaftsfreiheit

March for Science 2018: Demo und Dialog

Beim March for Science in Frankfurt am Main gab es auch in 2018 eine Demonstration für die Freiheit der Wissenschaft. In diesem Jahr wurde in einigen Städten verstärkt auf Dialog gesetzt. Bild: CC0 1.0

Auch in diesem Jahr fand weltweit der March for Science statt. Die Demo für Wissenschaftsfreiheit ging damit in die zweite Runde – in Deutschland mit Kundgebungen und Aktionen in 19 Städten. Diesmal stand der Dialog mit Nichtwissenschaftlern im Fokus.

Über eine Million Menschen protestierten im April 2017 weltweit für die Freiheit der Wissenschaft – so groß war die Resonanz des ersten March for Science. Es ging zwar nicht nur um Donald Trump, doch der amerikanische Präsident, seinerzeit erst wenige Wochen im Amt, prägte den Diskurs. Seine Angriffe auf die Wissenschaft führten zu einem Aufschrei und dem Wunsch vieler Demonstranten, sich gegen "alternative Fakten" zu positionieren. Wie geht es weiter mit einer Bewegung, die spontan im Internet entstand und weltweit Unterstützer fand? In Deutschland ist aus den zahlreichen Initiativen freiwilliger Helfer ein gemeinnütziger Verein entstanden. Und: Auch in diesem Jahr fanden um den 14. April 2018 in 19 deutschen Städten Aktionen statt. Dabei setzten die Organisatoren nicht nur auf Demonstrationen, sondern auch auf Dialog. In Diskussionsveranstaltungen und interaktiven Gesprächsangebote sollte der Dialog mit der Gesellschaft verstärkt werden. Denn die schwindende Glaubwürdigkeit der Wissenschaft in breiten Schichten der Gesellschaft ist auch dem Verschanzen im Elfenbeinturm geschuldet. "Ein Vakuum an Glaubwürdigkeit kann man mit Fake News füllen und damit unsere Demokratie bedrohen. Die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft hängt von vertrauenswürdigen Wissenschaftlern ab, die transparent kommunizieren", sagt Claus Martin, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereines "March for Science e.V.".

Wie das funktionieren könnte, zeigen zwei Projekte in Berlin und Frankfurt. Nachdem im letzten Jahr in der Hauptstadt knapp 11.000 Menschen für die Wissenschaft protestierten, gab es in diesem Jahr keine Demonstration. Stattdessen wollte das Projekt "Kieznerds" Wissenschaftler und Bürger an Stammtischen in einen Dialog bringen. Für Organisatorin Eve Craigie ist das die logische Weiterentwicklung des Marsches. "Wir wollen nicht nur Plakate mit Slogans hochhalten", sagt sie. Stattdessen gelte es, das geweckte Interesse zu vertiefen. "Wir wollen Wissenschaftler und interessierte Bürger nicht auf akademisch belehrende Art zusammenbringen, sondern auf Augenhöhe in einem persönlichen Rahmen", erklärt Craigie. Etwa 25 Wissenschaftler stellten sich in ihren Lieblingslokalen im privaten Kiez den Fragen interessierter Bürger.

In Frankfurt ergänzte eine "Science Arena" den klassische March for Science. Die Idee: An fünf Ständen stehen Experten Rede und Antwort zu den Themen Klimawandel, Biodiversität, Impfungen, Verschwörungstheorien und Auswirkungen von Nationalismus in der Wissenschaft. "Die Botschaft lautete: Wir sind hier, fragt uns", erklärt Organisatorin Susanne Ficus. "Wissenschaftler reden ihre eigene Sprache. Das ist vielen Bürgern zu komplex. Wir wollen einen Austausch fördern."

Daneben gab es in insgesamt elf Städten - Braunschweig, Bremen, Kassel, Koblenz, Köln, München, Münster, Neuruppin, Saarbrücken, Stuttgart und Trier - klassische Demonstrationsmärsche. Im Ruhrgebiet veranstaltete die Universität Bochum am Vorabend des eigentlichen March for Science eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "Vertrauenskrise? Die Bedeutung von Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft". In Darmstadt gab es keine Aktion am 14.04., dafür wurde zwei Tage vorher zum Thema "Wer treibt hier wen? – Digitalität in Wissenschaft und Gesellschaft" an der TU Darmstadt diskutiert. In Dresden gab es gleich mehrere Aktionen. Neben einem klassischen Science March gab es ein "Forum der Ideen". Forschungseinrichtungen luden dort mit Experimenten und Ausstellungen zur "Wissenschaft zum Mitmachen und Anfassen" ein. Mit "Talk to a scientist"-Schildern standen Wissenschaftler allen Interessierten Rede und Antwort. Auch in Göttingen begleiteten Mitmachaktionen wie interaktiven Ausstellungen und von Wissenschaftlern, die Fragen beantworten, den March for Science. In Jena debattierten  Wissenschaftler, Politiker und Journalisten über Autonomie und Freiheit von Wissenschaft und Forschung. Im Anschluss sind in den nächsten Monaten mehrere "Science Pubs" geplant. Dabei kommen Wissenschaftler im Café mit Interessierten ins Gespräch. 

15.04.2018 , Cristina Helberg
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