EPICUR

Bündnis für Lehre und Forschung in Europa

Audimax am KIT. Bild: KIT

Politisch und wirtschaftlich erlebt die Europäische Union derzeit turbulente Zeiten. Acht europäische Hochschulen, darunter auch das Karlsruher Institut  für Technologie (KIT), haben sich gemeinsam aufgemacht, in Lehre und Forschung den europäischen Gedanken hochzuhalten.

Der griechische Philosoph Epikur gilt nicht nur als „Botschafter“ für Lust, Eros und Lebensfreude, die ihm als „Ursprung und Ziel des glücklichen Lebens“ galten. Viele sehen in Epikur heute auch einen Wegbereiter der Idee des lebenslangen Lernens. Epikur, so soll es überliefert sein, hielt seine Schüler nicht zum stundenlangen Schwadronieren, sondern zur Umsetzung kluger Gedanken an. Zum lebenslangen „Trial and Error“, wenn man so will. So gesehen ist der Grieche ein würdiger Namenspatron für den europäischen Hochschulverbund EPICUR (European Partnership for Innovative Campus Unifying Regions). Dieser hatte vor wenigen Wochen Grund zur Freude: Der Verbund aus acht Partnerhochschulen in sechs Ländern – Deutschland, Frankreich, Polen, Niederlande, Österreich, Griechenland -  erhält von der Europäischen Kommission in den kommenden drei Jahren eine Förderung in Höhe von fünf Millionen Euro. Ziel ist es, in Lehre und Forschung gemeinsam die Idee von einer attraktiven, innovativen europäischen Universität umzusetzen - für eine Generation von Studierenden, die sich mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Klimawandel und Ressourcenknappheit einerseits und dem bröckelnden Fundament der Europäischen Union andererseits auseinandersetzen muss. 

Herzstück ist der gemeinsame vierjährige, an allen beteiligten Universitäten angebotene Bachelorstudiengang Liberal Arts and Sciences – eine interdisziplinäre Kombination aus Technik, Natur- und Geisteswissenschaften. Der Studiengang soll in Kürze mit den beiden Schwerpunkten „European Identity“ (Europäische Identität) und „Natural and societal Sustainability“ (Nachhaltigkeit in Natur und Gesellschaft) an den Start gehen. 270.000 Studierende verteilt auf acht Universitäten als virtueller Campus – wie funktioniert das? Auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft, gehört dem Verbund an. „Die Besonderheit dabei ist, dass es sich nicht um eine weiteres Doppelabschluss-Studienprogramm handelt, die wir in großer Zahl bereits anbieten, sondern dass ein multilaterales Abkommen die Grundlage bildet“, sagt KIT-Präsident Prof. Dr. Holger Hanselka. An jeder der Partnerhochschulen werden in dem Studiengang andere inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. In Karlsruhe liegt er auf der Förderung des unternehmerischen Denkens der Studierenden. 

Dafür legen die Partner verbindliche Qualitätskriterien und Mindeststandards für die Curricula und die Prüfungsverfahren fest. Und zumindest für die Belange des gemeinsamen Studiengangs sollen Studierende wie Lehrende unbeschränkt online auf die Informationen aller beteiligten Hochschulen zugreifen können. Um aus allen acht Universitäten einen in allen Bereichen für alle gleichermaßen zugänglichen virtuellen Campus zu machen, benötige es aber noch ein längerer Weg, sagt Hanselka. 

Mit einigen der EPICUR-Partner – mit der Universität Freiburg,  der Université de Strasbourg und der Université de Haute-Alsace (Oberelsass) in Mulhouse – arbeitet Karlsruhe schon seit 30 Jahren in dem trinationalen Verbund EUCOR in Lehre und Forschung zusammen. „Damit ist über die Jahrzehnte eine sehr gute und starke Arbeits- und Vertrauensbasis entstanden, die uns auch für EPICUR sehr nützt“, betont Hanselka. 
EPICUR kommt in einer Zeit, in der es dringend geboten scheint, auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre in Europa beziehungsweise in der EU zu reagieren. Das „Projekt Europa“ steht zunehmend unter Beschuss: Wirtschaft und  Währung schwächeln, Einigkeit ist unter den Mitgliedstaaten kaum mehr zu finden. Hinzu kommen der Brexit sowie wachsender Nationalismus und Populismus. 

Professor Thomas  Hirth, Vizepräsident des KIT für Innovation und Internationales, sagt: „Die intensive Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern ist wesentliche Voraussetzung für den Erfolg Europas in der globalisierten Welt. Der internationale wissenschaftliche Austausch spielt dabei eine große Rolle. EPICUR ist deshalb ein wichtiger Schritt, der diese Part-nerschaften auch für die Zukunft enorm stärkt.“ Christelle Roy, Projektleiterin der EPICUR-Allianz und Vizepräsidentin für Strategien und Entwicklungen an der Universität in Straßburg, bestätigt: „Wir alle teilen dieselbe Vision und denselben Ehrgeiz für die Allianz: Unser Ziel ist es, Brücken zwischen den akademischen Gemeinschaften der acht Partneruniversitäten zu schlagen und so als intellektuelle Drehscheiben für Forschung und Innovation zu dienen. "

Sechs „Arbeitspakete“ gilt es für dieses Ziel zu schultern, die von den verschiedenen Partnern betreut werden:  Die Université de Strasbourg übernimmt das Projektmanagement und ist zuständig für die Verbreitung und den Austausch von good practice und die nachhaltige Zusammenarbeit. Die Universität Amsterdam kümmert sich um die Förderung der Mehrsprachigkeit und Inklusion. Die Universität Freiburg bearbeitet die verbundweite Einführung innovativer Lern- und Lehrmethoden. Die Universität Thessaloniki betreut die Weiterentwicklung des langfristigen Ziels „Interuniversitäter Campus“ (Thessaloniki), das KIT wiederum ist für die Stärkung und Vernetzung der Regionen zuständig. Ein wichtiger Punkt nach drei Jahren Förderung wird sein: Werden alle beteiligten Hochschulen das Projekt finanziell unterstützen und weiterführen? „Der neue vierjährige Studiengang ist für uns eine Verpflichtung“, sagt dazu KIT-Präsident Holger Hanselka. „In dem Studiengang  geht es unter anderem um Fragen der Nachhaltigkeit – deshalb ist es auch unser Ziel, das Projekt nach dem Ende der ersten Förderphase fortzuführen.“

EPICUR-Verbund

Die acht Partner: 

Karlsruher Institut für Technologie

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Universität Strasbourg

Universität Haute-Alsace

Universität Amsterdam

Universität für Bodenkultur Wien

Adam- Mickiewicz-Universität Poznan (Posen)

Aristoteles-Universität Thessaloniki

26.07.2019 , Mareike Knoke
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