In vier Jahrzehnten von einem losen Verbund zur Gemeinschaft

Innerhalb von 40 Jahren wurde aus einem Arbeitsausschuss lose verbundener Forschungszentren die Helmholtz-Gemeinschaft. Dahinter stand der Wunsch nach Eigenverantwortlichkeit und die Überzeugung, dass sich die großen Fragen moderner Forschung nur durch eine Bündelung von wissenschaftlicher Exzellenz und der Ressourcen erreichen lässt. Auch sollte die Gemeinschaft auf diese Weise ein stärkeres Gewicht in der forschungspolitischen Diskussion bekommen. Heute ist die Helmholtz-Gemeinschaft der Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft in vielen Bereichen verpflichtet, wie es in ihrer Mission heißt. Ihr besonderer Beitrag zur Forschungslandschaft der Bundesrepublik ist die programmatisch-strategische und nachhaltige Forschung mit langfristigem Charakter, die sich zum Beispiel Konzeption und Betrieb von Großgeräten und komplexen Infrastrukturen manifestiert, die Kompetenz in Systemlösungen und die Vorsorgeforschung.

Die Forschungszentren formieren sich

Um die erste große Aufgabe - die Entwicklung sicherer und leistungsfähiger Kernreaktoren - zu stemmen, trafen sich 1958 Vertreter der noch im Aufbau befindlichen Forschungszentren Karlsruhe und Jülich, der damaligen Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt (heute Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung) und von Kernforschungsinstituten einiger Universitäten und gründeten den "Arbeitsausschuss für Verwaltungs- und Betriebsfragen der deutschen Reaktorstationen". Im Jahr 1959 trat das damalige Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung Berlin nach seiner Gründung bei.

Anfangs ging es um den Erfahrungsaustausch in Betriebs- und Sicherheitsfragen, doch schon bald auch um ein Thema, das die Großforschungszentren noch heute vereint: Fragen der Ausbildung, Besoldung und Patentbehandlung, die großen Einfluss auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Exzellenz und wirtschaftlichen Verwertung haben.

Deshalb stießen in den 1960er Jahren Zentren dazu, die in anderen Wissenschaftsfeldern ähnliche Fragen lösen mussten: Das Deutsche Elektronen-Synchrotron, Gesellschaft für Strahlenforschung (heute: Helmholtz-Zentrum München, Deutsches Zentrum für Gesundheit und Umwelt), das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (heute Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), die damalige Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (heute ein Fraunhofer-Institut) und die Gesellschaft für Schwerionenforschung.

Dieser Zusammenschluss von Forschungszentren gab sich nun eine Legitimation durch Satzung und Struktur. Damit wollten sie sich gegen ein zu starkes Hineinregieren und Mikromanagement der Verwaltungen in die Forschung wehren. Heute ist die Rolle der Politik mit der Formulierung der forschungspolitischen Vorgaben und der Orientierung an den drängenden Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft klarer definiert.

Das Verhältnis zum Staat wird geklärt

Anfang 1970 gründeten die Repräsentanten der Zentren die "Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen" (AGF) und beschlossen Leitlinien für das Verhältnis zum Staat. In partnerschaftlichem Zusammenwirken sollte er die grundlegende Aufgabenstellung festlegen. Die Durchführung sollte den Forschungszentren in Eigenverantwortung obliegen.

1975 wurde das Deutsche Krebsforschungszentrum Mitglied der Arbeitsgemeinschaft. Ein Jahr später kam die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (das heutige Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung) dazu. 1983 wurde das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Mitglied. Mit der Wiedervereinigung bekam die Gemeinschaft weiteren Zuwachs. Sie nahm neu gegründete Zentren aus den neuen Ländern auf: das GeoForschungsZentrum Potsdam, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und das damalige UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (heute Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ).

Stärke und Exzellenz durch Integration und stärkere Eigenverantwortlichkeit

1995 wurde die AGF in die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren umgewandelt. Die Forschungszentren kamen der von ihnen eingeforderten Eigenverantwortlichkeit einen weiteren Schritt näher. Seitdem gibt ein hochrangig besetzter Senat Empfehlungen zu wichtigen, inhaltlichen und strukturellen Fragen wie, zum Beispiel, zur Praxis der gemeinsamen Berufungen mit Hochschulen, zu Grundsätzen des Begutachtungsverfahrens und zu thematischen Prioritäten.

Das Jahr 2001 war ein wesentlicher Meilenstein in der Reform der Gemeinschaft: Der lose Verbund der Gemeinschaft wurde zu einem eingetragenen Verein rechtlich selbstständiger Mitglieder umgewandelt. Als inhaltliches Kernstück der Reform wurde die programmorientierte Förderung eingeführt und damit eine Umstellung von einer zentrenorientierten Finanzierung mit eigenen Budgets zu einer übergeordneten Finanzierung auf Ebene der Gemeinschaft. Insgesamt wurden 30 zentrenübergreifende Forschungsprogramme entworfen, die von international renommierten Gutachtern unter den Aspekten strategische Relevanz und wissenschaftliche Exzellenz eingehend geprüft wurden und werden. Keine andere Forschungsorganisation hat in den letzten Jahren eine vergleichbare Reform erfolgreich auf den Weg gebracht, mit der die Forschung an strategischen Zielen neu ausgerichtet wurde.

Seit der Reform steht zudem ein hauptamtlicher Präsident an der Spitze der Gemeinschaft, der mit dem Impuls- und Vernetzungsfonds ein wirksames Instrument hat, um strategische Schwerpunkte zu setzen und wissenschaftliche Exzellenz und Schwerpunktthemen mit der erforderlichen kritischen Masse zu fördern. Der strategisch ausgerichtete Impuls- und Vernetzungsfonds schafft ein Anreizsystem, das den wissenschaftlichen Wettbewerb fördert. Zusammen mit den anderen Forschungsförderungsmitteln unterstützt er zudem die Ziele der Helmholtz-Gemeinschaft im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation. Durch Konzentration auf Exzellenz, neue Formen der Kooperation und Vernetzung, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Entwicklung neuer Ansätze zur Innovationsförderung leistet sie ihren Beitrag zu Wachstum und Wohlstand.

Nach der Satzungsänderung Ende 2006 ist jeder Forschungsbereich der Gemeinschaft im neu gebildeten Präsidium seit 2007 durch einen Vizepräsidenten vertreten. Zusätzlich stellt der kaufmännische Bereich zwei Vizepräsidenten.

Durch die Reformen der letzten Jahre wurde eine Dynamik in Gang gesetzt, die die Helmholtz-Gemeinschaft zu einer der bedeutendsten öffentlich wahrgenommenen Wissenschaftsorganisationen Deutschlands macht.

Das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie ging am 1. Januar 2009 aus der Fusion  des ehemaligen Hahn-Meitner-Instituts Berlin (HMI) und der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung (BESSY) hervor.

Das neugegründete Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) ist seit dem 30. April 2009 Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft. Als 16. Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft ist das DZNE gleich in zweifacher Weise einzigartig: Es ist nicht auf einen Standort beschränkt, sondern besteht aus einem Netzwerk – dem Kernzentrum in Bonn und vorerst sechs leistungsstarken Partnerstandorten in Rostock/Greifswald, Magdeburg, Göttingen, Witten-Herdecke, Tübingen und München. Es beschränkt sich nicht auf Grundlagenforschung, sondern hat im Unterschied zu anderen europäischen Forschungsinstituten auf diesem Gebiet auch die Translation integriert.

Seit 1. Januar 2011 gehört das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) unter dem Namen Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) als 17. Zentrum zur Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und zum 1. Januar 2012 wurde aus dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) das GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

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20 Jahre Helmholtz-Gemeinschaft

Die Helmholtz-Gemeinschaft feiert ihr 20jähriges Bestehen. In einer interaktiven Zeitreise zeigen wir Ihnen die wichtigsten Meilensteine aus den vergangenen 20 Jahren.

 

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Festschrift der Helmholtz-Gemeinschaft

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