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Erneuerbare Energien

„Wir sind auf einem guten Weg“

Auch wenn die Sonne nicht immer scheint: Solarenergie wird eine wichtige Rolle in der Energieversorgung der Zukunft spielen. Bild: Fotolia.com/rangizz

Sigmar Gabriel will die Förderung erneuerbarer Energien reformieren. Lassen sich so die ehrgeizigen Ziele der Energiewende noch erreichen? Nachgefragt bei Ernst Huenges, Sprecher des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien

Herr Huenges, warum müssen die Pläne zur Energiewende überhaupt reformiert werden?

Ich hoffe doch, dass die Erfahrungen der vergangenen Jahre einfließen. Wir haben technologische Fortschritte gemacht, mit denen die Energieversorgung noch effizienter und umweltfreundlicher werden kann. Die vorliegenden Pläne zur Reform des EEG bergen allerdings auch die Gefahr, den Ausbau der Erneuerbaren Energien übermäßig stark zu bremsen.

Es soll weniger Förderung für einige Energiequellen geben, etwa für bestimmte Windkraftanlagen. Bedeutet das eine Abkehr vom eingeschlagenen Kurs?

Als Wissenschaftler möchte ich mich nicht in die Diskussion einmischen, ob es nun fünf, zehn oder fünfzehn Cent pro Kilowattstunde für eine bestimmte Energiesparte gibt. Für uns ist wichtig, dass das Potential einer jeden Sparte optimal genutzt wird, ob nun etwa Sonne, Wind, Biomasse oder Geothermie. Das Ziel bleibt ein Anteil von 40 bis 45 Prozent Erneuerbarer Energien am Strommix im Jahr 2025, und da sind wir auf einem guten Weg.

Wie kann dieses Ziel geschafft werden?

Indem neue Technologien entwickelt werden. Vor allem müssen wir mehr Verbindungen schaffen zwischen den Energiesektoren und mehr das gesamte System sehen. Bisher haben wir die Energiequellen zu separat betrachtet. Jeder Energieträger kann eine bestimmte Rolle im Energiemix übernehmen. Sonne und Wind etwa sind sehr günstig und frei verfügbar. Aber wenn die Sonne mal nicht scheint oder Windstille ist, muss trotzdem Strom bereitgestellt werden, rund um die Uhr. Dann müssen andere Energiequellen "einspringen". Auch die Speichermöglichkeiten müssen erweitert werden. Und wenn die Stromnachfrage gering ist, kann überschüssiger Strom zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden. So entstehen Synergien.

Wie wird denn momentan Wärme aus Erneuerbaren erzeugt?

Derzeit werden nur 11 Prozent der Gesamtmenge an Wärme aus Erneuerbaren Energien bereitgestellt, vor allem aus Biomasse, Geothermie, Solarthermie und Umweltwärme. Das mittelfristige Ziel sind 20 Prozent und mehr.

Ist das machbar?

Es muss noch gewaltig geforscht werden. Gigantisches Potential hat beispielsweise die Erdwärme. Da fehlen noch die planungssicheren Technologien. Wir brauchen mittelfristig einen gut durchdachten Mix aus konventionellen und regenerativen Energiequellen, damit langfristig 100 Prozent Erneuerbare Energien erreicht werden können. Dafür müssen vor allem die Technologien der Energiebereitstellung und -speicherung effizienter und damit kostengünstiger werden.

Wie stehen wir denn europaweit da, was den Ausbau Erneuerbarer angeht?

Die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland sind beispielhaft, sie wurden bereits in vielen europäischen Ländern übernommen. Durch politische Förderung ist ein neuer Wirtschaftszweig entstanden, und die Forschungsförderung ist verbessert worden. Wir sind international gesehen oft im "Fahrersitz", sagen also, wo es lang geht. Jetzt müssen wir auch die Dynamiken meistern.

Was heißt das?

Manchmal wird der Ausbau einer Technologie der Förderung angepasst: Wo es viel Geld gibt, wird viel gebaut. Das kann aber für das Gesamtsystem ineffektiv sein. Es sind zum Beispiel viele Biogas-Stromerzeugungs-Anlagen auf dem Lande entstanden. Dabei wurde zu wenig bedacht, dass die ja auch Wärme erzeugen, sie aber fernab der großen Wärmeabnehmer stehen.

Wie wichtig sind feste Ziele für die Energiewende?

Die helfen natürlich. In Deutschland haben die ehrgeizigen Ziele in den vergangenen Jahren viel bewirkt.

Dennoch möchte sich die EU nach 2020 nicht mehr auf Ziele für die einzelnen Mitgliedsstaaten zum Ausbau der Erneuerbaren Energien festlegen.

Die Kommission unterstützt die Forschung in den Ländern stark. Aber was feste Ziele angeht, sind die Mitgliedsländer einfach zu uneins. Da sprechen sie nicht die gleiche Sprache.

Prof. Dr. Ernst Huenges. Bild: GFZ

Prof. Dr. Ernst Huenges ist neu gewählter Sprecher des Forschungsverbundes Erneuerbare Energien. Der Physiker und Ingenieur leitet das "Internationale Geothermiezentrum" am Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum, und ist Sprecher des Forschungsprogramms "Geothermische Energiesysteme" in der Helmholtz-Gemeinschaft. Er lehrt außerdem an der Technischen Universität Berlin.

Im Forschungsverbund Erneuerbare Energien haben sich bundesweit Forschungsinstitutionen zusammengeschlossen, die sich mit wissenschaftlichen und technischen Aspekten erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz beschäftigen. Erklärtes Ziel des Verbundes ist es, die Nutzung erneuerbarer Energiequellen durch Forschung und Technologieentwicklung voran zu bringen. Mitglieder sind unter anderem das Forschungszentrum Jülich, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie.

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