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Präsidentschaftswahl

Die Wahl und die Wissenschaft

Bild: AaronBurden/Unsplash

Stimmt es, dass im US-Wahlkampf die Fakten immer mehr in den Hintergrund treten? In einer Serie haben wir die Positionen der Kandidaten zu ausgewählten Themen gegenübergestellt. Und die Sicht der Wissenschaft dazu ergänzt. Unser letztes Thema: Klimawandel

Beim Thema Klimawandel unterscheiden sich die Meinungen und Äußerungen von Donald Trump und Hillary Clinton sehr:

Der Klimawandel spielt für Donald Trump keine wichtige politische Rolle. Für ihn ist das Konzept des Klimawandels von und für die Chinesen geschaffen worden. Tweet vom 6. November 2012: The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive. Das 2015 in Paris beschlossene Klimabkommen möchte er neu verhandeln und die USA austreten lassen.

Hillary Clinton stellt weder den Klimawandel noch das Pariser Abkommen in Frage. Auf einer Wahlkampf-Seite stellt sie ihr enegiepolitisches Konzept vor. Sie möchte den Clean Power Plan von Präsident Obama fortführen und so die Treibhausemissionen im Sinne vereinbarter Zielwerte reduzieren.

Die Sicht der Wissenschaft von Mojib Latif - GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Der Klimawandel ist ein Fakt. Die Oberflächentemperatur der Erde ist seit Beginn der Industrialisierung um etwa ein Grad Celsius gestiegen. In der Wissenschaft zweifelt kaum ein ernst zu nehmender Wissenschaftler daran, dass der durch den Menschen verursachte Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre die Ursache für die Erderwärmung ist.

Auch in den meisten politischen Kreisen ist inzwischen angekommen, dass wir etwas gegen die Erderwärmung tun müssen. Das haben die Verhandlungen auf dem Weltklimagipfel in Paris gezeigt, auch wenn die geschlossenen Verträge aus meiner Sicht nur ein Anfang sind. Nun muss sich zeigen, ob die ehrgeizigen Ziele auch umgesetzt werden können. Um die Folgen des Klimawandels zumindest einzudämmen - denn rückgängig machen kann man ihn kurzfristig nicht - brauchen wir einen breiten politischen Konsens und gemeinsame Aktivitäten zum Klimaschutz rund um den Globus.

Die Wahlentscheidung in den Vereinigten Staaten hat deshalb eine Signalwirkung für dieses wichtige Thema. Donald Trump wird nicht müde, zu bekräftigten, dass es den vom Menschen verursachten (anthropogenen) Klimawandel entweder gar nicht gibt oder dass man ihn nicht ernst nehmen muss. Er hält nichts vom Pariser Klimaabkommen und würde es gerne rückgängig machen. Er setzt weiterhin auf fossile Energieträger, auf Kohle, Öl und Fracking. Würde er Präsident, hätte das also ziemlich sicher Auswirkungen auf die Pariser Verträge und zukünftige Aktivitäten zum Klimaschutz.

Hillary Clinton möchte den von Präsident Obama eingeschlagenen Weg fortsetzen. Sie möchte den CO2-Austoß bis 2050 um 80 Prozent reduzieren – ähnlich wie die deutsche Bundesregierung - und möchte nach dem marktwirtschaftlichen Verursacherprinzip einen CO2-Preis einführen, so wie es praktisch alle weltweit führenden Umweltökonomen verlangen.

Konkret werden die Unterschiede zwischen Clinton und Trump an der von Präsident Obama gestoppten Teersand-Pipeline Keystone deutlich. Sie soll Rohöl von Kanada in die USA leiten: Trump will sie fertigbauen, Clinton will das nicht. Die Förderung von Öl aus Teersand hinterlässt enorme Schäden an der Umwelt.

In puncto Klimawandel hat der US Wahlkampf also ganz klar Auswirkungen auf die weltweite Politik in diesem Bereich. Ohne die USA ist ein Klimaabkommen nur wenig wert.

Mojib Latif / Foto: blu-news.org

Mojib Latif ist Leiter des des Forschungsbereiches: Ozeanzirkulation und Klimadynamik am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

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