Simulation eines nichtrotierenden schwarzen Lochs von zehn Sonnenmassen, wie es aus einer Entfernung von 600 Kilometern aussähe. Die Milchstraße im Hintergrund erscheint durch die Gravitation des schwarzen Lochs verzerrt und doppelt. Bild: Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

Nachgefragt

"Kann ein schwarzes Loch die Erde schlucken?“

Sie sind seit jeher ein Faszinosum: schwarze Löcher. Aber was ist dran an der Legende, dass ein schwarzes Loch die Erde schlucken könnte? Volker Schomerus, Quantenphysiker am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY), kennt die Antwort.

Wir unterscheiden zwei Typen schwarzer Löcher, abhängig von ihrer Größe: Kleine stellare schwarze Löcher sind nur etwa zehnmal so schwer wie unsere Sonne. Es gibt sie millionenfach in unserer Galaxie, der Milchstraße. Der uns nächste bekannte Himmelskörper dieser Gattung ist über 1.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Große Sorgen müssen wir uns also nicht machen, dass die Erde von einem solchen kleinen schwarzen Loch geschluckt wird, denn: Selbst wenn unser Sonnensystem mit Lichtgeschwindigkeit auf ein solches schwarzes Loch direkt zurasen würde, würde es noch mehr als 1.000 Jahre bis zu einem Zusammenstoß dauern. Über eine solche Distanz einen so kleinen Himmelskörper genau und mit der maximal möglichen Geschwindigkeit zu treffen ist jedoch in höchstem Maße unwahrscheinlich. Die Gefahr, die von stellaren schwarzen Löchern ausgeht, ist also extrem gering. 

Anders ist die Situation dagegen bei der zweiten Gattung, den supermassiven schwarzen Löchern, von denen kürzlich eines von Wissenschaftlern erstmals fotografiert wurde. Über deren Positionen und Bewegungen wissen wir recht gut Bescheid. Deswegen ist das Risiko berechenbar. So ist bekannt, dass die uns am nächsten gelegene Galaxie ein großes schwarzes Loch hat – und dass sich unsere Galaxie mitsamt der Erde auf Kollisionskurs mit diesem Nachbarn befindet. 

Um es mal anschaulich zu machen: Wenn man die Lebenszeit unseres Sonnensystems auf einen Tag verkürzen würde, dann ist es jetzt neun Uhr morgens; der Homo sapiens existiert erst seit einem Wimpernschlag und die Kollision ist für den frühen Abend vorausgesagt. Ob es dabei überhaupt zur Kollision mit dem schwarzen Loch kommt – das ja nur ein Teil dieser Galaxie ist – lässt sich derzeit nicht vorausberechnen. Aber selbst wenn: Die Menschheit würde das ohnehin nicht mehr erleben – sie wird schon viel früher durch die Erwärmung und Ausdehnung der Sonne ausgelöscht sein.“

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22.10.2019 , Nachgefragt hat Benjamin Haerdle

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