Kometenlander aufgewacht

„Hallo Erde, kannst Du mich hören?“

Kometenlander Philae auf dem Kometen Tschuri. Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Der Kometenlander Philae hat sich zurückgemeldet – rechtzeitig bevor der Komet zu aktiv wird. Für das Ende der Mission gibt es derweil eine neue Idee.

24 Watt reichen kaum aus, um ein Frühstücksbrötchen kross zu toasten. Dem kühlschrankgroßen Kometenlander Philae reicht diese Leistung, um Funkkontakt mit der der Erde aufzunehmen. Im November letzten Jahres hatte das Lander-Kontrollzentrum am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln das letzte Mal Kontakt mit Philae. Zuvor war eines der spektakulärsten Projekte der unbemannten Raumfahrt geglückt. Die Landung auf einem Kometen. Der solarbetriebene Lander Philae konnte sich bei seiner Landung auf dem Kometen Tschuri aber nicht wie geplant im Boden verankern. Er setze zweimal auf der Oberfläche auf und kam an einer Stelle zum Stehen, die weit weniger Sonnenstrahlung abbekommt als der vorgesehene Landeort. Die Energie der Batterien reichte dennoch aus, um den größten Teil der geplanten Experimente – wie das Anbohren der Kometenoberfläche und eine chemische Analyse des Kometen – durchzuführen und die Daten zur Erde zu senden. Doch dann war Schluss. Philae begab sich in einen energiearmen Schlafmodus. 

Seitdem nähert sich der Komet der Sonne. Die Ingenieure hofften, dass die Solarmodule auf den Außenseiten des Landers genug Energie einfangen würden, damit sich Philae wieder meldet. Vor wenigen Tagen war es so weit. Philae sendete etwa 300 Datenpakete zur Erde. Housekeeping-Daten, die etwas über den Zustand des Landers aussagen. Für die Flugingenieure in Köln geht es nun zunächst darum die Raumsonde Rosetta neu auszurichten. Rosetta hat den Lander huckepack zu Tschuri transportiert und umkreist nun den Kometen. Der Funkkontakt zwischen Philae und der Erde läuft über die Sonde und ist immer noch sehr instabil. Danach wollen die Forscher die Instrumente des Landers wieder aktivieren. Mitte August wird der Komet seinen nächsten Punkt zur Sonne erreichen. Dann könnte es für die Elektronik von  Philae schon zu heiß sein. 

Die Kameras der Muttersonde Rosetta sollen in den nächsten Wochen Bilder von der Entstehung des Kometenschweifs liefern. Je näher der Komet der Sonne kommt, umso mehr Wasser verdampft und reißt dabei Kometenstaub mit sich. Ab Mitte August entfernt sich der Komet dann wieder von der Sonne. Der Schweif wird dabei immer kleiner. Rosetta soll Tschuri auf seinem Weg weiter begleiten. Um die Sonde auf dem richtigen Kurs zu halten, müssen die Flugingenieure von der Erde aus immer wieder eingreifen. Irgendwann wird der Sonde der Sprit ausgehen und die Mission ist beendet.

Für das Ende von Rosetta sind zwei Szenarien denkbar: Die Sonde driftet einfach vom Kometen weg ins weite All. Die andere Möglichkeit wäre, Rosetta mit dem letzten Sprit immer näher an den Kometen heranzufliegen und sie dann sogar auf dem Kometen aufsetzen zu lassen. Die zweite Möglichkeit lässt zumindest auf spektakuläre Bilder hoffen, die die Kameras der Sonde bei diesem Manöver wohl liefern würden. In welchem Zustand die Sonde diese Landung übersteht, ist ungewiss. „Es kann natürlich sein, dass die Antenne oder ein Solarpanel abbricht“, erklärt Stephan Ulamec vom DLR gegenüber dem Deutschlandfunk. „Niedrigere Orbits sind zwar riskanter, aber am Ende der Mission ist das ja letztendlich egal.“ 

Mehr zum Thema:

Mission Rosetta: Brachten Kometen das Leben auf die Erde?

Mission Rosetta: Mehr Sonne bitte

Rosetta: Europas Kometenjäger (DLR)

Rosetta-Seite der ESA

16.06.2015 , Martin Trinkaus
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