Sonntags-Vorlesung

Autonome Autos erfordern neue Gesetze

Stau, Lärm, Dreck und klimaschädliche Abgase. Das ist die Kehrseite unserer mobilen, vom Autoverkehr geprägten Gesellschaft. Doch dies könnte sich bald ändern – Wie wir uns in Zukunft fortbewegen werden ist Thema der zweiten Helmholtz-Humboldt Sonntagsvorlesung am 15. März in Berlin

In Deutschland leben bereits drei Viertel der Bevölkerung in Städten, die Tendenz ist steigend. „Die Mobilität wird variabler und individueller", ist die Prognose von Martin Kagerbauer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er ist überzeugt, dass die Stadtbewohner bald nicht mehr so sehr aufs Auto fixiert sein werden, sondern unterschiedliche Verkehrsmittel nutzen. „Bike- und Car-Sharing -Sharing werden an Bedeutung gewinnen", sagt der Verkehrsforscher. Dass im Jahr 2030 nur noch Elektro-Fahrzeuge durch die Städte rollen werden, glaubt Kagerbauer nicht. Vielmehr prognostiziert er einen Mix der Fortbewegungsmittel und Antriebsarten. Elektrofahrzeugen traut er in 15 Jahren einen Anteil von etwa zehn Prozent zu. Bis 2030 werden hierzulande wohl auch komplett selbst fahrende Autos über die Straßen rollen. Weltweit wird daran bereits eifrig getüftelt, auch in Berlin, in den Autonomos Labs der Freien Universität. „Made in Germany" und „e-Instein" heißen die Prototypen. Mit derartigen autonomen Fahrzeugen hat sich HU-Wissenschaftlerin Carmen Appenzeller eingehend beschäftigt - unter juristischen Aspekten. Rein technisch sei es gut vorstellbar, dass ein fahrerloses Auto eines Tages Kinder zur Schule fährt und Einkäufe erledigt. „Rechtlich wäre aber allerhand zu regeln", sagt sie. Eine wichtige Frage sei, was ein Fahrer eines autonomen Fahrzeugs können muss. „Soll er jederzeit eingreifen und das Steuer übernehmen können? Sollen zum Beispiel auch Blinde damit fahren dürfen?", nennt sie wichtige offene Fragen. Auch die Haftung im Falle eines Unfalls sei zu bedenken. „Wer kommt etwa für einen Schaden auf, der entsteht, wenn der Programmierer des Autocomputers eine Situation nicht bedacht hat?", fragt Appenzeller. Sie ist allerdings zuversichtlich, dass sich Lösungen für die offenen Rechtsfragen finden werden. Der erste Schritt, um den Weg frei zu machen für autonome Autos, ist jedoch eine Änderung des deutschen Straßenverkehrsgesetzes. Es stammt von 1909, noch aus der Zeit der Pferdedroschken, und schreibt vor, dass ein Mensch jederzeit die Gewalt über sein Fahrzeug haben muss. Appenzeller: „Damals mussten die Kutscher stets die Zügel in der Hand haben. Deshalb verbietet das Gesetz derzeit noch, dass ein Fahrzeug sich selber lenkt." Elektro Fahrzeuge wie von Geisterhand gesteuert so etwas war vor hundert Jahren wirklich nicht absehbar.

Mehr Informationen zu den anderen Veranstaltungen der Sonntagsvorlesung.

Text veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Berliner Zeitung.

12.03.2015 , Anne Brüning

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