Offene Daten für die Forschung

Unter dem Motto Open Research Data widmet sich die Helmholtz-Gemeinschaft dem offenen Datenaustausch in der Wissenschaft. Heinz Pampel vom Helmholtz Open Science Office befasst sich in einer dreiteiligen Artikelreihe mit dem Thema Open Science. Im ersten Teil: Offene Daten für die Forschung.

Für die Wissenschaft sind sie ein großer Schatz: Digitale Forschungsdaten. In vielen Fällen sind sie einzigartig, oft werden sie durch kostenintensive Experimente, Missionen und Expeditionen erhoben - etwa bei internationalen Satellitenmissionen in den Erd- und Umweltwissenschaften oder hochspezialisierten mikrobiologischen Untersuchungen im Labor. Dank datengetriebener Forschungsmethoden wächst die Fülle an Daten in allen Disziplinen rasant.

Damit stellen sich Forscher:innen wichtige Fragen: Wie können die Daten effizient für andere Wissenschaftler:innen aufbereitet werden? Inwiefern können sie von Fachleuten anderer Disziplinen genutzt werden? Und welche Möglichkeiten bietet Open Science der Wissenschaft?

Unter dem Stichwort Forschungsdatenmanagement (FDM) beschäftigen sich immer mehr Forschungseinrichtungen mit diesen Herausforderungen. Das Ziel: die Daten so aufzubereiten, dass sie der Forschung möglichst offen und nachnutzbar sind. Dies geht nicht immer und in allen Fachgebieten. In der Medizin zum Beispiel setzen rechtliche und ethische Faktoren der Datennutzung enge Grenzen. Für diesen Abwägungsprozess gilt der generelle Leitsatz: „as open as possible as closed as necessary“ (so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig).

Anliegen des Forschungsdatenmanagement ist es, Wissenschaftler:innen das „Data Sharing“ so einfach wie möglich zu machen. Dazu gehört es, die Kultur des Teilens von Daten in der Wissenschaft zu fördern und Open Science als neuen Standard der Forschung zu gestalten. Notwendig hierfür sind: Policies, Infrastrukturen, sowie Anreize und Kooperationen.

Policies für offenen Daten

Die Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft schaffen dazu die Regularien, sogenannte „Data Policies“. Diese werden anhand eines übergreifenden Positionspapiers der Gemeinschaft umgesetzt und greifen auch Anforderungen von forschungsfördernden Organisationen auf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum Beispiel hat mit dem Aktionsplan Forschungsdaten im letzten Jahr wichtige Impulse für eine verbesserte Datenkultur gegeben. Die Europäischen Kommission hat Open Science sogar in ihrem neuen Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe als Evaluierungskriterium verankert. Seitdem müssen Forscher:innen im Wettbewerb um EU-Mittel deutlich machen, wie offen sie mit ihren Ergebnissen umgehen.

Mit den FAIR-Prinzipien wurden auf internationaler Ebene zudem wissenschaftsgeleitete Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten formuliert. Sie werden in Deutschland derzeit in der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) übernommen und europaweit in der European Open Science Cloud (EOSC) umgesetzt. Ein Schwerpunkt dieser beiden Initiativen liegt in der Vernetzung von Dateninfrastrukturen, um das Teilen und darauf basierendes Nachnutzen von Forschungsdaten zu erleichtern.

Infrastrukturen für digitale Daten

Diesen Prozess treiben die Helmholtz-Zentren aktiv voran. So engagieren sie sich zum Beispiel an 15 der bisher 19 NFDI-Konsortien; insgesamt sind dort 18 Helmholtz-Zentren beteiligt. Auch an verschiedenen Projekten der EOSC sind die Zentren auf internationaler Ebenen involviert. Um digitale Datenräume zu realisieren, arbeiten sie zudem auch mit der Wirtschaft zusammen, zum Beispiel beim Aufbau der europäischen Dateninfrastruktur GAIA-X. Einen Überblick über die internationale Landschaft der Forschungsdateninfrastrukturen bietet das Registry of Research Data Repositories – re3data, an dessen Entwicklung Helmholtz-Zentren beteiligt sind.

Forschungsdaten in der Publikationsliste

Auch die Wissenschaftspolitik debattiert über die Forderung nach möglichst offenen Daten. So haben jüngst die G7-Staaten ihr Bekenntnis zu Open Science unterstrichen. Dieser Thematik widmet sich bei Helmholtz das Helmholtz Open Science Office, das sich für den Kulturwandel hin zu offenen Daten einsetzt.

Im wettbewerbsorientierten Wissenschaftssystem fördert das Office die Entwicklung von Publikationsstrategien für digitale Daten damit notwendige Anreize für den Datenaustausch gesetz werden. Eine große Rolle spielt dabei die Zitierfähigkeit von Forschungsdaten, damit sie im wissenschaftlichen Reputationssystem verankert werden können. In einigen Zentren finden sich die digitalen Daten so zum Beispiel schon auf den Publikationslisten der Forscher:innen.

Austausch auf allen Ebenen

Wissenschaft ist international. Deshalb sind einheitliche Standards für den offenen Datenaustausch enorm wichtig; von besonders großer Relevanz sind Metadaten. Diese „Daten über Daten“ informieren über die Entstehung und die Qualität von Forschungsdaten. Bei Helmholtz kümmert sich die Helmholtz Metadata Collaboration (HMC) um diese Thematik und sorgt so dafür, dass digitale Daten , für Dritte verständlich und nutzbar sind. Eingebunden sind diese Tätigkeiten in Aktivitäten der internationalen Research Data Alliance (RDA), in der die Helmholtz-Gemeinschaft Mitglied ist. Wichtig ist dabei immer auch die Weitergabe von Wissen und Information an künftige Generationen von Wissenschaftler:innen. Mit der Helmholtz Information & Data Science Academy (HIDA) wird genau dieses Ziel verfolgt: HIDA bildet Forscher:innen zu Datenspezialist:innen aus und weiter, damit Data Sharing in Zukunft Alltag in der Wissenschaft wird.

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Artikelreihe Open Science

Heinz Pampel vom Helmholtz Open Science Office befasst sich in einer dreiteiligen Artikelreihe mit dem Thema Open Science.

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