HELMHOLTZ extrem

Ein Garten in 5.000 Metern Meerestiefe

Experimente im Hausgarten des AWI. Bild: Michael Klages

Wenn die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts von ihrem HAUSGARTEN sprechen, meinen sie nicht den Garten hinter dem Institut, sondern eine moderne Forschungsstation in der arktischen Tiefsee.

Trockene Wüsten, eisbedeckte Pole, tropische Wälder - die Erde bietet unterschiedlichste beeindruckende Landschaften. Die Größte unter ihnen ist die am wenigsten bekannte: Die Tiefsee. Sie bedeckt mehr als 62% unserer Erdoberfläche und ist weitestgehend unerforscht. Charakteristisch für diesen gigantischen Lebensraum, unterhalb von 800 Meter Wassertiefe, sind die extremen Lebens- und Forschungsbedingungen. Komplette Dunkelheit und der immense Druck, macht es den Wissenschaftlern schwer, in den Lebensraum vorzudringen. Lange Zeit glaubten die Forscher sogar, dass es in den Tiefen der Meere gar kein Leben gibt. Als man 1860 an einem defekten Tiefseekabel Reparaturen vornehmen wollte, hingen an dem aus fast 2.000 Metern Tiefe geborgenen Kabel, seltsame Tiere fest. Das Interesse der Forschung war geweckt. Um den Geheimnissen des Lebens in der Tiefsee auf die Spur zu kommen, brauchen die Forscher jedoch die Unterstützung modernster Technologie. Tauchboote etwa, ausgestattet mit Licht, Kameras und wissenschaftlichen Geräten, die den extremen Druck aushalten. So richtig in Schwung kam die Tiefseeforschung daher erst Mitte des letzten Jahrhunderts.

Die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (AWI) interessieren sich besonders für den Einfluss des Klimawandels auf den Lebensraum Tiefsee. Damit sie seine Auswirkungen beobachten und verstehen können, sind Langzeitmessungen nötig. Seit dem Jahr 1999 betreibt das AWI das Tiefseeobservatorium HAUSGARTEN in der östlichen Framstraße. In dem Gebiet zwischen Grönland und Spitzbergen werden an inzwischen 21 Stationen in 1.000 bis 5.500 Metern Tiefe, über das Jahr hinweg verschiedenste physikalische und biogeochemische Parameter gemessen. Im Sommer sind die Wissenschaftler regelmäßig vor Ort und entnehmen mit unterschiedlichsten Geräten Proben in der Wassersäule und am Meeresboden. Auch in diesem Jahr werden sie mit dem Forschungsschiff "Polarstern" fast vier Wochen über ihrem "Garten" verbringen. Während des übrigen Jahres liefern die Messgeräte, die auf dem Meeresboden verankert sind, kontinuierlich Daten.

Das Langzeitobservatorium liefert inzwischen viele unverzichtbare Erkenntnisse über die so wenig erforschte Tiefsee und ihre Bewohner. So wissen die Forscher mittlerweile, dass Klimaveränderungen an der Meeresoberfläche, ohne große zeitliche Verzögerung auf das Ökosystem am Meeresboden einwirken. Die Bilder, die die Spezialkameras liefern, zeigen leider auch, dass sich immer mehr Plastikmüll in der Tiefsee ansammelt. 

Zum Weiterlesen:

Müll im Meer: Die Plastik-Pest

Bodenschätze: Bergbau in der Tiefsee

Alle Ausgaben von HELMHOLTZ extrem

Weitere Links:

Helmholtz-Allianz Robotische Exploration unter Extrembedingungen

Das AWI baut ein neues Langzeit-Observatorium für Ozean-Beobachtungen in der Arktis 

Svalbard Integrated Earth Observing System (SIOS)

28.05.2015 , Jolan Kieschke
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