HELMHOLTZ extrem

Der appetitlichste Geruch der Forschung

Das Herzstück der Versuchsanlage, in der der rohölartige Energiebrei entsteht. Bild: KIT

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Am Karlsruher Institut für Technologie riecht es nach Geräuchertem - und das ohne Schinken. Schuld daran sind trockene Pflanzenreste. Aus der Biomasse versuchen Wissenschaftler, Kraftstoff herzustellen

In der Versuchshalle riecht es kräftig nach Räucherschinken – als machten die Forscher gerade Brotzeit. Das appetitanregende Aroma hängt jedoch Tag und Nacht in der Halle am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wenn Forscher versuchen, trockene Pflanzenreste wie Stroh in Kraftstoff umzuwandeln. Dabei entsteht ein Geruch nach Geräuchertem – ganz ohne Schinken.

In der „bioliq“ genannten Versuchsanlage erforschen die Karlsruher Wissenschaftler, wie aus Restbiomasse möglichst effizient Energie gewonnen werden kann. Darin enthalten sind Lignin und Zellulose. Lignin besteht aus festen Molekülketten und ist zusammen mit der Zellulose für das Verholzen pflanzlicher Zellen verantwortlich. Geschätzte 20 bis 30 Prozent der Trockenmasse verholzter Pflanzen bestehen aus Ligninen. Sie sind neben Zellulose und Chitin die häufigsten organischen Verbindungen auf der Erde. Wie aber entsteht aus trockenen Pflanzen nun Kraftstoff?

Im ersten Schritt wandelt sich die Biomasse unter hohen Temperaturen und Sauerstoffausschluss in einen rohölartigen Energiebrei um. Daraus wird Gas hergestellt, das noch von Störstoffen gereinigt wird. Im letzten Schritt setzen die Wissenschaftler die Gasmoleküle zu maßgeschneidertem Bio-Benzin zusammen. Die einzelnen Schritte wurden bereits erfolgreich getestet; in diesem Jahr nun läuft in der Pilotanlage erstmals der gesamte Prozess ab. Aus Strohballen werden so hochwertige und motorenverträgliche Designerkraftstoffe. Der industriellen Fertigung steht dann nichts mehr im Wege. Nun wollen die Forscher noch testen, ob sich beispielsweise auch Kerosin für Flugzeugantriebe umweltfreundlich herstellen lässt. Wer weiß, vielleicht entsteht dabei ja der Duft nach Würstchen.

Website des bioliq - Projekts

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26.05.2014 , Angela Bittner
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