Interview

Neue Promotionsleitlinien veröffentlicht

Vasiliki Anastasopoulou, 30 Jahre, ist Doktorandin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin. Bild: Natalia Plewa

Was ist das Besondere an einer Promotion in der Helmholtz-Gemeinschaft? Und was lässt sich verbessern? Wir sprachen mit Vasiliki Anastasopoulou, Doktorandin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), die an den neuen Promotionsleitlinien mitgearbeitet hat.

Sie promovieren am MDC, einem Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft. Worum geht es bei ihrer Forschung?

Ich beschäftige mich mit der Frage, wie man das eigene Immunsystem nutzen kann, um Krebs zu bekämpfen. Konkret arbeite ich an der T-Zelltherapie. Schäden in der DNA des Menschen können Krebs verursachen. Diese Schäden treten zufällig auf und können sich dann unkontrolliert ausbreiten und dadurch einen Tumor entstehen lassen. In meinem Projekt versuchen wir, Mutationen zu finden, die durch T-Zellen als natürlichen Teil des Immunsystems als fremd erkannt und angegriffen werden. Im Körper sind diese T-Zellen nur in geringer Zahl vorhanden und in ihrer Aktivität eingeschränkt. Wir modifizieren die Zellen deshalb außerhalb des Körpers und geben sie den Patienten zurück. Dann können solche „therapeutischen“ T-Zellen die Krebszellen zerstören und den Tumor auflösen.

Warum forschen Sie bei Helmholtz? 

Für mich war es klar, dass ich im Bereich der Krebs-Immuntherapie arbeiten wollte. In Dresden, wo ich 2014 meinen Master gemacht habe, gab es damals nicht so viele Optionen, meine wissenschaftliche Karriere fortzusetzen. Deswegen bewarb ich mich für das internationale Promotionsprogramm am MDC, einer der wenigen Orte, an denen eine solche Forschung möglich ist.

Was mussten Sie tun, um am MDC-Promotionsprogramm aufgenommen zu werden?

Nach einem Online-Bewerbungsverfahren wurde ich für eine ganze Woche eingeladen. Ich nahm an Panel-Diskussionen mit MDC-Mitarbeitern zum eigenen Forschungsthema teil und führte Gespräche mit potenziellen Arbeitsgruppenleitern. Insgesamt ging es vor allem darum, die eigene wissenschaftliche Leistung auf Englisch kommunizieren und erklären zu können.

Was ist das Besondere an einer Promotion in der Helmholtz-Gemeinschaft?

Die Ausbildung ist sehr strukturiert. Das ist für mich ein großer Vorteil. Einmal im Jahr gibt es ein Treffen mit dem PhD-Komitee, mit dem ich über mein Projekt reden, neue Forschungsziele setzen und überlegen kann, wie ich Probleme in meiner Forschungsarbeit lösen kann. Das hat mir sehr geholfen. Generell sind die Helmholtz-Doktoranden privilegiert: Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut; es gibt viele Möglichkeiten, wie man sich persönlich weiterentwickeln und die eigenen Karriereaussichten verbessern kann. Trotzdem kann manches noch besser werden. Das war für mich der Anstoß, mich zu engagieren. 

Sie haben in einer Arbeitsgruppe mitgearbeitet, die die Helmholtz-Leitlinien zur Doktorandenausbildung evaluiert hat. 

Ja genau. Im Jahr 2018 war ich eine der beiden Sprecherinnen von Helmholtz Juniors, eine Doktorandeninitiative innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft. Das machte mir einerseits viel Spaß, bereitete mir andererseits aber auch Arbeit. Dadurch kam ich natürlich auch viel in Kontakt mit anderen Doktoranden in der gesamten Gemeinschaft.

Was sind denn aus Ihrer Sicht wesentliche Neuerungen der Leitlinie, die 2014 erstellt und jetzt novelliert wurde?

Es ist nun klar definiert, was die Aufgabe eines Betreuers ist, sowohl auf Seiten von Helmholtz als auch auf Seiten der Universität. Das war sehr wichtig, weil es immer wieder Unsicherheiten gab. Wichtig ist auch, dass es jetzt einen präzisen „Thesis work plan“ gibt. Er gibt vor, was während der Promotion zu tun ist und beinhaltet zum Beispiel einen Risikoplan. In der Wissenschaft können immer Dinge schiefgehen, vor allem zu Beginn. Deshalb ist es wichtig, sich mit seinem Supervisor hinzusetzen und zu versuchen vorherzusagen, was Probleme sein könnten. Und drittens gibt es nun klare Verantwortlichkeiten für Doktoranden, Betreuer und den Helmholtz-Zentren. Alle wissen, was während einer Promotion zu tun ist. 

Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung aus? Wollen Sie in der Forschung bleiben?

Im Moment habe ich noch keinen konkreten Plan. Was ich sicher weiß ist, dass ich meine Karriere in der Wissenschaft und auch zum Thema Krebsimmuntherapie fortsetzen möchte. Gerne würde ich in Berlin bleiben, weil dieses Thema besonders hier viel Potenzial hat. 

Sie stammen aus Griechenland. Können Sie sich eine Rückkehr schon jetzt vorstellen?

Das ist ein Plan für die Zukunft, noch nicht für die Gegenwart. Jetzt will ich mich erst mal ausreichend auf meinem Forschungsgebiet qualifizieren. Später kann ich mir das sehr gut vorstellen.

Die Helmholtz Gemeinschaft bildet gemeinsam mit den Universitäten rund 8.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Die Promotionsleitlinien wurden 2014 etabliert und 2019 überabeitet. Mit den Leitlinien definiert Helmholtz hohe Qualitätsstandards für die Promotionsphase und bekennt sich zu ihrer Verantwortung gegenüber ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem entscheidenden Karriereabschnitt. Die Leitlinien bestimmen die Verantwortlichkeiten von Promovierenden, ihren Betreuenden und den Helmholtz-Zentren. 

Zu den Promotionsleitlinien

20.05.2019 , Interview: Benjamin Haerdle
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