Helmholtz&Uni

Die Unterfinanzierung der Hochschulen bleibt das große Problem

Von links nach rechts: Bernhard Eitel, Georg Schütte, Moderatorin Heike Schmoll, Jürgen Mlynek, Ottmar D. Wiestler und Michael Boutros. Photo: Philipp Rothe

An der Universität Heidelberg diskutieren Experten über die Zukunft des Wissenschaftssystems

Gründer, Erneuerer und Förderer der Universität Heidelberg blickten erhobenen Hauptes von den reich verzierten Wänden der Alten Aula. Oben die Namenszüge und Büsten der Gelehrten (darunter Hermann von Helmholtz), unten eine diskussionsfreudige Runde, die sich den Fragen der Moderatorin Heike Schmoll von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) stellte. Es war die siebte Veranstaltung der Reihe "Helmholtz&Uni". "

Von der einseitigen Förderung der Lehre halte ich gar nichts", sagte Uni-Präsident Bernhard Eitel gleich zu Beginn. "Forschung und Lehre können nur als Einheit betrachtet werden. Die Forschung stützt die Lehre, zieht die Besten der Besten an." Die Universitäten seien das Rückgrat des deutschen Forschungssystems und nur die Unis seien in der Lage, Studierende für die Forschung von morgen auszubilden. Von der Politik wünsche er sich zukünftig eine wesentlich bessere Grundausstattung an den Universitäten.

Dem konnte Helmholtz-Präsident Jürgen Mlynek nur zustimmen. Die länderfinanzierten Universitäten seien gnadenlos unterfinanziert und das werde sich auch in den nächsten 10 bis 20 Jahren nicht ändern, sagte er: "Obwohl unser Wissenschaftssystem seit dem Zweiten Weltkrieg nie so stark war wie heute, bewegen wir uns in vielen Spannungsfeldern, in denen sich außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Universitäten positionieren müssen, um international sichtbar zu werden."

Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, wies darauf hin, dass der Bund bereits einige wichtige Zugeständnisse an die Länder gemacht habe. Beispielsweise müsse das freigewordene BAföG-Geld von diesen klug eingesetzt werden. Mehr als eine Milliarde Euro stehe den Ländern von nun an jährlich zusätzlich zur Verfügung, die vor allem den Universitäten zu Gute kommen sollten. Weitere Zugeständnisse seien die am 30. Oktober vorgelegten Beschlüsse der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern zur Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems. Diese zeigten, dass es durchaus ein starkes Miteinander von Bund und Ländern gebe. Trotz aller Spannungen sei viel Bewegung im System: "Mit der geplanten Fortführung des Hochschulpaktes und des Paktes für Forschung und Innovation ergeben sich große Handlungsspielräume für alle Beteiligten. Ich kann nur an alle appellieren, diese zu nutzen und sich noch stärker zu vernetzen und zu kooperieren."

Beim Stichwort GWK ergriff Unipräsident Eitel wiederum das Wort und stimmte dem Staatssekretär zu, dass die Politik sich durchaus bewege. "Die Verlängerung und Aufstockung der Programmpauschale um zwei Prozent sind ein wichtiges politisches Signal, über das ich sehr froh bin. Diese Zusage verschafft den Universitäten mehr Planungssicherheit und die Chance, noch enger mit den Außeruniversitären zusammenzuarbeiten."

Als Moderatorin Heike Schmoll in die Runde fragt, was von der beschlossenen Fortführung der Exzellenzinitiative in neuem Gewand über 2017 hinaus zu halten sei, gewann die Diskussion nochmals an Intensität. Bernhard Eitel mahnte in Richtung von Staatssekretär Schütte, dass die Spitzenförderung weitergehen müsse. "Ich hoffe, dass die zukünftige Exzellenzinitiative - wie immer sie dann auch heißen mag - die erfolgreichsten Universitäten an die Spitze führt, um sie international sichtbar und wettbewerbsfähig zu machen." Er appellierte an die Politik, nicht mit dem Gießkannenprinzip vorzugehen, sondern strukturiert und ganz gezielt. Da die jetzige Runde der Exzellenzinitiative von einer internationalen Kommission, der so genannten Imboden-Kommission, derzeit evaluiert wird, entscheiden Bund und Länder voraussichtlich erst Anfang 2016 über die konkrete Form der "neuen" Exzellenzinitiative.

"Themen, Themen, Themen"

In der fast zweistündigen Diskussion tauchten immer wieder die Begriffe Kooperation und Vernetzung als wesentlichste Elemente für wissenschaftlichen Erfolg und internationales Renommee auf. Vor allem Heidelberg stünde für Kooperation und Vernetzung, sagte Otmar Wiestler - das zu Helmholtz gehörende Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), dessen Vorstandsvorsitzender er ist, sei hierfür das beste Beispiel. Zusammen mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Heidelberg und der Deutschen Krebshilfe gründete das DKFZ 2004 das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg - das führende onkologische Zentrum in Deutschland. Alle Partner unterstützen das NCT seither durch Infrastruktur und Ressourcen und sichern die Finanzierung.

Was erfolgreiche Kooperation zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung konkret bedeutet, konnte Michael Boutros anhand seiner eigenen Arbeit verdeutlichen. Als sowohl vom DKFZ und als auch von der Uni Heidelberg berufener Forscher analysiert er Signalprozesse, die bei der Entstehung von Krebs eine entscheidende Rolle spielen. "Das geht nur mit starken Partnern und der Bündelung all unserer Erfahrungen und Ideen", sagte Boutros. Überhaupt gehe es bei dem Gedanken der gemeinsamen Forschung in erster Linie um Themen.

Die effizientesten Kooperationen seien solche, die aus gemeinsamen Ideen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entstünden, sagte auch Helmholtz-Präsident Mlynek: "Erst kommt das Thema, dann das gemeinsame Nachdenken, dann der Wille zur Zusammenarbeit und mit ihr der Mehrwert für Wissenschaft und Gesellschaft." Die Komplexität der Finanzierung und Förderung käme erst an letzter Stelle - dann aber wie eine Wucht, wenn es tatsächlich ans gemeinsame Forschen gehe.

Georg Schütte ergänzte: "Wir können nicht immer nur Diskussionen um Geld führen. Die Diskussionen müssen auf strategischer Ebene geführt werden - nur so können wir international punkten." Als Beispiel führte er die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung an, die von der Politik als strategisches Element zur Bekämpfung schwerwiegender Erkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus der Taufe gehoben worden sind und im Ausland, vor allem in den USA, als vorbildliches Projekt angesehen werden.

Am Ende der Diskussion warf Heike Schmoll noch eine kontroverse Frage in den Runde: "Bräuchte Helmholtz die Universitäten, wenn es selbst das Promotionsrecht hätte?" Jürgen Mlynek antwortete: "Darum geht es nicht. Die richtige Frage ist doch, wie wir alle zusammen - Unis und Außeruniversitäre - einen gemeinsamen Mehrwert für das Wissenschaftssystem schaffen können. Meine Antwort ist: wir alle, wie wir hier sitzen, müssen mutig voranschreiten, offen sein für neue Modelle und uns noch mehr füreinander und miteinander engagieren." An dieser Stelle gab es keinen Widerspruch auf dem Podium.

07.11.2014 , Janine Tychsen
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