HELMHOLTZ extrem

Das größte Fußgänger-Experiment der Welt

<b>Pulkbildung für die Wissenschaft</b> Ab sechs Personen pro Quadratmeter wird es brenzlig. Bild: Forschungszentrum Jülich

Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, wird es eng – und mitunter gefährlich. Um das Gedränge auf Großveranstaltungen besser zu verstehen, luden Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich 2000 Probanden in die Düsseldorfer Messehalle ein und beobachteten die Bewegungen der Menge.

Wenn viele Menschen auf begrenztem Raum zusammenkommen, kann aus wohliger Tuchfühlung rasch unbehagliche Enge werden – etwa nach einem Konzert, wenn alle Besucher auf einmal in Richtung Ausgang strömen. Nimmt das Gewühl weiter zu, wird es zwangsläufig gefährlich; so wie 2010 auf der Duisburger Love Parade, bei der in einem Gedränge 21 Menschen umgekommen und 500 verletzt worden sind. Wie sich Menschen bewegen, wenn sie Teil einer großen Menge sind, ist noch wenig erforscht. Auch Vergleiche mit Flüssigkeiten oder Molekülen helfen da nur bedingt; schließlich verfolgen Fußgänger immer auch eine Strategie. Um mehr darüber zu erfahren, haben Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich im Jahr 2013 einen Großversuch gestartet. 2000 Probanden luden sie in die Düsseldorfer Messehalle ein – ein größeres Experiment mit Fußgängern hat es noch nicht gegeben.

Vier Tage lang schleusten die Forscher sie durch mal schmale, mal weite Zugänge, über blockadeträchtige Kreuzungen und in sich bis zu klaustrophobischer Enge füllende Räume. Wechselnde Randbedingungen wie Eile oder eingesetzte Verkehrszeichen sorgten für zusätzliche Erkenntnisse. Dokumentiert wurde das Geschehen von 24 Kameras. QR-Codes auf den Mützen der Probanden ermöglichten individuelle Bewegungsprofile. 42 Terabyte an Daten hat das Team um Armin Seyfried und Stefan Holl zusammengetragen. Für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbundprojekt BaSiGo (Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen) entstehen daraus Computermodelle, die vorausberechnen, wie sich Menschenmassen auf Veranstaltungen bewegen. Riskante Staus und bauliche Sicherheitslücken sollen sich damit künftig vermeiden lassen.

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23.03.2015 , Justus Hartlieb
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