Lokale Klimaveränderungen vorhersagen

Bild: Gerics

Die Herausforderung

Hitzetage, Starkregen, sinkende Flusspegel: Deutschlands Städte und Gemeinden müssen sich auf die Folgen des Klimawandels einstellen. Straßen etwa müssen sie künftig so planen, dass sich in Unterführungen und Tunneln nach heftigen Schauern keine gefährlichen Wassermassen sammeln. In bebauten Gebieten müssen hohe Temperaturen abgemildert werden, etwa durch begrünte Plätze, Straßen und Fassaden. Um jedoch konkret entscheiden zu können, in welche dieser Maßnahmen sie investieren, müssen die Kommunen wissen, wie sich der Klimawandel bei ihnen im Detail auswirkt – denn die regionalen Unterschiede sind groß. Bislang fehlten dafür aber detaillierte Informationen über die erwarteten Klimaänderungen.

Unsere Lösung

Forscher:innen des Climate Service Center Germany (GERICS), einer Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon, haben ein Tool entwickelt, mit dem nun detaillierte Informationen über regionale Klimaänderungen abrufbar sind: die Klimaausblicke auf Landkreisebene. Mit wenigen Klicks können dort erstmals wichtige Kenngrößen für alle 401 deutschen Landkreise, Kreise, Regionalkreise und kreisfreien Städte abgefragt werden, etwa künftige Temperaturextreme, die Zahl der zu erwartenden Eistage oder die Menge an Niederschlägen in einer Region. Berücksichtigt werden dabei 17 Parameter und ihre voraussichtliche Entwicklung bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Möglich macht das eine einzigartige Datenbasis, die über mehr als zehn Jahre von renommierten europäischen Forschungszentren mit überprüften regionalen Klimamodellen in einer räumliche Auflösung von 12,5 km erstellt wurde. Diesen Datenschatz haben die Klimaforscherin Diana Rechid und ihr Team ausgewertet und Klimaänderungen für die Regionen und Städte in Deutschland berechnet. Jeder Berechnung fügen sie eine Experteneinschätzung zu deren Belastbarkeit hinzu.

Wie wir schon heute davon profitieren

Die Klimaausblicke des GERICS ermöglichen regional spezifische Aussagen zum Klimawandel: Die Zahl der heißen Tage etwa steigt im baden-württembergischen Karlsruhe deutlich an, während sie in Flensburg in Schleswig-Holstein nur leicht wächst. Derart genaue Angaben helfen Gemeinden nun bei der Anpassung an den Klimawandel: Zahlreiche Kommunen haben die Berichte des GERICS bereits auf den Websites ihrer Behörden verlinkt, auch Architektenkammern und Umweltorganisationen verweisen auf sie, genauso Informationsseiten für Landwirt:innen oder Verkehrsplaner:innen. Interessant sind die Daten auch für Unternehmen: Zu Standorten in Wassernähe etwa erfahren sie, in welchen Jahreszeiten Niederschläge ab- oder zunehmen werden. Mit hydrologischen Modellen kann dann geprüft werden, ob der Fluss künftig im Sommer noch genug Wasser führt für Transporte per Schiff oder für die Entnahme von Kühlwasser. Energieversorger können erfassen, wo Risiken für kritische Infrastrukturen bestehen. Auch für Privatleute können die Daten interessant sein, etwa beim Kauf von Grundstücken. Sie sind deshalb offen zugänglich und fassen die wichtigsten Informationen leicht verständlich zusammen.

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