Erdbeben überwachen und vor Tsunamis warnen

Bild: gempa

Die Herausforderung

Bei drohenden Naturgefahren wie Erdbeben und Tsunamis zählt jede Sekunde: Je früher die Bevölkerung gewarnt wird, desto mehr Menschen überleben, weil sie sich in Sicherheit bringen oder Schäden abgeschwächt werden können. Wertvoll ist jeder kleine Zeitvorsprung auch, um etwa Rettungskräfte und Krankenhäuser zu informieren, Gasleitungen abzusperren oder Züge und Liftanlagen zu stoppen. Selbst kleine Erdbeben sind von Interesse, um tektonische Veränderungen und die Aktivität von Vulkanen abzuschätzen oder um Geothermieanlagen und Förderraten von Erdöl und Erdgas zu regulieren. Notwendig sind daher Überwachungs- und Warnsysteme: Sie arbeiten mit Sensoren, die seismische Bewegungen an Land und auf dem Meeresgrund messen. Die Werte werden per Internet in Echtzeit an Datenzentren übertragen, dort automatisiert verarbeitet und die Ergebnisse an die jeweils relevanten Stellen geleitet. In vielen Regionen der Welt fehlen jedoch solche Echtzeitsysteme. So verfügten zum Beispiel die Länder des Mittelmeers oder Südostasiens Anfang des Jahrtausends über kein Frühwarnsystem für Tsunamis, obwohl viele von ihnen in Hochrisikogebieten für unterseeische Erdbeben liegen. Der verheerende Tsunami von 2004, ausgelöst durch ein Erdbeben im Indischen Ozean, traf die Anrainerstaaten dieser Region deshalb vollkommen unvorbereitet.

Unsere Lösung

Unter dem Eindruck dieser gewaltigen Naturkatastrophe entwickelten Forscher:innen des GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung das seismologische Softwarepaket SeisComP. SeisComP kann die Daten hunderter Erdbeben-Messstationen gleichzeitig und in Echtzeit analysieren und dabei Gefahrenlagen wie starke Erdbeben, die Tsunamis auslösen können, erkennen. 2008 gründeten zwei Entwickler von SeisComP die Firma gempa (Indonesisch für Erdbeben, auch für Global Earthquake Monitoring Processing and Analysis). Diese Ausgründung des GFZ entwickelt die Software seitdem kontinuierlich weiter, vertreibt und installiert sie und schult Menschen weltweit im Umgang damit. Wurde SeisComP ursprünglich für die Überwachung von Erdbeben im Indischen Ozean entwickelt, bildet die Software mittlerweile das Rückgrat von Überwachungs- und Frühwarnsystemen von Forschungseinrichtungen und Firmen vieler Länder. SeisComP ist quelloffen und kostenlos nutzbar. Das Programmpaket kann flexibel an lokale Bedürfnisse angepasst und durch kommerzielle Module von gempa funktionell erweitert werden.

Wie wir schon heute davon profitieren

Jährlich werden durch SeisComP Systeme viele tausend Erdbeben erfasst, im Indischen Ozean und Pazifik konnte vor gut einem Dutzend Tsunamis erfolgreich gewarnt werden. Die ergänzenden Module von gempa liefern zusätzliche Schlüsselbeobachtungen zu Erdbeben und Tsunamis, helfen bei der Einschätzung von Schadensgebieten sowie der Überwachung von Vulkanen und kritischer Infrastruktur in Erdbebengebieten. Die gewonnenen Informationen werden in Echtzeit an die Bevölkerung, lokale Behörden und Wissenschaftler übermittelt. Somit profitiert die Bevölkerung direkt von der Erdbebenüberwachung mit SeisComP.

Alle Solutions

So neugierig wie wir? Entdecken Sie mehr.