24.06.2020

„Ich mache das jetzt einfach mal, ohne dass ich wirklich weiß, was auf mich zukommt“

Seit der Gründung von Mynaric aus dem DLR sind über zehn Jahre vergangen. Der Hersteller von Laserkommunikationsterminals ist mittlerweile ein börsennotiertes Unternehmen und weiter auf Wachstumskurs. Mitgründer Markus Knapek erinnert sich an die Anfänge und erzählt, was seitdem passiert ist.

Was waren die entscheidenden Faktoren, warum Sie mit Ihrem Kollegen Joachim Horwath aus dem DLR das Unternehmen ViaLight Communications GmbH (jetzt Mynaric) gegründet haben?

Markus Knapek: Wir hatten schon damals viele Anwendungen im Bereich der Laserkommunikation erprobt. Das DLR-Institut für Kommunikation und Navigation, aus dem wir kommen, ist sehr anwendungsorientiert und bildet die Gesamtheit von der Technologie bis zur Demonstration ab. Das hat den Schritt hin zu einer Unternehmensgründung einfacher gemacht.

Hilfreich war auch, dass uns die Kollegen aus dem Technologiemarketing dabei tatkräftig unterstützt haben. Wissenschaftler sind erst einmal keine Unternehmer und wissen auf Anhieb nicht, wie man eine Firma aufbaut. Unsere Ansprechpartner haben uns Unternehmergeist vermittelt und uns motiviert. Außerdem haben sie den Kontakt zu einem wichtigen Berater, Dr. Wolfram Peschko, vermittelt. Von der Zusammenarbeit mit dem Physiker und Manager haben wir enorm profitiert. Nachdem er zunächst über Helmholtz Enterprise finanziert wurde, ist er später selbst ins Unternehmen mit eingestiegen.

Wir freuen uns, dass die Teamergänzung über Helmholtz Enterprise geklappt hat. Die langfristige Zusammenarbeit funktioniert in solchen Fällen nicht immer.

Markus Knapek: Es ist wichtig, dass Gründer eine gewisse Offenheit für eine Teamerweiterung mitbringen und erkennen, dass es neben der Technologie noch andere Themen gibt, die für den Erfolg einer Firma ausschlaggebend sind. Am Anfang standen natürlich die Grundlagen und unsere Forschung, heute haben wir leistungsfähige Produkte und große Umsatzziele. Dafür bauen wir unser Team stetig aus.

Der Weg dahin war sicher nicht leicht. Was waren die größten Schwierigkeiten bei ihrem ersten Auftrag?

Markus Knapek: Die ersten ein, zwei Jahre haben wir zunächst viel vorbereitet, aber dank der Unterstützung von Helmholtz Enterprise konnten wir aktiv auf Kunden zugehen. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, einen großen Teil meiner Zeit beim DLR für die neue Firma zu nutzen. Das hat mir die Entscheidung erleichtert, komplett bei Mynaric einzusteigen. Ein weiterer Vorteil war unsere Ausgangssituation am DLR. Wir haben nicht auf der grünen Wiese angefangen, sondern bereits ein gutes Netzwerk aufgebaut, zu dem auch unser erster Kunde gehörte. Dabei ging es um eine Studie für eine Stratosphärenplattform. Durch das Projekt konnten wir ein eigenes Team auf die Beine stellen – unser erster Mitarbeiter ist heute noch dabei.

Im Jahr 2016 konnten Sie über eine Million Euro Umsatz erzielen, die Anzahl der Mitarbeiter steigern und schließlich 2017 an die Börse gehen. Was hat Ihnen der Börsengang gebracht?

Markus Knapek: Der Börsengang führte zu einer Professionalisierung der Firma. Die Außendarstellung ist viel professioneller und das Unternehmen transparenter geworden. Das ist auch wichtig für Investoren und potenzielle Kunden. Bei allen Finanzierungsrunden war es spannend zu erleben, dass Investoren nicht nur in die Technologie, sondern eigentlich in die Kundenwelt, in den Markt, investieren. Sie wollen sehen, dass am Ende ein skalierbares Modell entsteht. Darin sind Wissenschaftler am Anfang vielleicht nicht so gut. Aber wenn eine große Vision und das richtige Team zusammenkommen, ist auch das möglich.

Das ist sicher auch eine wichtige Botschaft für unsere zukünftigen Gründer.

Markus Knapek: Das ist die wichtigste Frage der Investoren: Wo ist das skalierbare Geschäft? Aber eine Gründung muss nicht immer zu Investitionen führen. Eine Art Familienunternehmen, das sich aus dem Cashflow finanziert, ist auch eine gute Unternehmensform. Das wäre ebenfalls eine Option gewesen.

Das hängt auch von der Vorstellung der handelnden Personen ab.

Markus Knapek: Genau. Beim Gründen solle man sich fragen: Wollen wir Investoren einbeziehen, die natürlich mitreden und zum Teil mitentscheiden? Gerade beim Börsengang war das ein Vorteil, weil sich viele starke Persönlichkeiten eingebracht haben.

Sie haben kürzlich einen Großauftrag über 1,7 Millionen Euro abgeschlossen. Was braucht man, damit so ein Deal gelingt?

Markus Knapek: Man braucht vor allem Ausdauer. Wir sind in einem komplett neuen Markt unterwegs. Ausdauer heißt, die Kundenseite zu beraten, aber auch für Kunden da zu sein. Man darf nicht übersehen, dass solchen Verträgen jahrelange Arbeit vorausgeht. Auch hier sind sicher zwei oder drei Jahre ins Land gegangen. Gerade bei einer neuen Technologie schauen die Kunden genau hin, ob die Idee wirklich funktioniert.

Wie betrachten Sie Ihre Entwicklung von der Wissenschaft in die Gründung, vielleicht auch persönlich?

Markus Knapek: Bei der Gründung habe ich mit hochtalentierten Leuten zusammengearbeitet. Das bedeutet persönliches Wachstum, aber auch die eigenen Grenzen zu erkennen. Es ist okay, sich einzugestehen, etwas nicht so gut zu können wie andere. Dann muss das einfach jemand anderes machen. Nur so entsteht Teamerfolg.

Für den Start benötigt man natürlich eine gewisse Blauäugigkeit nach dem Motto „Okay, ich mache das jetzt einfach mal, ohne dass ich wirklich weiß, was da auf mich zukommt“. Dabei passiert es nicht selten, dass das Produkt, das du auf den Markt bringen willst, sich nicht verkauft. Mein Eindruck, auch nach zehn Jahren, ist, dass wir ziemlich gutes Timing hatten, aber es war auch ein Tick Glück dabei. Man darf nicht zu früh sein, sonst verhungert man auf dem Weg, weil man das Produkt nicht verkaufen kann. Und man darf auch nicht zu spät sein.

Abschließend: Welchen Rat hätten Sie für einen Wissenschaftler, der über eine Ausgründung nachdenkt?

Markus Knapek: Die Frage ist, ob jemand Gründer sein will oder nicht – mit allen dazugehörigen Risiken. Will ich als Wissenschaftler weiterarbeiten oder will ich als Unternehmer etwas aufbauen? Ich selbst habe gern am DLR gearbeitet. Es war eine gute Zeit, aber für mich war eine Gründung die natürliche Konsequenz. Meine Idee war, etwas wirklich in die Welt zu bringen. Als Wissenschaftler veröffentlicht man zwar Prototypen und wissenschaftliche Artikel, aber die Wirkung, etwas zu produzieren, ist für mich nachhaltiger und größer. Wir verändern die globale Kommunikationsinfrastruktur ein Stück weit. Unsere Laserkommunikationsprodukte ermöglichen eine schnelle, drahtlose Datenübertragung über weite Distanzen im Weltraum und in der Luft sowie zum Boden. Unsere Vision ist einfach: eine Welt mit einer ständig verfügbaren Internetanbindung an jedem Ort der Erde. Das fasziniert mich. Eine Gründung ist selbstverständlich ein Auf und Ab, wie die letzten zehn Jahre gezeigt haben. Doch dafür lernt und sieht man wahnsinnig viel.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten Lin Wang und Christopher Kerth aus dem Bereich Innovation und Transfer der Helmholtz-Gemeinschaft

Über Mynaric

Mynaric ist ein Hersteller von Laserkommunikationstechnologien zum Betrieb von Kommunikations- und Beobachtungsanwendungen in der Luft und im Weltall. Zu den Produkten für die Datenübertragung gehören Bodenstationen und Laserterminals, die es ermöglichen, umfangreiche Datenmengen sicher über lange Strecken kabellos zu übermitteln.

www.mynaric.com

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