Klaus Kiefer
Klaus Kiefer leitet die Abteilung Probenumgebung am Helmholtz-Zentrum Berlin. Foto: hzb/k.thielker

„Wenn meine Töchter größer sind, widme ich mich wieder mehr meiner eigenen Forschung“

Der Physiker Klaus Kiefer ist Leiter der Abteilung Probenumgebung am Helmholtz-Zentrum Berlin. Er hat zwei Töchter im Alter von acht und zwei Jahren.

Ich wollte nie der Vater sein, der seine Kinder nur beim Abendessen sieht. Deshalb habe ich nach der Geburt meiner zwei Töchter jeweils mehrere Monate Elternzeit genommen und anschließend auch in Teilzeit gearbeitet, um mich intensiv um meine Kinder zu kümmern und eine richtige Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das habe ich sehr genossen. Es ist mir wichtig, eine richtige Bezugsperson für die beiden zu sein.

Mittlerweile arbeite ich wieder in Vollzeit, teile mir aber mit meiner Frau die Betreuung so gut es geht. Natürlich habe ich dadurch auch Einschränkungen bei der Arbeit. Das ist nicht leicht, denn ich habe sehr viel Spaß an meiner Forschung. Das ganze Labor steht voller „Spielzeuge“. Diese nicht zu nutzen, fällt mir als Experimentalphysiker nun einmal ziemlich schwer.

Bei der Abteilung Probenumgebung helfen wir Wissenschaftlern aus aller Welt dabei, ihre Experimente an der Neutronenquelle BER II und am Synchrotron BESSY II durchzuführen. Das ist sehr faszinierend, denn die Kollegen kommen mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen auf uns zu. Jeder Tag ist anders, das mag ich sehr. Außerdem befasse ich mich so mit vielen verschiedenen Themen der Physik. Wir haben zum Beispiel magnetische Monopole untersucht, das berührt eine der grundlegenden Fragen der Physik. Magnetische Monopole hat man in natürlicher Umgebung nämlich noch nicht entdeckt. Bei einem normalen Magneten ist es egal, wie oft man ihn teilt, es gäbe bei jedem Teilstück immer sowohl einen magnetischen Nord- als auch einen Südpol. Theoretisch betrachtet, sind isolierte magnetische Monopole jedoch möglich und tatsächlich konnte man sie in unseren Experimenten nachweisen - allerdings bei extremen Umgebungsbedingungen, in einem Kristall bei sehr tiefen Temperaturen. Das ist Grundlagenforschung aber wir machen auch anwendungsorientierte Experimente. Wir testen beispielsweise, welche Materialen sich für die Speicherung von Wasserstoff, einem guten Energieträger, eignen. Mit vielen Kollegen entwickelt sich über die Jahre eine gute Zusammenarbeit, denn viele kommen immer wieder zu uns.

Natürlich bin ich in erster Linie Dienstleister für andere Wissenschaftler, es geht nicht um meine eigene Forschung. Die mache ich jedoch auch: Hier am Helmholtz-Zentrum erforschen wir Materialien und Materialsysteme. Uns interessiert, wie deren Eigenschaften entstehen. Dabei ist das Verständnis von Quantenphänomenen in magnetischen Materialien von grundlegender Bedeutung. Für diese Forschung finde ich jedoch im Moment wenig Zeit. Meine Aufgaben als Abteilungsleiter und natürlich als Vater sind im Moment zu fordernd. In dem Rest von Freizeit singe ich noch in einer A-Cappella-Band, dafür möchte ich mir ebenfalls Zeit nehmen. Aber wenn die Mädchen etwas größer sind, werde ich mich hoffentlich wieder mehr der eigenen Forschung widmen können. Da bin ich zuversichtlich. Bis dahin kann ich glücklicherweise viele unserer eigenen Forschungsfragen an meine Kollegen delegieren.

Überhaupt arbeite ich mit meinen Kollegen sehr gut zusammen. Wir haben während der vergangenen Jahre ein wirklich tolles Team in unserer Abteilung aufgebaut, auf allen Positionen sitzen die richtigen Leute. Als ich in Elternzeit ging, war das besonders wichtig. In unserer Abteilung arbeiten Techniker, Ingenieure und Experimentalphysiker: Damit verfügen wir einerseits über das technische Handwerkszeug, um experimentelle Aufbauten zu entwerfen, zu bauen und zu betreiben. Andererseits haben wir auch das wissenschaftliche Verständnis, um zur Lösung der komplexen Fragestellungen unserer forschenden Kollegen beizutragen. Manchmal muss man sehr kreativ sein, um deren Experimente zu ermöglichen. Um Nachwuchs für unsere Aufgaben zu rekrutieren bieten wir auch regelmäßig Universitäts-Praktika an und stellen Aufgaben in unserem HZB Sommerstudentenprogramm. Das ist sehr wichtig für uns, denn gute Laborphysiker und -ingenieure findet man nicht so schnell. Meine große Tochter ist übrigens auch mathematisch-naturwissenschaftlich begabt. Das fällt mir immer wieder auf, zum Beispiel wenn wir beim Frühstück mit Rosinen rechnen. Allerdings erzählte sie kürzlich, dass sie Richterin wie ihre Mutter werden will. Aber das kann sich wieder ändern, da gebe ich die Hoffnung nicht auf!

Zum Podcast mit Klaus Kiefer: Über die Summer School am HZB

08.04.2015 , Lisa Srikirow

Leserkommentare

Kommentar hinzufügen

Ihr Kommentar wird nach dem Absenden durch unsere Redaktion geprüft und dann freigegeben, wir bitten um etwas Geduld. Bitte beachten Sie auch unsere Kommentarregeln.

Your comment will be checked by our editors after sending and then released, we ask you for a little patience.

Keine Kommentare gefunden!
Druck-Version