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Interview

„Wir haben viel voneinander gelernt“

Für ein gemeinsames Projekt von REKLIM und der Dekra-Hochschule für Medien begleiteten Studierende einen Gletscherforscher an seinen kalten Arbeitsplatz.

Klimaforscher haben zusammen mit Studenten virale Werbespots produziert. Die Ergebnisse wurden nun auch auf der „Woche der Umwelt“ des Bundespräsidenten gezeigt. Wir sprachen mit Renate Treffeisen vom Helmholtz-Verbund Regionale Klimaveränderungen.

Was ist REKLIM? Und wie sind sie dort aktiv geworden?

REKLIM bedeutet „Helmholtz-Verbund REgionale KLIMaänderung“. Es ist ein Zusammenschluss aus neun Forschungszentren, darunter das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das den Verbund koordiniert und inhaltlich weiterentwickelt. REKLIM beschäftigt sich mit Fragen der Klimaforschung in einem interdisziplinären Ansatz und versucht sie auf einer regionalen Ebene zu beantworten. Dabei sehen wir unsere Forschung im Klimabereich als Teil der Öffentlichkeit und versuchen einen Dialogprozess zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zum Thema Klimaänderung in Gang zu setzen. Am AWI leite ich das Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegel-Anstieg in Bremerhaven das an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit angesiedelt ist. Das war für mich nach meiner Tätigkeit als Forscherin, in der ich mich mit Staubpartikeln in der Atmosphäre beschäftigt habe, für mich eine Chance etwas stark Praxisbezogenes im Bereich Klimawissenschaften zu tun.

Warum ist regionales Klima überhaupt ein Forschungsschwerpunkt?

Klimawandel ist immer regional. Wir haben ein globales Signal – das ist der Kohlendioxidanstieg in der Atmosphäre. Doch alles andere ist regional. In Deutschland sieht man den Klimawandel noch nicht so stark ausgeprägt, wie beispielsweise vielleicht im Himalaya wo die Gletscher schmelzen. Aber will man Veränderungen betrachten, muss man regional arbeiten. Was hat man beispielsweise von einem Wissen über den durchschnittlichen Temperaturanstieg auf der Erde? Das sagt einem wenig über die regionale Ausprägung - weder darüber was in der Arktis passiert, noch was in Deutschland los ist. Die regionale Ebene ist der Punkt wo man beim Klimawandel ansetzen muss.

Agiert und forscht REKLIM vorwiegend in Deutschland?

REKLIM ist zwar ein nationaler, deutscher Forschungsverbund, der aber selbstverständlich über die beteiligen Institute und deren Kontakte in den internationalen Kontext der Klimaforschung integriert ist. Vor zwei Jahren fand in Berlin unsere internationale Konferenz "Our climate, our future" statt. Eine Veranstaltung, die auch über Deutschland hinaus Beachtung gefunden hat und an der sich Wissenschaftler aus aller Welt beteiligt haben.

Im Rahmen der Konferenz sind Dokumentarfilme und sogar ein viraler Werbespot entstanden. Wie kam es dazu?

Wir hatten früh die Idee einen Werbefilm für die Konferenz zu drehen und das Thema regionaler Klimawandel so in die Öffentlichkeit zu tragen. Ich habe mich in dem Zusammenhang an ein früheres Zusammentreffen und Gespräch mit Herrn Professor Teigler, der den Bereich Fernsehen und Film an der Dekra-Hochschule für Medien in Berlin betreut, erinnert. Wir haben uns dann einfach zusammengesetzt und unterhalten und haben uns zum Ziel gesetzt die Sicht junger Menschen auf die Konferenz und das Thema regionale Klimaänderung aufzuzeigen. Dokumentarfilme und virale Videos waren da ein gutes Medium – allerdings auch etwas Neues für uns. Ich denke, beide Seiten habe dabei voneinander viel gelernt.

Bei dem Film „Vernagt“ haben Sie gleich ein ganzes Filmteam zu einem Forscher in eine Berghütte geschickt, das ihn bei der Gletscher-Vermessung begleitet und einen sehr persönlichen Eindruck von Wissenschaft vermittelt.

Es war uns wichtig den Studierenden neben der Kreativität, die sie mitbrachten auch die Sichtweise der Wissenschaft mitzugeben. Ein geeigneter Ansprechpartner war da essentiell. Wir mussten als Forscher etwas loslassen lernen und haben gemerkt, dass unsere Vorstellungen von Klima und dessen Darstellung nicht unbedingt immer denen der jungen Generation entsprechen. Wichtig war dabei, dass die wissenschaftlichen Aussagen der Filme korrekt waren und nicht reißerisch. Aber in der Form war es den Studierenden selbst überlassen, kreativ eine Geschichte zu erzählen. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Nach der Konferenz 2014 werden die Filme im Juli diesen Jahres auch auf dem Schülernachhaltigkeitstag in Bremerhaven und auch im August im Erlebniszentrum Naturgewalten auf Sylt - und natürlich auf der Woche der Umwelt in Berlin gezeigt.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dieser Art der Wissenschaftskommunikation?

Im Rahmen der Filme ist es sinnvoll dem Betrachter ein persönliches Bild von Wissenschaft zu vermitteln. Viel Emotion aber auch Information lässt sich über Bilder transportieren. Auf Bildsprache gehen Menschen oft schneller ein und lassen sich für ein Thema begeistern. Aber Projekte wie Wissensplattform Meereisportal.de sind weniger persönlich. Hierfür haben wir einen Animationsfilm mit Bert dem Eisbären produziert, der versucht das immer dünner werdende Meereis in der Arktis auf einer sehr spielerischen Ebene zu thematisieren und so für die Inhalt der Wissensplattform zu werben.

REKLIM hat auf der laufenden „Woche der Umwelt“ in Berlin einen Stand. Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung?

Wir werden unsere Projekte ausstellen und Vertreter von REKLIM aber auch der Dekra-Hochschule für Medien werden vor Ort sein, um die Arbeit des Verbundes im Bereich des Wissenstransfer vorzustellen. Zur „Woche der Umwelt“ kommen erfahrungsgemäß nicht nur im Umweltbereich arbeitende Menschen, sondern auch interessierte Bürger, auch Vertreter aus Politik, NGOs, Industrie und Diplomaten. Wir hoffen, mit einem breiten Spektrum an Menschen in Kontakt zu kommen. Und wir würden mit REKLIM gern Impulse geben, aber auch erhalten. Wir wollen dort mit Praxisbeispielen zeigen, was ein Forschungsverbund an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit bewirken kann.

Bild: AWI / Renate Treffeisen

Renate Treffeisen ist Klimaforscherin und arbeitet seit 2008 im Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg des Alfred-Wegener Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Die Umweltingenieurin betreut für den Forschungsverbund REKLIM Klimaprojekte an der Schnittstelle zwischen Forschung und Öffentlichkeit.

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