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Nachgefragt!

Wie wird ein Reinraum rein?

<b>Sauber ist nicht genug</b> In Reinräumen montieren Wissenschaftler zum Beispiel supraleitende Beschleunigermodule. Bild: DESY

„Nicht nur sauber, sondern rein“ – wenn es um Wissenschaft geht, ist dies kein Werbespruch, sondern ein entscheidender Unterschied: Für manche Experimente und Arbeiten brauchen Forscher eine Umgebung, in der die Luft extrem sauber ist – ohne Staub oder andere störende Partikel. Ein so genannter „Reinraum“ erfüllt diese Bedingungen

Wie aber wird ein normaler Raum, der in der Bauphase noch genauso staubig scheint wie alle anderen, zu einem Reinraum? "Die Sauberkeitsphilosophie ist auf der Baustelle von vornherein besonders. Und schon relativ früh in der Bauphase beginnt man, die Umgebung von anderen Bereichen abzuschließen, der Zutritt wird ab dann gesteuert", sagt Kai Deuster aus dem Bereich "Planen und Bauen" des Forschungszentrums Jülich. Und nun? Natürlich wird auch ganz klassisch geputzt. Möglichst bald geht jedoch die Lüftungstechnik in Betrieb: Ein Überdruck im zukünftigen Reinraum sorgt dafür, dass nur noch gefilterte Luft in den Raum gelangt. "In einem Luft-Spülprozess wird der Reinheitsgrad Schritt für Schritt gesteigert. Solange aber noch Geräte im Raum installiert werden, ist der Faktor Mensch der schwierigste Part, denn es erfordert viel Disziplin, die Reinheitsregeln einzuhalten" sagt Deuster.

So müssen Arbeiter etwa Überschuhe tragen und die Schleusentüren geschlossen halten. Wenn die technische Ausstattung im Raum fast komplett ist, erfolgt eine Feinreinigung, bei der alle Oberflächen noch einmal mit speziellen Reinigungsmitteln abgewaschen werden. Schließlich startet die letzte Stufe, in der die verbliebenen unerwünschten Partikel herausgefiltert werden. Der gesamte Prozess darf nicht unterbrochen werden und kann Wochen bis Monate dauern. Das hängt von der Größe des Raumes und der angestrebten Reinraumklasse ab. Denn je nach Zweck des Reinraums gibt es unterschiedlich strenge Regeln, wie viele Partikel welcher Größe noch in der Luft sein dürfen. Am Ende der Reinigungsprozesse zeigt eine mehrtägige Partikelmessung, ob der Raum die angestrebte ISO-Reinheitsklasse erreicht hat. Im Idealfall ist es damit geschafft, der Raum ist offiziell rein.

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