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Climate Engineering

Wetter selbstgemacht

Bild: Kiel Earth Institute, Es gibt viele Möglichkeiten, in das Klima einzugreifen.

Für manche Forscher ist das Climate Engineering eine Wunderwaffe im Kampf gegen die Erderwärmung: Mit technischen Mitteln wollen sie den Klimawandel aufhalten – eine Idee, die unter Wissenschaftlern höchst umstritten ist. Ein Forschungsprojekt untersucht, welche Folgen das Climate Engineering haben kann. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordiniert das Projekt. Ein Gespräch über die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen eines Tages ins Klima eingreifen werden, über die Verlockungen der Technik – und über ihre Risiken.

Wenn Sonnenstrahlen schon in der Stratosphäre reflektiert werden, um die Erdatmosphäre abzukühlen, oder Wälder aufgeforstet werden, um mehr CO2 zu speichern - was kann denn daran gefährlich sein?

Andreas Oschlies: Wir reden von Eingriffen in hochkomplexe Systeme. Bleiben wir doch beim Beispiel der Aufforstung, das Sie nennen: Wenn in der Sahara oder in den australischen Wüstenregionen Bäume wachsen, würde dadurch das Ökosystem Wüste zerstört und der Lebensraum der Menschen dort geht verloren. Und dabei ist nicht einmal sicher, ob so eine gigantische Aufforstung auch tatsächlich den Klimawandel bremsen könnte: Wälder sind dunkler als Wüstenböden und reflektieren weniger Sonnenstrahlung - dadurch könnte die Temperatur sogar steigen.

Woher käme denn überhaupt das nötige Wasser?

Das müsste aus den Grundwasser-Reservoiren kommen, die bislang abgeschlossen sind. Und damit kommen wir zum nächsten Problem: Das Wasser gelangt dabei in den globalen Wasserkreislauf und damit auch in die Meere, so dass der Meeresspiegel steigt. Und noch ein Faktor spielt eine Rolle - wir wissen noch nicht genug darüber, wie sich große Waldflächen auf die Wolkenbildung auswirken oder Windsysteme verändern. Sie sehen, wie eng die unterschiedlichen Phänomene zusammenhängen. Das macht das Thema des Climate Engineering so komplex.

Was genau reizt Sie an diesem großen Thema?

Wir sehen, dass es international immer mehr Machbarkeitsstudien zum Climate Engineering gibt. Gerade in den USA werden sie aber oft über Stiftungen finanziert, die eigene Ziele damit verfolgen. Wir vermuten, dass die möglichen Chancen weniger groß sein könnten, als es solche Studien darstellen. Außerdem sind die denkbaren Nebenwirkungen bisher kaum untersucht worden, seien es wirtschaftliche, rechtliche oder politische Risiken. Mit dem Schwerpunktprogramm der DFG haben wir ein einzigartiges Instrument, um das Thema in seiner ganzen Breite anzugehen.

Was wollen Sie bei Ihrer Arbeit konkret herausfinden?

Wir wollen Bewertungskriterien entwickeln, mit denen die Gesellschaft ihre Entscheidungen treffen kann - darüber, ob sie die Forschung zu Climate Engineering intensivieren will, ob sie bestimmte Maßnahmen vielleicht sogar einsetzen möchte und wie sie mit den Risiken und Nebenwirkungen umgehen will. Deshalb arbeiten wir ja auch interdisziplinär: Die naturwissenschaftlichen Arbeitsgruppen berechnen mit Hilfe von Computermodellen Szenarien, die mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen zeigen. In einem zweiten Schritt können wir dann wirtschaftliche Betrachtungen sowie rechtliche und politische Konsequenzen durchspielen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass eine Maßnahme zur Veränderung des Klimas in einer bestimmten Region irgendwo anders die Niederschläge verändert. Das kann schnell zu internationalen Spannungen führen.

Neben Naturwissenschaftlern, Juristen und Volkswirtschaftlern sind ja auch Philosophen an der Forschung beteiligt. Welche Rolle haben sie?

Die Philosophen weisen uns auf ethische Fragen hin. Wie zufrieden wären wir in einer künstlichen Welt? Schließlich ist uns das Gefühl viel wert, in einer unberührten und nicht vom Menschen kontrollierten Natur zu leben - deshalb fahren wir in die Berge oder ans Meer. Wenn nun das Klima gesteuert wäre, würde dieses Lebensgefühl vielleicht beeinträchtigt. Das ist nicht mit Geld zu messen, wir sollten es aber in unsere Überlegungen mit einbeziehen. Die Philosophen zeigen also auf, welche ethischen Grundsätze unsere Entscheidungen leiten und entwickeln Hilfen, die in der vielschichten Debatte für mehr Klarheit sorgen.

Nun waren internationale Verhandlungen über die Klimapolitik in der Vergangenheit nicht immer einfach. Welche Aussichten gibt es, dass sich die internationale Gemeinschaft über das Climate Engineering einigt?

Solange die Not nicht wahnsinnig groß ist, wird kein Land das Risiko auf sich nehmen, Eingriffe am Klimasystem zu verantworten und dann am Pranger zu stehen. Bei jedem Eingriff wird es ja irgendwo Verlierer geben, und vermutlich noch viele mehr, die sich als Verlierer sehen. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass Climate Engineering nicht erlaubt wird.

Mehr Informationen zum Climate Engineering:

Climate Engineering ist der Oberbegriff für Maßnahmen, mit denen der Mensch in das Klima eingreifen kann. Die Debatte darüber ist vor allem durch den Klimawandel angeheizt worden, weil manche Forscher in den künstlichen Interventionen eine Möglichkeit sehen, die negativen Folgen der Erderwärmung zu mildern. Das interdisziplinäre Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beschäftigt sich vor allem mit drei der meistdiskutierten Maßnahmen. So gibt es Überlegungen, Schwefelpartikel in die Stratosphäre einzubringen, die einen Teil der kurzwelligen Sonnenstrahlung reflektieren sollen. Dadurch könnte sich die Erde abkühlen. Eine andere Idee ist es, durch künstliche Eingriffe mehr CO2 in den Ozeanen zu binden. Auch das Anpflanzen von riesigen Waldflächen wird diskutiert.

www.spp-climate-engineering.de

www.climate-engineering.eu

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