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DLR-Studie

Was unsere Urlaubsreise mit dem Klimaschutz zu tun hat

Foto: DLR (CC-BY 3.0)

Der Flugverkehr wächst und mit ihm sein Anteil am Klimawandel: Seit Jahrzehnten nehmen die Kohlendioxid-Emissionen zu. Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fordern deshalb, den Luftverkehr in internationale Klimaschutzprotokolle zu integrieren.

Der Luftverkehr mit seinen Kohlendioxid-Emissionen (CO2-Emissionen) und seinen vielfältigen weiteren Klimawirkungen lässt sich in internationale Klimaschutzprotokolle integrieren: Signifikante Reduktionen der Klimawirkung sind bei moderatem Einfluss auf die Luftverkehrsnachfrage möglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Janina Scheelhaase ist Mitarbeiterin in der Abteilung Luftverkehrsforschung des DLR-Insituts für Flughafenwesen und Luftverkehr. Foto: Janina Scheelhaase

Weltweit wächst der Luftverkehr – und mit seiner wirtschaftlichen Bedeutung steigt auch sein Anteil am Klimawandel. Seit Jahrzehnten nehmen die luftverkehrsbedingten CO2-Emissionen trotz technologischer Verbesserungen deutlich zu. 2005 trugen die weltweiten CO2-Emissionen des Luftverkehrs etwa 1,6 Prozent zum gesamten anthropogenen Strahlungsantrieb bei, also zur Veränderung der Energiebilanz der Erde aufgrund der Aktivitäten der Menschen. Ebenso trägt der Luftverkehr durch Emission von Stickoxiden, Schwefeloxiden, Wasserdampf und Ruß sowie durch Kondensstreifen und so genannte Kondensstreifen-Zirren in beträchtlichem Umfang zur Klimaänderung bei. Bezieht man diese Effekte in die Bestimmung des Strahlungsantriebs ein, lag der Beitrag des Luftverkehrs im Jahr 2005 mit etwa 4,9 Prozent sogar dreimal so hoch. Darum ist es unerlässlich, Flüge und Flugzeuge in ihrer gesamten Klimawirkung zu erfassen und Klimaschutzmaßnahmen im Luftverkehr vielfältig zu denken. Unser Modell spiegelt den gesamten Klimaeffekt des Luftverkehrs wider, ebenso die Auswirkungen von klimaschützenden Maßnahmen.

Robert Sausen leitet die Abteilung Erdsystem-Modellierung am Institut für Physik der Atmosphäre des DLR. Foto: DLR

Da für die nächsten Jahre ein weiteres jährliches Wachstum des Luftverkehrs zwischen drei und sechs Prozent prognostiziert wird, ist es höchste Zeit für Maßnahmen zur Begrenzung seiner klimarelevanten Wirkungen. Das DLR analysierte im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts AviClim (Including Aviation in International Protocols for Climate Protection), wie sich Instrumente zur Einbeziehung aller klimarelevanten Wirkungen des Luftverkehrs in internationale Klimaschutzprotokolle ökonomisch und ökologisch auswirkten. Die wesentlichen Ergebnisse sind:

  • Klimapolitische Maßnahmen haben unterschiedliche ökonomische und ökologische Folgen. Die Politik muss darum ihre Ziele klar definieren: Wie stark will sie den Klimawandel bremsen und wie stark will sie den Luftfahrtsektor dafür finanziell belasten? Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass der offene globale Emissionshandel aller klimarelevanten Substanzen den anderen beiden klimapolitischen Instrumenten – einem Stickoxid-Entgelt und einer Klimasteuer – überlegen ist. Insbesondere die Klimasteuer würde den Luftverkehr überproportional belasten, was steigende Preise und einen dadurch bremsenden Einfluss auf die Luftverkehrsnachfrage nach sich ziehen würde.

    Vorteile des Emissionshandels sind laut AviClim: Die Gesamtkosten sind teilweise deutlich niedriger, die Wettbewerbsverzerrungen und Rückgänge der Erwerbstätigenzahlen relativ moderat. Durch den Emissionshandel lassen sich signifikante Einsparungen an Klimagasen und positive Klimawirkungen realisieren. So könnte die Klimawirkung des weltweiten Luftverkehrs im Jahr 2100 in einem „High Price“-Szenario um bis zu 70 Prozent reduziert werden. Dieses „High Price“-Szenario nimmt an, dass sich die Preise für CO2-Äquivalente  von zehn US-Dollar pro Tonne im Jahr 2010 bis zum Jahr 2030 verachtfachen.

  • Deutliche Klimaschutzeffekte würden sichtbar, wenn die großen Luftfahrtnationen wie u. a. die EU-Länder, die USA, Kanada, Südkorea, Japan, Singapur, China, Brasilien und die Golfstaaten sich an klimapolitischen Maßnahmen beteiligten, denn gemeinsam decken diese Staaten mehr als 90 Prozent der weltweit geplanten Flüge ab.

  • Möglichkeiten, die Klimawirkungen des Luftverkehrs zu reduzieren, liegen beispielsweise in klimaoptimierten Flugtrajektorien, die u.a. die Vermeidung von erwärmenden Kondensstreifen berücksichtigen, und bei ökologisch optimierten Flugzeugen.

Die Politik ist aufgefordert, klimaschützende Instrumente einzuführen und zu gestalten, die eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung im Luftverkehr ermöglichen. Mit den im Rahmen des AviClim-Projekts gewonnenen Daten und Erkenntnissen liegen ihr die für ein verantwortungsbewusstes und wissenschaftlich fundiertes Handeln nötigen Grundlagen und Argumente vor.

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