Helmholtz auf der Hannover Messe

Bundeskanzler Friedrich Merz mit Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche am Stand des KIT. Bild: KIT

Ob Roboter oder grüner Wasserstoff, Quantencomputer oder Solarzellen aus dem Drucker: Auf der Hannover Messe zeigt Helmholtz, wie Forschung Zukunftstechnologien voranbringt.

Auf den ersten Blick wirken sie unscheinbar: Auf der Hannover Messe präsentiert das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Stahlblöcke mit tiefen Bohrungen. Doch diese Bauteile sind hochkomplex – und zentral für die künftige Energieversorgung unverzichtbar. Denn im Herzen von Fusionsreaktoren werden diese so genannten Brut Blankets Brennstoff gewinnen. Das KIT ist weltweit führend in ihrer Entwicklung. Bei seinem Messerundgang besichtigte deshalb auch Bundeskanzler Friedrich Merz einen Prototypen: Die Bundesregierung fördert die Fusionsforschung stark, denn der weltweit erste Fusionsreaktor soll in Deutschland stehen. Die Forschung des KIT sei dazu unverzichtbar, so der Kanzler.

Beispiele wie diese zeigen: Mit seiner Spitzenforschung treibt Helmholtz zahlreiche Zukunftstechnologien entscheidend voran und arbeitet dafür intensiv mit Partnern aus der Wirtschaft zusammen. Auf der Hannover Messe, der weltweit wichtigsten Industriemesse, ist Helmholtz daher stark vertreten. Die Forschungszentren der Gemeinschaft zeigen die ganze Breite ihrer Expertise: Sie präsentieren innovative Geräte, Simulationen und Materialien zu so unterschiedlichen Themen wie der abhörsicheren Kommunikation, der Wirkstoffsuche für Krankheiten oder der Entwicklung leistungsstarker Batterien für die Energiewende. 

Das KIT stellt zum Beispiel Industrieroboter vor, die in der Lage sind, feinfühlig miteinander zu kooperieren oder durch Kameraunterstützung noch präziser arbeiten. Außerdem zeigt das KIT auf der Hannover Messe ein neues Druckverfahren für Keramiken: Dabei werden zwei verschiedene Keramikwerkstoffe bereits während des Druckvorgangs zu einem einzigen Bauteil kombiniert. So entstehen hochpräzise Hybridkeramiken mit lokal variierenden Eigenschaften, beispielsweise mit hartem Rand und porösem Kern. Interessant ist dieses Verfahren für Branchen, die auf maßgeschneiderte, hochleistungsfähige Bauteile angewiesen sind, etwa der Maschinenbau, die Luft- und Raumfahrt oder die Medizintechnik. 

Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung und FZJ-Vorstandsvorsitzende Astrid Lambrecht. Bild: FZJ

Das Forschungszentrum Jülich widmet sich in seinem Messeauftritt besonders dem Thema KI: Besucher:innen können mit dem Demonstrator CUPITER in die Forschung dazu eintauchen. Ergänzt wird dieses Exponat durch drei Themeninseln, etwa zum Future Computing, denn das Forschungszentrum Jülich betreibt einige der leistungsstärksten Computer der Welt. Mit ihnen lassen sich auch große Datenmengen auswerten und Simulationen so detailliert berechnen wie nie zuvor – sei es zu Klimaforschung, Strömungsmechanik oder Molekulardynamik. Mithilfe dieser Rechenkapazitäten entwickelt und trainiert das Forschungszentrum zudem auch KI-Modelle, so dass Europa über Alternativen zu den bestehenden kommerziellen Angeboten verfügt. Ein zweiter Ausstellungsschwerpunkt liegt auf dem Thema Energie: Die Jülicher Forscher:innen stellen zum Beispiel Solarzellen aus dem Drucker vor, die kostengünstiger und umweltfreundlicher sind als das klassische Pendant, oder Batteriespeicher, die bisherige Leistungsgrenzen sprengen. 

DLR-Stand auf der Hannover Messe. Bild: DLR

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) legt seinen Fokus auf die Bereiche Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr sowie Sicherheit und Verteidigung. Zu sehen sind etwa intelligente Robotersysteme: Sie sind in Lage, Oberflächen mithilfe einer Kamera systematisch abzusuchen und Schäden durch Unterstützung von KI autonom zu erkennen, etwa Risse im Rumpf eines Flugzeugs. Außerdem stellt das DLR in Hannover H2MARE vor, ein innovatives Verfahren, mit dem sich Wasserstoff direkt an Offshore-Windkraftanlagen gewinnen lässt. Um die Herstellung von grünem Wasserstoff zudem auch noch ökologischer zu gestalten, zeigt das DLR auf der Messe den Prototypen seines 100-Kilowatt-Stacks – diese Bauteile sind unverzichtbar für die Elektrolyse. Das Modell des DLR ist aus nachhaltigen Materialien hergestellt, verzichtet also ganz auf kritische Rohstoffe und sogenannte Ewigkeitschemikalien wie PFAS. Entwickelt wurde es im EU-Projekt HyScale, an dem das DLR maßgeblich beteiligt ist. Engagiert ist das Forschungszentrum auch im Quantencomputing: Auf der Hannover Messer informiert es über seine Initiative DLR QCI. Damit erhalten nicht nur Großunternehmen sondern auch der Mittelstand Zugang zum Quantencomputing. 

Und auch ihren Ausgründungen bieten die Forschungszentren von Helmholtz auf der Hannover Messe eine Plattform zum Austausch mit der Industrie. Etwa Photreon, einem Start-up des KIT, das die Wasserstoffwirtschaft voranbringen will. Dafür haben die Gründer:innen ein Paneel entwickelt, das Wasserstoff direkt aus Sonnenlicht und Wasser erzeugt – auf Elektrolyseure und Strom kann verzichtet werden. Eingesetzt werden können diese Paneele künftig überall dort, wo Wasserstoff bislang zu teuer oder logistisch schwierig bereitzustellen ist, zum Beispiel bei mittelständischen Unternehmen, die ihren Bedarf damit künftig direkt am Standort decken können – etwa in der Spezialchemie, Lebensmittelindustrie oder Metallverarbeitung. Die Paneele sind aber auch für großflächige Solarprojekte in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung geeignet. Die Paneele sind bereits zum Patent angemeldet.

Leser:innenkommentare