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Immunsystem

Ein bisschen Glück muss sein

Unser Gemütszustand beeinflusst das Immunsystem. Bild: Juan Gärtner/Fotolia

Wer Freude schenkt, freut sich manchmal selbst am meisten – und das löst im Körper eine Menge aus. Forscher versuchen herauszufinden, was genau passiert, wenn wir glücklich sind. Und kommen auf erstaunliche Ergebnisse.

Weihnachten ist das Fest der Freude und die Zeit der Spenden. Wir denken an unsere Mitmenschen und pflegen unsere engsten sozialen Beziehungen. Dieses Verhalten könnte man ruhig auf das ganze Jahr ausweiten. Schon aus Eigennutz: Denn - Vorsicht, grobe Vereinfachung! - wer anderen hilft, wird einer aktuellen Nature-Veröffentlichung zufolge mit Abwehrkräften gegen Krankheiten aller Art belohnt.

Wie kann das sein? Was passiert in unserem Körper, wenn wir uns freuen oder mit anderen Menschen zusammen sind? Wissenschaftlich belegt war bislang bereits folgendes: Wer unter starkem Stress leidet oder sehr einsam ist, produziert weniger Proteine, die für die Abwehr verschiedener Krankheitserreger notwendig wären. Gleichzeitig bildet der Körper vermehrt solche Proteine, die für Entzündungsreaktionen zuständig sind. Der amerikanische Wissenschaftler Steve Cole - Psychoimmunologe an der University of California in Los Angeles - zeigte nun, dass die Gleichung auch umgekehrt gilt. Soll heißen: Sozial gut vernetzte Menschen haben ihr Immunsystem hoch- und ihre Empfindlichkeit für Entzündungen heruntergefahren. Cole sieht darin einen evolutionären Sinn, den er so erklärt: Lebten unsere Vorfahren in großen Gruppen, war die Ansteckungsgefahr besonders hoch und eine gut funktionierende Abwehr gegen Krankheitserreger deshalb wichtig. Entzündungen waren nebenrangig, da sie seltener vorkamen. Menschen, die allein lebten, waren größerem Stress ausgesetzt, da sie jeder Gefahr allein begegnen mussten. Für sie waren Verletzungen ein viel größeres Risiko. Deshalb konzentrierte sich bei ihnen der Körper auf Entzündungen, um Wunden zu heilen und Infekte abzuwehren. Die Schlussfolgerung - Achtung, erneute Vereinfachung: Wer gut eingebunden ist und relativ stressfrei lebt, bei dem profitiert die Abwehr.

Und was hat das nun mit Weihnachten zu tun, mit dem Schenken, Spenden und Freude-bereiten?

Das erklärt sich in einer weiteren Studie des Amerikaners Steve Cole. Er befragte Menschen darüber, wann sie sich in letzter Zeit zufrieden oder glücklich gefühlt hatten, und untersuchte anschließend die Proteinbildung der Studienteilnehmer. Cole unterschied dabei zwischen zwei Glückszuständen: einem temporären, eigennützigen Glücksgefühl - etwa das Wohlbefinden bei gutem Essen oder Sex - und einem tiefergehenden, längerfristig befriedigenden Glücksgefühl, das man etwa in sozialen Beziehungen oder bei Wohltätigkeit empfindet. Das Ergebnis der Studie: Diejenigen, die tiefergehende Glücksempfindungen beschrieben, wiesen die Proteinbildung jener Steinzeitmenschen auf, die mit guten Abwehrkräften ausgestattet in der Gruppe lebten. Wer nur mit temporärem Glück gesegnet war, glich dem allein und unter Stress umherstreunenden Einzel-Steinzeitmenschen. Cole schlussfolgerte: "Es ist in Ordnung, in sich selbst zu investieren - solange man auch in anderes investiert."

Und was sagen zu all dem andere Forscher? "Natürlich muss man mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein", sagt Martin Korte vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. "Bisher sind das nur Beobachtungen, und man weiß nicht, was tatsächlich Auslöser ist, wenn etwa Entzündungsprozesse befördert oder gebremst werden." Trotzdem nimmt er Coles Forschungsergebnisse ernst: "Zufriedene Menschen haben offenbar eine höhere Lebenserwartung, so viel wissen wir. Der Einfluss von Zufriedenheit auf den Verlauf von Erkrankungen ist vielfach untersucht worden, und immer gab es einen signifikanten Unterschied zwischen Menschen mit hoher und geringerer Zufriedenheit. Die Gründe müssen aber noch genauer erforscht werden." Denn manches kann auch Korte nur mutmaßen. Warum sich etwa auch in den Körpern von Meditierenden die Protein-Produktion hin zu Abwehrmechanismen verlagert: "Meditieren ist eine geistig sehr anstrengende Tätigkeit und stärkt den Stirnlappen", sagt Korte. "Der reguliert über Umwege die Stresshormon-Ausschüttung." Dies wiederum reguliere die Hormone und erzeuge eine aktivere Abwehr, so Korte.

Fassen wir also zusammen - und das ist nun wirklich die allerletzte Vereinfachung: Tun Sie Gutes, verbringen Sie Zeit mit anderen Menschen, vermeiden Sie Stress, meditieren Sie, all das am besten das ganze Jahr über. Dann lässt der nächste Schnupfen möglicherweise etwas länger auf sich warten.

Nature 503, 458–460 (28 November 2013)

Weihnachten ist das Fest der Freude und die Zeit der Spenden. Wir denken an unsere Mitmenschen und pflegen unsere engsten sozialen Beziehungen. Dieses Verhalten könnte man ruhig auf das ganze Jahr ausweiten. Schon aus Eigennutz: Denn - Vorsicht, grobe Vereinfachung! - wer anderen hilft, wird wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge mit Abwehrkräften gegen Krankheiten aller Art belohnt.

Wie kann das sein? Was passiert in unserem Körper, wenn wir uns freuen oder mit anderen Menschen zusammen sind? Wissenschaftlich belegt sit seit langem bereits folgendes: Wer unter starkem Stress leidet oder sehr einsam ist, produziert weniger Proteine, die für die Abwehr verschiedener Krankheitserreger notwendig wären. Gleichzeitig bildet der Körper vermehrt solche Proteine, die für Entzündungsreaktionen zuständig sind. Der amerikanische Wissenschaftler Steve Cole - Psychoimmunologe an der University of California in Los Angeles - konnte im Dezember 2013 zeigen, dass die Gleichung auch umgekehrt gilt. Soll heißen: Sozial gut vernetzte Menschen haben ihr Immunsystem hoch- und ihre Empfindlichkeit für Entzündungen heruntergefahren. Cole sieht darin einen evolutionären Sinn, den er so erklärt: Lebten unsere Vorfahren in großen Gruppen, war die Ansteckungsgefahr besonders hoch und eine gut funktionierende Abwehr gegen Krankheitserreger deshalb wichtig. Entzündungen waren nebenrangig, da sie seltener vorkamen. Menschen, die allein lebten, waren größerem Stress ausgesetzt, da sie jeder Gefahr allein begegnen mussten. Für sie waren Verletzungen ein viel größeres Risiko. Deshalb konzentrierte sich bei ihnen der Körper auf Entzündungen, um Wunden zu heilen und Infekte abzuwehren. Die Schlussfolgerung - Achtung, erneute Vereinfachung: Wer gut eingebunden ist und relativ stressfrei lebt, bei dem profitiert die Abwehr.

Und was hat das nun mit Weihnachten zu tun, mit dem Schenken, Spenden und Freude-bereiten?

Das erklärt sich in einer weiteren Studie des Amerikaners Steve Cole. Er befragte Menschen darüber, wann sie sich in letzter Zeit zufrieden oder glücklich gefühlt hatten, und untersuchte anschließend die Proteinbildung der Studienteilnehmer. Cole unterschied dabei zwischen zwei Glückszuständen: einem temporären, eigennützigen Glücksgefühl - etwa das Wohlbefinden bei gutem Essen oder Sex - und einem tiefergehenden, längerfristig befriedigenden Glücksgefühl, das man etwa in sozialen Beziehungen oder bei Wohltätigkeit empfindet. Das Ergebnis der Studie: Diejenigen, die tiefergehende Glücksempfindungen beschrieben, wiesen die Proteinbildung jener Steinzeitmenschen auf, die mit guten Abwehrkräften ausgestattet in der Gruppe lebten. Wer nur mit temporärem Glück gesegnet war, glich dem allein und unter Stress umherstreunenden Einzel-Steinzeitmenschen. Cole schlussfolgerte: „Es ist in Ordnung, in sich selbst zu investieren - solange man auch in andere investiert."

Und was sagen andere Forscher dazu? „Natürlich muss man mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein", sagt Martin Korte vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. „Bisher sind das nur Beobachtungen, und man weiß nicht, was tatsächlich Auslöser ist, wenn etwa Entzündungsprozesse befördert oder gebremst werden." Trotzdem nimmt er Coles Forschungsergebnisse ernst: „Zufriedene Menschen haben offenbar eine höhere Lebenserwartung, so viel wissen wir. Der Einfluss von Zufriedenheit auf den Verlauf von Erkrankungen ist vielfach untersucht worden, und immer gab es einen signifikanten Unterschied zwischen Menschen mit hoher und geringerer Zufriedenheit. Die Gründe müssen aber noch genauer erforscht werden." Denn manches kann auch Korte nur mutmaßen. Warum sich etwa auch in den Körpern von Meditierenden die Protein-Produktion hin zu Abwehrmechanismen verlagert: „Meditieren ist eine geistig sehr anstrengende Tätigkeit und stärkt den Stirnlappen", sagt Korte. „Der reguliert über Umwege die Stresshormon-Ausschüttung." Dies wiederum reguliere die Hormone und erzeuge eine aktivere Abwehr, so Korte.

Fassen wir also zusammen - und das ist nun wirklich die allerletzte Vereinfachung: Tun Sie Gutes, verbringen Sie Zeit mit anderen Menschen, vermeiden Sie Stress, meditieren Sie, all das am besten das ganze Jahr über. Dann lässt der nächste Schnupfen möglicherweise etwas länger auf sich warten.

Zum Nature-Arikel vom 27. November 2013: The pursuit of happiness

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