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Drei Fragen an die Datenwissenschaftlerin Dasha Trofimova

Dasha Trofimova ist Datenwissenschaftlerin und entwickelt am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) KI-Systeme zur Analyse medizinischer Bilddaten.
1. Was ist das Spannendste an Ihrer Arbeit?
Das Spannendste an meiner Arbeit ist für mich, komplexe Rätsel zu lösen. Die Forschung fordert uns ständig heraus, die Grenzen des Bekannten zu erweitern, etwas wirklich Neues zu erreichen oder technologische Neuerungen in völlig neue Bereiche zu übertragen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist unsere Arbeit am Human Radiome Project, wo wir ein Foundation Model für die 3D-Radiologie entwickeln. Das „Puzzle” in diesem Zusammenhang ist enorm: Wir sammeln und kuratieren umfangreiche und heterogene klinische Bilddaten (über 4,8 Millionen 3D-Bildvolumina aus MRT, CT, PET und mehr), entwickeln selbstüberwachte Lernmethoden und wählen geeignete Architekturen aus, um nachgelagerter Aufgaben, wie beispielsweise Tumorerkennung oder die Vorhersage des Krankheitsrisikos zu definieren und zu bewerten. All das fügen wir zu einem kohärenten, robusten und generalistischen Modell zusammen, das die Diagnostik verbessern, bei der klinischen Entscheidungsfindung helfen sowie langfristig einer gerechteren und effizienteren Gesundheitsversorgung dienen soll.
2. Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden, was wäre Ihr nächstes Projekt?
Ich würde mich einer internen Wirkungsstudie über Forschende in öffentlichen Forschungseinrichtungen widmen. Wir halten selten inne, um darüber nachzudenken, wie wir als Forschende die Menschen um uns herum beeinflussen. Der Großteil unserer Aufmerksamkeit gilt aufgabenorientierten Zielen: Veröffentlichungen einreichen, Basiswerte übertreffen, Fördermittel gewinnen. Aber unsere interne Wirkung ist genauso wichtig: wie wir Kollegen behandeln, wie wir uns in einem wettbewerbsorientierten Umfeld bewegen und wie wir im wissenschaftlichen Alltag Respekt, Aufmerksamkeit und Empathie zeigen. Ich würde gerne untersuchen, wie diese zwischenmenschlichen Dynamiken den wissenschaftlichen Fortschritt und das individuelle Wohlbefinden beeinflussen und wie wir eine gesündere, unterstützendere Forschungskultur fördern können.
3. Mit wem würden Sie gerne zu Abend essen und worüber würden Sie sprechen?
Ich würde mit meiner Familie zu Abend zu essen, die größtenteils selbst aus Forschenden besteht, aber weit weg von mir lebt. Unsere Gespräche drehen sich um Wissenschaft, Bildung und das Umfeld, in dem Menschen lernen und wachsen. Ich würde gerne darüber diskutieren, wie wir eine wissenschaftliche Gemeinschaft fördern können, in der sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Arbeitsstilen entfalten können. Solche Umgebungen zu schaffen, ist zum einen mein persönliches Anliegen. Ich sehe das aber auch als meine berufliche Verantwortung.
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