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Drei Fragen an den Physiker Carsten Marr

Prof. Dr. Carsten Marr ist Gründungsdirektor des „Institute of AI for Health“ bei Helmholtz Munich. Bild: Falling Walls
Carsten Marr ist Physiker, Gründungsdirektor des „Institute of AI for Health“ bei Helmholtz Munich und Professor für KI in der Hämatologie und Zelltherapie an der LMU München. Mit seinem Team entwickelt er KI-Methoden für die medizinische Diagnostik und Biomedizin – von der Leukämieerkennung bis zur Vorhersage von Stammzellverhalten.
Was ist das Spannendste an Ihrem Job?
Zu sehen, wie aus einer Idee eine Forschungsarbeit wird – wie sie sich Schritt für Schritt manifestiert und im besten Fall tatsächlich funktioniert. Ich kann mich noch an das Telefonat mit meinem Doktoranden Moritz erinnern. Ich war im Urlaub in Hamburg, er in München, und wir hatten die Idee, mit Einzelzell-Sequenzierungsdaten systematisch nach Zielantigenen für CAR-T-Zelltherapien bei akuter myeloischer Leukämie zu suchen. Zwei Jahre später – nach viel Detailarbeit und vielen Experimenten mit unseren großartigen Kooperationspartnern an der LMU – erschien das Paper in Nature Biotechnology. Es zeigt, dass KI-gestützte Analysen einen echten Beitrag zur Entwicklung neuer Krebstherapien leisten können.
Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden: Was wäre Ihr nächstes Projekt?
Für mich müsste die Frage anders lauten – denn Zeit spielt eine sehr große Rolle. Mein Ziel ist es, mit KI-Modellen die Arbeit von Medizinerinnen und Klinikern spürbar zu vereinfachen und zu verbessern. Dafür braucht es gute Ideen, Mut und Geld. Aber vor allem braucht es Tempo, damit die Methoden, die wir entwickeln, tatsächlich bei den Patientinnen und Patienten ankommen.
Mit wem würden Sie gerne mal zu Abend essen und worüber würden Sie dann sprechen?
Mit meinen Urururgroßeltern. Mich würde sehr interessieren, wo und wie sie Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt haben – wie sie die Herausforderungen ihrer Zeit wahrgenommen und gemeistert haben. Und welche Entscheidungen sie getroffen haben, die dazu geführt haben, dass ich heute hier sitze.
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