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Badeseen

„Die Wasserqualität ist extrem gut“

Ein Badesee in der Uckermark. Bild: Astrid Blank

Die heiße Sommerzeit ist immer Badezeit. Das kühle Nass lockt viele Städter in die Natur. Wie ist es um die Wasserqualität der Badeseen in Deutschland bestellt? Ein Interview mit Karsten Rinke, dem Leiter des Departments Seenforschung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Herr Rinke, waren Sie in diesem Sommer schon mit der Familie in der Natur baden?

Wir haben zwar direkt um die Ecke einen See, den zu nutzen haben wir aber leider noch nicht geschafft. Dabei ist die Wasserqualität der deutschen Badeseen auch 2016 wieder ausgesprochen gut. Gerade weil das Abwassermanagment in Deutschland so gut funktioniert.  Etwa 95 Prozent der Badegewässer sind in einem sehr guten Zustand. Die Badequalität ist daher extrem gut in Deutschland.

Was heißt es konkret, wenn ein See zum Baden freigegeben ist?

Die Badequalität wird hauptsächlich danach beurteilt, wie belastet Gewässer mit Bakterien sind. Das größte Risiko aus gesundheitlicher Sicht ist, dass man mit Fäkalien beeinflusstes Wasser schluckt. Das gilt insbesondere für Kinder und Senioren. Daher prüfen die Behörden mehrmals im Jahr die mehr als 2.000 öffentlichen Badestellen in Deutschland. Werden die Grenzwerte für intestinalen Enterokokken, also Darmbakterien, und  Fäkalkeime vom Typ Escherichia coli nicht überschritten, ist die Badestelle nach der EU-Badegewässerrichtlinie freigegeben.

Es ist also nur das Baden in Seen und Flüssen mit gesunden Ökosystemen erlaubt?

Nur weil ein Gewässer badetechnisch einwandfrei ist, heißt dass nicht auch zwangsläufig, dass es ihm aus ökologischer Sicht gut geht. Da ist die Beurteilung deutlich komplizierter als nur eine mikrobiologische Messung. Die Beurteilung der Artenvielfalt, Versauerung, Nährstoffgehalte und Algenblüten spielen beispielsweise dabei auch eine Rolle.

Woran kann ich als Badegast erkennen, ob ich einem Gewässer baden kann?

Zunächst sollte man sich danach richten in welchen Seen das Baden überhaupt erlaubt ist. Um die Natur zu schützen und auch die Trinkwasserqualität nicht zu gefährden, sollte man nur an dafür ausgezeichneten Orten baden, und beispielsweise nicht in Trinkwasser-Schutzzonen. Diese Informationen und auch gegebenfalls die Badetauglichkeit kann man an einem Aushang direkt am Gewässer sehen oder auch im Internet nachschlagen. Dinge wie starke Algenentwicklung und trübes Wasser sind kein gutes Zeichen. Das Wasser sollte klar sein und es gilt die Faustformel: Etwa ein Meter Sicht ins Wasser sollte möglich sein. Eine gefährliche Bakterienbelastung aber kann man dem Wasser selbst leider nicht ansehen.

Karsten Rinke ist Leiter des Department Seenforschung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)

Es kann gefährlich sein durch Algen zu schwimmen?

Grün- und Kieselalgen sind eher ein ästhetisches als ein gesundheitliches Problem sind. Daneben gibt es aber noch die Blaualgen, die toxisch sein können. Sie entstehen oft in eutrophierten, also nährstoffbelasteten Gewässern. Dort sollte man nicht baden gehen. Daher kann man allgemein sagen: Je klarer und algenärmer ein See ist, desto besser ist in der Regel auch seine Wasserqualität.

Wie kann ich Blaualgen erkennen?

Blaualgen bilden große Ansammlungen, so genannte Kolonien. Sie schwimmen oben und bilden einen Teppich. Grün- und Kieselalgen führen dagegen eher zu einer Trübung des Wassers. Wenn das Wasser also einfach nur eine Grünfärbung hat, ist das alleine kein bedenkliches Zeichen. Andererseits: Je optisch klarer der See ist, desto geringer ist die Algenproduktion und somit auch das Risiko einer Blaualgen-Massenentwicklung.

Links

ESKP: Grünes Licht für Badespaß in Europa

Umweltbundesamt: Wasserqualität in Badegewässern

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