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Forschung

Der Käfig fürs Argon

Eingeschlossen: Edelgase sollen in einem besonderen Käfig chemisch reagieren. Bild: iStockphoto.com/DSGpro/Nastco

Fehlschläge gehören zum wissenschaftlichen Alltag. Sie sind zwar frustrierend, können andere Forscher aber davor bewahren, nicht die gleichen Irrwege einzuschlagen. Dennoch werden negative Ergebnisse selten veröffentlicht. Mainzer Doktoranden haben dies mit der Zeitschrift JUnQ – dem Journal of Unsolved Questions – geändert: Sie geben Null- und Negativresultaten einen Platz in der wissenschaftlichen Literatur

Leonie Mück war bis Anfang dieses Jahres Doktorandin in Materialwissenschaften an der Universität Mainz. Dort erforschte sie unter anderem die Chemie der Edelgase, Elemente, die nur sehr selten mit anderen Elementen reagieren. "Edelgase und ihre besonderen Eigenschaften kennt man bereits seit dem 18. Jahrhundert. Doch dass sie trotz allem Verbindungen mit anderen Elementen eingehen können, wurde erst in den 1960er Jahren entdeckt", sagt die 27-Jährige. Mit ihrem Team wollte sie feststellen, ob sie das Edelgas Argon nicht doch zur Reaktion bringen könnte. Ihre Idee: Man baue einen winzigen Käfig aus Kohlenstoffatomen, garniere ihn mit hochreaktiven Atomgruppen und sperre dann das Argon in ihm ein.

Ob sich diese Vorstellung auch in die Realität umsetzen ließe, hat Leonie Mück zunächst am Computer getestet. Heutzutage gehört es zum wissenschaftlichen Alltag, Experimente erst in Modellrechnungen zu simulieren, um festzustellen, ob sich der Schritt ins Labor überhaupt lohnt. "Die theoretischen Methoden der Computerchemie sind inzwischen so genau, dass sie verlässliche Aussagen über das geben können, was experimentell zu erwarten ist", sagt Mück. Gemeinsam mit ihren Kollegen gelang es der Chemikerin tatsächlich, einige Käfige zu entwerfen, in denen das Argon reagieren würde. Ihre Ergebnisse konnten die Forscher dann auch in einer regulären wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichen. Unter den zahlreichen Käfigen, die Leonie Mück konstruiert hatte, waren aber auch viele, in denen eine Reaktion mit Argon sehr unwahrscheinlich wäre. Klassische Journale interessierten solche Misserfolge nicht - dabei seien sie mitunter nicht weniger wichtig fürs Fortkommen der Wissenschaft, sagt Mück - und präsentierte sie in JUnQ. "Vielleicht lassen sich in diese Käfige andere Moleküle einsperren", sagt sie. "Im Moment sind beispielsweise viele Forscher an neuen Konzepten interessiert, Wasserstoffmoleküle einzufangen." So hofft sie, dass ihre überschüssigen Käfige anderen Wissenschaftlern als Inspirationsquelle dienen werden.

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