Unverzichtbarer Begleiter beim Sonnenbaden. Sonnencreme kann bei richtiger Anwendung einen Großteil der Sonnenstrahlung abblocken. Bild: Pixabay

Nachgefragt

Wie wirkt eigentlich Sonnencreme?

Die UV-Strahlen der Sonne können unsere Haut schädigen. Deshalb schützen wir uns mit Cremes, Lotions, Gels oder Sprays. Doch wie halten diese Mittel die schädliche Strahlung von uns fern?

Sonnenstrahlung lässt unsere Haut schneller altern und fördert die Entstehung von Hautkrebs. Wer sich der Strahlung aussetzt, tut gut daran, sich zu schützen. Am effektivsten ist es, die Haut mit Kleidung zu bedecken. Doch auch Sonnencremes können die hautschädliche ultraviolette Strahlung zumindest teilweise blockieren. Die gebräuchlichsten Sonnenschutzmittel sind Emulsionen. Das sind Gemische aus zwei ineinander unlösbarer Flüssigkeiten, wobei die eine Flüssigkeit in Form kleiner Tröpfchen in der anderen verteilt ist. Sie enthalten meist eine Kombination aus zwei Hauptwirkstoffen: zum einen anorganische, mineralische Partikel wie Titanoxid oder Zinkoxid, die eine physikalische Barriere bilden, die die UV-Strahlen reflektiert oder streut. Hinzu kommen organische – chemische - Komponenten: Bei den organischen Filtern handelt es sich unter anderem um Benzophenone, Anthranilate, Dibenzoylmethane, Salicylate, Zimtsäureester und Kampferderivate. Sie schlucken die UV-Strahlen und setzen die so absorbierte Energie als Wärme frei.

Das Lichtschutzmittel dringt nach dem Auftragen der Sonnencreme in die Hornschicht ein und bildet zusammen mit ihr einen Schutzfilm. Der auf der Verpackung angegebene Lichtschutzfaktor gibt an, wie stark das Produkt schützt. Er wird gemäß einer EU-Richtlinie als „Basis“ (6 bis 10),“mittel“(15, 20 oder 25),“hoch“ (30 und 50) und „sehr hoch“ (50+) klassifiziert. Die Zahlen 6 bis 50+ bezeichnen den Lichtschutzfaktor (LSF) – dessen Höhe und Wirksamkeit wurde zuvor unter Laborbedingungen getestet. Bei einem Lichtschutzfaktor von 15 gelangen noch etwas sieben Prozent der UV-Strahlung an die Haut. Der Maximalwert, den die Cremes mit Faktor 50+ erreichen können, liegt bei zwei Prozent. Da die Wirkung der Cremes mit der Zeit nachlässt, sollte sie alle zwei Stunden neu aufgetragen werden.

Heutige Sonnenschutzmittel unterscheiden sich sehr von den frühen Vorgängern, mit denen Sonnenanbeter sich seit den 1920er-/1930er-Jahren schützten. „Durch die lichtreflektierenden anorganischen Materialien wirkten diese Sonnencremes optisch wie eine weiße Lackierung”, erläutert die Chemikerin Yan Lu, Professorin an der Universität Potsdam und Arbeitsgruppenleiterin am Helmholtz-Zentrum Berlin. Das sah dann  oft so aus, als habe man sich Wundsalbe für Babypopos auf die Haut geschmiert – denn auch die enthält Zinkoxid. Deutlich sichtbar wird der Sonnenschutz zuweilen immer noch bei einigen dickflüssigeren sogenannten Sunblockern, die speziell im besonders empfindlichen Gesicht aufgetragen werden und anfangs gut erkennbar auf der Hautoberfläche liegen, bevor sie peu a peu von der Haut absorbiert werden.

„Mit der Nanotechnologie ist es aber heute möglich, völlig klare Sonnencremes herzustellen, die die UV-Strahlen noch genauso effektiv abwehren”, sagt Yan Lu. „Sie enthalten die gleichen Substanzen wie die traditionellen Formeln, aber die anorganischen Partikel sind so klein, dass sie unsichtbar sind.”

Die Stoffe, die in Sonnencremes enthalten sind, gelten als gesundheitlich unbedenklich. Wie bei allen dermatologischen Produkten müssen die Hersteller diese Unbedenklichkeit laut EU-Kosmetikverordnung vor der Zulassung nachweisen. Dennoch sorgte jüngst eine US-Studie für Schlagzeilen, in der Forscher zweifelsfrei nachwiesen, dass sich im Blut Inhaltsstoffe des Schutzmittels anreichern können – bei regelmäßigem, etwa viermaltäglichem Auftrag auf die Haut. Ob dies langfristig gesundheitliche Folgen hat, ist aber noch nicht erforscht.

Klar ist hingegen, dass die Inhaltsstoffe ein Problem für die Umwelt sind: Die in einigen Sonnencremes enthaltenen Chemikalien Oxybenzon und Octinoxat tragen offenbar durch badende Touristen, die sich mit den Mitteln eingerieben haben, zur sogenannten Korallenbleiche und dadurch zum Korallensterben bei. Der zwischen Japan und Australien gelegene Inselstaat Palau will deshalb ab 2020  diese Sonnencremes verbieten.

Zum Weiterlesen:

Die Schattenseite der Sonnencreme

01.08.2019 , Mareike Knoke

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