Feinstaubbelastung

Wie gefährlich ist die Knallerei?

Zu Silvester werden laut Bundesumweltamt durch Böller und Raketen rund 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Im Interview erklärt Annette Peters vom Helmholtz Zentrums München, worauf Patienten mit Atemwegserkrankungen achten sollten.

Interview mit Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrums München – Deutsches Forschungszentrum für
 Gesundheit und Umwelt (GmbH)

Zu Silvester werden laut Bundesumweltamt durch Böller und Raketen rund 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt, das entspricht fast einem Sechstel der Jahres-Emissionen durch den Straßenverkehr. Das klingt äußerst ungesund – wie gefährlich ist Silvesterluft?

Feuerwerk-Feinstaub ist zweifellos ungesund. Glücklicherweise sind die Werte nur sehr kurzzeitig extrem erhöht, in der Regel löst sich das relativ schnell wieder auf. Aber in den Stunden, in denen die Partikelkonzentration erhöht ist, müssen Asthmatiker und Personen mit Atemwegserkrankungen mit vermehrten Symptomen rechnen. Für sie ist das eine ähnliche Situation wie in verrauchten Räumen.

Wozu raten Sie empfindlichen Personen? Atemschutzmasken?

Ja, sofern es HEPA-Filter-Masken sind, denn normale Gazemasken helfen nicht gegen Feinstaub. Und Betroffene sollten natürlich ihre Inhalatoren oder Medikamente griffbereit haben.

Wie ist es bei Kindern, deren Lungen sind doch wahrscheinlich besonders belastet? 

Auf Kinder mit Atemwegserkrankungen sollte man besonders gut achten und falls Symptome auftreten, ins Haus gehen und gegebenenfalls ein Asthmaspray bereithalten. 

Bei der Silvesterknallerei kommen zum Schwarzpulver aus Kalumnitrat, Schwefel und Holzkohle noch Strontium-, Kupfer- und Bariumverbindungen für die Effekte hinzu. Ist das nicht noch mal ein besonderer Problemfeinstaub?

Die sogenannten Übergangsmetalle sind in der Tat als kritisch anzusehen. Die Partikel sind jedoch etwas größer als normalerweise und daher unproblematischer: Vom Silvesterfeinstaub bleibt weniger in der Lunge hängen, den atmen wir fast vollständig wieder aus. In unseren Studien haben wir bisher speziell am Neujahrstag keinen besonderen Anstieg in der Mortalität beobachtet.

Sie bewerten die Feinstaublage an Silvester also eher entspannt?

Sie ist entspannt – außer für die schon erwähnten Menschen mit Atemwegsproblemen. Verglichen mit anderen Feinstaubquellen ist das eine sehr kurze Episode im Jahresverlauf. Natürlich hängt auch viel vom Wetter ab. Bei Inversionswetterlagen dauert es lange, bis der Rauch abzieht. Eine windige, eine regnerische oder verschneite Silvesternacht ist natürlich besser, weil der Feinstaub dann verweht beziehungsweise ausgewaschen wird.

Trotzdem: Wenn in den Innenstädten zum Jahreswechsel kurz nach Mitternacht Spitzenwerte von mehr als 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht werden und der EU-Grenzwert bei einem Tagesdurchschnitt von 50 Mikrogramm liegt, ist das doch ein gewaltiger Unterschied!

In der Gesetzgebung ist vorgesehen, dass dieser Maximalwert von 50 Mikrogramm an 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. Würde sich die Extrembelastung nicht auf die Silvesternacht beschränken, würden alle Experten, mich eingeschlossen, Alarm schlagen. Natürlich wäre Mäßigung gut. Wenn ich an die Rauchschwaden denke, die nach den ersten zehn Minuten durch die Straßen ziehen, kann ich nur sagen: Würde weniger geballert, könnte man mehr sehen und besser atmen.

20.12.2018 , Interview: Thomas Röbke
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