Portrait

Dem Diabetes auf der Spur

Carolin Daniel leitet die Arbeitsgruppe Immuntoleranz in Diabetes am Helmholtz Zentrum München. Bild: HMGU

Mit ihrer Forschung erfüllt sich Carolin Daniel einen Traum, den sie schon als Gymnasiastin hatte.

Der beste Name für die kleinen Zellen, an denen sie forscht, fiel Carolin Daniel ein, als sie gerade im amerikanischen Boston im Labor stand. „Eigentlich“, sagte sie sich damals, als sie wieder einmal erklären sollte, womit sie sich beschäftigt, „arbeiten die regulatorischen T-Zellen wie die ‚Blauhelmsoldaten‘ des Immunsystems.“ Seither hat sich dieser einprägsame Begriff etabliert, und tatsächlich, sagt Carolin Daniel, seien die Parallelen erstaunlich: „Diese Zellen sind besonders wichtig, um ungewollte Immunreaktionen zu verhindern.“

Am Helmholtz Zentrum München leitet die Immunologin eine Arbeitsgruppe, die einem Impfstoff gegen Typ-1-Diabetes auf der Spur ist. Die Fortschritte sind bemerkenswert – bei einem Modellorganismus funktioniert das neuartige Vorgehen bereits. Beim Typ-1-Diabetes zerstören körpereigene Immunzellen die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, in denen Insulin produziert wird – jenes Hormon, das den Blutzuckerspiegel reduziert. Üblicherweise rücken dann regulatorische T-Zellen aus, die den Angriff auf körpereigene Zellen verhindern – so wie Blauhelmsoldaten in Krisengebieten. Ist ein Mensch allerdings an Typ-1-Diabetes erkrankt, ist die Funktion oder die Anzahl dieser Blauhelme eingeschränkt.

Genau da setzt die Forschung an, die Carolin Daniel mit ihrem Team verfolgt: Sie will die Schutztruppe verstärken – mit einer speziellen Impfung, die künftig besonders Kindern helfen könnte. Immer mehr von ihnen erkranken an Typ-1-Diabetes. „Mittlerweile haben wir Systeme entwickelt, mit denen sich ein humanes Immunsystem sehr gut nachstellen lässt“, sagt Carolin Daniel: „In diesen präklinischen Studien kann die Funktion der Blauhelme nach einer solchen Impfung genau untersucht werden. Dies ist wichtig für den zukünftigen Erfolg einer solchen Therapie.“

T-Zellen, die Blauhelmsoldaten des Immunsystems

Mit ihrer Forschung erfüllt sich Carolin Daniel einen Traum, den sie schon als Gymnasiastin hatte: „Damals machten wir mit der Klasse eine Exkursion in ein Forschungszentrum. Das hat mich sofort gepackt.“ Und dass die Ergebnisse ihrer Arbeit zügig den ersten Patientinnen und Patienten helfen, sei ihr auch wichtig – so landete sie bei der Immunologie. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und stieß dabei auf die regulatorischen T-Zellen, für die sie später den Begriff Blauhelmsoldaten prägte. Die gibt es in verschiedenen Bereichen des Körpers. „Ich fand sie gleich faszinierend und wollte einen Schritt zurücktreten, um sie besser zu verstehen: Was charakterisiert sie, was kann man mit ihnen machen?“

Um das zu erforschen, ging sie nach Boston an die renommierte Harvard Medical School, wo sie sich auf den Typ-1-Diabetes konzentrierte. Am Helmholtz Zentrum München knüpft sie daran jetzt mit einer eigenen Arbeitsgruppe an. Wenn sie weiter in die Geheimnisse der regulatorischen T-Zellen eindringt, könnten sich daraus auch Therapie-Ansätze für andere Autoimmunkrankheiten ergeben – zum Beispiel für Multiple Sklerose.

Von ihrem Schreibtisch aus hat Carolin Daniel ein Plakat im Blick, das die junge Marie Curie zeigt, die zweifache Nobelpreisträgerin. Daneben steht ein Zitat von ihr: „Unsere spezielle Pflicht ist es, denen zu helfen, denen wir am meisten Nutzen bringen können.“ Ist das so etwas wie ein Motto für ihre Forschung? Carolin Daniel nickt: „Das ist doch ein wunderbarer Satz, oder?“

Zum Weiterlesen:

Carolin Daniel: "Vogelperspektive aufs Detail"

Blauhelmsoldaten gegen Typ-1-Diabetes

Weitere Portraits unter www.helmholtz.de/forscherportraits

08.12.2017 , Kilian Kirchgessner
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