Lukas Wick
Lukas Wick leitet die Arbeitsgruppe Bioverfügbarkeit im Department Umweltmikrobiologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ. Foto: Privat

„Ich halte meinen Kindern keine langen Vorträge“

Lukas Y. Wick ist Umweltmikrobiologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig. Er hat drei Kinder im Alter von neun, elf und dreizehn Jahren.

Wir tragen eine große Verantwortung: Wir müssen unsere Welt so hinterlassen, dass auch die nächste Generation etwas von ihr hat. Das sage ich nicht nur, weil ich Vater von drei Kindern bin. Unsere Böden sind voller Schadstoffe, durch uns Menschen gelangen viele giftige Stoffe in die Natur, in großen Mengen zum Beispiel durch das Verbrennen von Erdöl und Kohle. Andere Schadstoffe, wie Antibiotika oder Medikamente, können selbst schon in geringen Mengen problematisch sein.

Ich arbeite daran, diese Verschmutzungen mit biologischen Mitteln in den Griff zu bekommen. Eine Möglichkeit ist, die Fähigkeiten und Wechselwirkungen von Pilzen und Bakterien zu nutzen. Dank ihrer Enzyme sind sie in der Lage, Schadstoffe im Boden abzubauen. Pilze sind dafür besonders gut geeignet. Denn während Bakterien nur bestimmte Substanzen verwerten können, werden Pilze mit einer Vielzahl von Stoffen fertig.
Allerdings ist die Biologie der Pilze sehr komplex: Sie haben Feinde, Wettbewerber und sie müssen sich ihren Lebensraum mit anderen Organismen teilen. Wir wollen deshalb herausfinden, unter welchen Bedingungen sich Pilze wirklich wohl fühlen und viele Schadstoffe abbauen. Besonders faszinierend für mich ist die räumliche Struktur der Pilze. In einem Gramm Boden gibt es mehrere hundert Meter Pilzfäden. Ein einziges Geflecht reicht über mehrere Quadratmeter, zuweilen auch Quadratkilometer. Damit gehören Pilze zu den größten Lebewesen unseres Planeten.

Ich versuche auch, meinen Kindern wissenschaftliche Neugier zu vermitteln. Allerdings halte ich ihnen beim Abendessen keine langen Vorträge. Das wäre ohnehin schwierig, dafür geht es bei uns viel zu lebendig zu. Es ist eher so, dass ich ihnen mitgeben möchte, selbst zu beobachten und zu zeigen, wie viele verschiedene Denkansätze die Wissenschaft bietet; aber auch, dass Wissenschaft international ist. So haben wir beispielsweise immer wieder einmal Gäste aus dem Ausland bei uns, sei es ein Kollege aus Argentinien oder ein Gastwissenschaftler aus den USA. Als eine Kollegin aus Indien zu Besuch war, musste ich unseren Gast kurz mit unserer Tochter und dem jüngsten Sohn allein lassen. Als ich wieder nach Hause kam, kochten alle drei wie ein eingespieltes Team eine indische Mahlzeit, obwohl sie sich kaum miteinander unterhalten konnten. Darüber freue ich mich heute immer noch.

Auch ich bin relativ viel unterwegs. Dass die Kinder dabei gut versorgt sind, verdanke ich meiner Frau. Sie arbeitet weniger als ich und ist im praktischen Alltag wohl der ruhende Pol unserer Familie. Als Wissenschaftler ist es nicht immer einfach, das Familienleben zu organisieren. Gerade wenn man sich als junger Forscher etablieren möchte, gibt es einige Herausforderungen zu meistern: man zieht oft um, der Konkurrenzdruck ist hoch, befristete Verträge – mit dieser Unsicherheit muss man umgehen können. Aber es gibt auch Vorteile. Als Wissenschaftler bin ich sicher flexibler als jemand, der feste Arbeitszeiten hat. Wenn eines der Kinder krank ist, arbeiten meine Kollegen und ich von zuhause aus oder eben auch einmal am Wochenende. Allerdings muss man in dieser Hinsicht auch aufpassen, dass man nicht zu viel Arbeit mit nach Hause nimmt – dem eigenen Wohl, aber natürlich auch der Familie zuliebe.

08.04.2015 , Lisa Srikiow

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