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Bild: NASA Ozone Hole Watch

„Das Problem wird sich lösen“

Das Ozonloch über der Antarktis ist so groß wie seit neun Jahren nicht mehr. Der Stratosphärenforscher Jens-Uwe Grooß vom Forschungszentrum Jülich erklärt, warum es dennoch keinen Grund zur Besorgnis gibt.

Das Ozonloch ist gegenwärtig wieder fast so groß wie im Rekordjahr 2006 – warum scheint das kaum jemanden aufzuregen?

Uns regt es nicht auf, weil es uns nicht überrascht. Das Ozonloch bildet sich immer im polaren Winter und Frühling in dem sogenannten Polarwirbel über der Antarktis. Und in der Stratosphäre, also in 20 Kilometern Höhe, verhält es sich nicht anders als bei uns am Boden: Mal ist ein Winter etwas kälter, mal etwas wärmer. Auch wenn wir in der Stratosphäre von Temperaturen unter minus 80 Grad reden. In diesem Jahr ist es dort so kalt wie seit 2006 nicht mehr. Das ist kein Aufreger, sondern eine statistische Schwankung. 

Tatsache ist, dass in der Ozonschicht ein riesiges Loch klafft – hat das FCKW-Verbot denn gar nichts gebracht? 

Das Problem Ozonloch wird sich lösen dank der internationalen Übereinkünfte, die dazu geführt haben, dass die Produktion der FCKW auf Null heruntergefahren wurde. Es gibt seitdem keine wesentliche zusätzliche Quelle mehr für einen Chloreintrag in der Stratosphäre. Nur: Die FCKW und die daraus gebildeten Chlorverbindungen, die bereits dort sind, haben eine Lebensdauer in der Größenordnung von 50 Jahren. Wir erwarten, dass sich die Ozonschicht etwa 2060, 2070 wieder normalisiert hat. Bis dahin wiederholt sich der Prozess, der das Ozonloch bildet, Jahr für Jahr.  Es mag sein, dass es in 20 Jahren signifikant kleiner sein wird.

Kann man das Ozonloch wirklich allein auf FCKW reduzieren? Nicht alle Ersatzstoffe sollen völlig unschädlich seien …

Jein. Auch die Ersatzstoffe haben nachteilige Klima-Effekte, darum will man von denen auch wieder weg. Aber sie sind für das Ozon nahezu unschädlich, weil sie eine deutlich geringere Lebensdauer haben.

Ist eine meteorologische Konstellation denkbar, die das Ozonloch noch größer werden lässt als 2006 oder jetzt? 

Das ist schwer zu sagen. Es ist ähnlich wie am Boden: Wenn man einen besonders kalten Winter hat, kann man nicht sagen, ob der nächste vielleicht noch kälter wird. Es kann durchaus einen kälteren Winter mit einem noch stabileren Polarwirbel geben – und ein noch größeres Ozonloch von September bis November. Aber es wäre auf keinen Fall doppelt so groß, sondern höchstens ein paar Prozent größer.

… und mit gravierenderen Auswirkungen auf Natur und Mensch als jetzt schon …

Das Ozonloch hat bereits die gravierende Auswirkung, dass wir in polaren Breiten von 70 Grad Süd eine UV-Einstrahlung haben wie in Kalifornien. Dass die wenigen Menschen in der Antarktis trotzdem keinen Sonnenbrand bekommen, liegt natürlich daran, dass sie schon aufgrund der Kälte dicke Kleidung tragen. In Neuseeland und Australien gibt es bereits in der Wettervorhersage Angaben zum UV-Index, wenn sich das Ozonloch mal wieder über Südaustralien oder Südneuseeland erstreckt. Die Menschen wissen: Bei einem hohen UV-Index geht man nicht vor die Tür oder schützt sich durch angepasste Kleidung. Solche Effekte würden sich verstärken, aber sie sind nichts Neues. 

29.10.2015 , Interview: Thomas Röbke

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