Helmholtz Extrem

Auf den Spuren der Monsterwellen

Wellen am Leuchtturm vom La Jument. Bild: picture alliance / abaca

Vor der Insel Ouessant an der französischen Atlantikküste entstehen riesige Wellen, die bis zu 50 Meter hoch brechen. Forscher vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht untersuchen sie von einem kleinen Leuchtturm aus.

Dieses Mal mussten Jan Bödewadt und seine Kollegen nur eine Nacht auf dem Leuchtturm La Jument vor der kleinen Insel Ouessant etwa zwanzig Kilometer vor der französischen Atlantikküste auf der Höhe von Brest verbringen. Ein Helikopter hatte den Ingenieur vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht und einige Wissenschaftler und Techniker eingeflogen. Nachdem sie mit ausreichend Proviant für einige Tage vom Hubschrauber abgeseilt wurden, lief alles nach Plan. Sie konnten ihre Messgeräte installieren, die ihnen verraten sollen, wie hoch genau die Riesenwellen sind, die hier entstehen.

Der Leuchtturm ist ringsum von Wasser umgeben. Vor ihm fällt der Meeresboden steil ab. Bei entsprechenden Wind- und Strömungsverhältnissen entstehen hier riesige Wellen, die bis zu 50 Meter hoch brechen. Die Wissenschaftler der Abteilung Radarhydrographie im Institut für Küstenforschung des HZG rund um Jochen Horstmann wollen die Wechselwirkungen von Seegang und Strömungen besser verstehen, insbesondere in Bezug auf Extremwellen. Mit ihrem Radar wollen sie nicht nur die mittlere Wellenhöhe, sondern vor allem die Höhe und Ausbreitung einzelner Wellen messen. Die Kollegen vom Französischen Forschungsinstitut France Energies Marines, die Koordinatoren des Projektes, untersuchen mit einer Stereokamera und Kräftesensoren die am Leuchtturm auftretenden Kräfte aufgrund der Wellen. 

Die Erkenntnisse sollen helfen, die Vorhersagen von einzelnen Wellen zu verbessern und die auftretenden Kräfte auf Bauwerke besser abzuschätzen. Die Daten sind Grundlage für die Planung und Konstruktion von Offshore Wellen- und Windenergiekraftwerken an der Atlantik- und Kanalküste. Denkbar ist auch ein Warnsystem auf Schiffen, das aufgrund der durch das Radar im Abstand von zwei Kilometer gemessenen Wellen eine Kurzzeitprognose der großen, auf das Schiff treffenden Wellen machen kann. Auch für den Küstenschutz ist es wichtig zu wissen, wie hoch einzelne Wellen werden können – und mit welcher Kraft sie auf die Küste oder Küstenbauwerke treffen.   

Das Wetter an der nördlichen französischen Atlantikküste ist geprägt von starken Strömungen, großen Wellen und kräftigen Winden. Insbesondere im Winter sind häufig extrem Wellen vor Quessant zu beobachten. Sind die Witterungsbedingungen rau, ist es nicht mehr möglich, sicher mit dem Helikopter an den Leuchtturm heranzufliegen und Mensch und Gerät sicher abzuseilen. Mit dem Schiff ist der Zugang zum Leuchtturm ohnehin nur sehr selten möglich. Die Installation im Dezember lief nach Plan. Im März soll alles wieder abgebaut und zur Auswertung nach Geesthacht befördert werden. Jochen Horstmann und seien Kollegen hoffen, dass die Bedingungen die Bergung dann zulassen. 

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01.03.2019 , Gesa Seidel / Martin Trinkaus
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