Hunde verfügen über einen sehr feinen Geruchssinn und werden daher immer häufiger in der Forschung eingesetzt, um bedrohte Tier- und Pflanzenarten aufzuspüren (Bild: Daniel Peter).

Forscher auf vier Pfoten

Immer mehr Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht. Mit ihrem feinen Geruchssinn können Artenspürhunde diese bedrohten Arten oft besser aufspüren als Technik oder der Mensch.

In vielen Bereichen der Naturschutzforschung hat Hightech längst Einzug gehalten: Mit satellitengetriebener Fernerkundung lassen sich heutzutage Tierherden zählen und die Vegetation kartieren. Zugvögel wie Kuckuck oder Weißstorch werden besendert, um mehr über ihre Reise ins Winterquartier und zurück nach Deutschland zu erfahren, und selbst Bienen sind mittlerweile mit Mini-Funksendern ausgestattet, weil die Forschung so mehr über ihr Flugverhalten erfahren möchte. Doch diese Forschungsmethoden stoßen an ihre Grenzen, wenn es darum geht, einzelne Exemplare von bedrohten Tierarten zu finden. Da diese selten sind und sich oft in den letzten Ecken von abgelegenen Biotopen verkriechen, sind sie besonders schwer zu entdecken.

Nicht nur einmal sind Forscher auf die Idee gekommen, die feine Nase von Hunden zu nutzen, um die Tiere auszumachen. Sie sprechen dann von Artenspürhunden. Ein vielversprechender Ansatz: Ein Hütehund verfügt über mehr als 200 Millionen Geruchsrezeptoren, ein Beagle sogar über 300 Millionen, während Menschen im Vergleich dazu lediglich etwa sechs Millionen Geruchsrezeptoren haben. Damit können Hunde unterschiedliche Gerüche oft schon in winzigsten Konzentrationen riechen. Nach entsprechender Ausbildung finden sie beispielsweise den Kot von Tieren, Pflanzen, Pilze oder sogar Bakterien problemlos – und dies, ohne die Lebensräume bei der Suche zu zerstören.

Artenspürhunde werden in 60 Ländern zu Forschungszwecken eingesetzt

Um das Potenzial von Artenspürhunden für die Wissenschaft besser einzuschätzen, hat die Biologin Annegret Grimm-Seyfarth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ mehr als 1.200 Publikationen zu diesem Thema ausgewertet und ihre Ergebnisse im Fachjournal Methods in Ecology and Evolution veröffentlicht.Ihre Auswertung zeigt, dass Artenspürhunde in der Forschung weltweit in rund 60 Staaten eingesetzt werden. „In den USA, Neuseeland oder Australien ist der Hundeeinsatz weit verbreitet, manche Arbeitsgruppen an Universitäten und Forschungseinrichtungen haben sogar eigene Spürhundeteams“, sagt sie.

Ihren Anfang nahm die Forschung mit den Vierbeinern in Neuseeland, wo Naturschützer Ende des 19. Jahrhunderts Jagdhunde trainierten, um nachtaktive Kiwis zu suchen. Diese flugunfähigen Vögel waren stark bedroht durch Ratten, Marder und Füchse, die der Mensch auf die Insel einschleppte. Die Naturschützer sammelten die Kiwis ein und brachten sie auf eine Insel, wo deren Fressfeinde noch nicht heimisch geworden waren.

Als eines der längsten Forschungsprojekte mit Artenspürhunden gilt ein Vorhaben des Missouri Department of Conservation, in dem Wissenschaftler mehr als 25 Jahre lang das Vorkommen der Dreizehen-Dosenschildkrötenkröte untersuchten. Über die Jahre haben die Hunde 1.743 verschiedene Individuen aufgespürt.

Forschungsprojekte in Deutschland

Im Vergleich dazu steht der Einsatz von Artenspürhunden in der Forschung in Deutschland noch am Anfang. Doch mittlerweile gibt es einige Projekte, bei denen die Hunde eine tragende Rolle spielen: Am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung suchen sie Igel in der Großstadt, an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg unterstützen sie in einem Projekt zur Verbreitung von Baummardern und Raufußhühnern und am Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen erschnüffeln sie Spuren von Wolf, Luchs und Wildkatze.

Auch die UFZ-Biologin Grimm-Seyfarth hat bei ihrem Forschungsalltag oft ihren Border Collie dabei. Derzeit unterstützt Zammy sie bei der schwierigen Suche nach Kammmolchen, die sich im Winter sowie außerhalb der Paarungszeit gerne an Land, etwa in Erdlöchern oder unter Totholz, aufhalten. Zuvor half Zammy, die Losung von Fischottern aufzuspüren, was selbst für Fachleute oft ein schwieriges Unterfangen ist. Bis zu viermal mehr Losung fand der Hund im Vergleich zum Menschen. „In fast 90 Prozent der Fälle sind die Hunde deutlich effektiver als andere Nachweismethoden“, sagt Grimm-Seyfarth mit Verweis auf ihre Studie. Dieser Vorzug spricht sich auch unter Praktikern herum. So nutzen einige Planungs- und Gutachterbüros Hunde, um an Windrädern verunglückte Vögel und Fledermäuse, Feldhamsterbaue auf Äckern oder Nester der seltenen Haselmaus in unwegsamem Gelände ausfindig zu machen.

Den Einsatz von Artenspürhunden mit weiteren Methoden verbinden

In der Naturschutzforschung plädiert Grimm-Seyfarth dafür, den Einsatz von Artenspürhunden mit anderen Nachweismethoden zu koppeln, etwa bei der Suche nach Fischottern: Ist zum Beispiel noch wenig über die Verbreitung des seltenen Wassermarders in einem Gebiet bekannt, kann der Einsatz von Artenspürhunden kombiniert werden mit Kamerafallen. So lässt sich mehr über einzelne Individuen erfahren, wenn zum Beispiel eine Fähe mit Jungtieren unterwegs ist. Hat der Hund Losungen eines Fischotters gefunden, könne man den Kot durch genetische Analysen einzelnen Individuen zuordnen. „Nutzt man mehrere Methoden, werden die Ergebnisse genauer“, sagt die UFZ-Forscherin.

Alle Hunderassen eigen sich als Artenspürhunde

Sie selbst setzt auch bei ihrem nächsten Forschungsprojekt wieder auf den Einsatz der Artenspürhunde. Ab April forscht sie in einem von ihr mitinitiierten Citizen-Science-Projekt, bei dem Bürger dank der feinen Spürnase ihrer Hunde invasive Pflanzenarten wie die Beifuß-Ambrosie, den Japanischen Staudenknöterich oder das Drüsige Springkraut kartieren können. Mit den Daten soll die Ausbreitung von invasiven gebietsfremden Arten verhindert werden. Der Anreiz für die Teilnehmenden ist, dass sie ihre Hunde extra für dieses Projekt ausbilden lassen können, nahezu egal, welcher Rasse die Tiere angehören.

„Im Prinzip kann man alle Hunderassen für solche Aufgaben trainieren", sagt Grimm-Seyfarth. Entscheidend sei vor allem, dass sich die Tiere motivieren ließen. Pointer und Setter seien genauso geeignet wie Retriever, Border Collies und andere Hütehunde. Auch die Biologin bildet gerade einen weiteren Spürhund aus: Foxy, ein zwölf Wochen alter Australian Cattle Dog. Fleißig trainieren kann sie jetzt schon mit ihr, doch zum Einsatz kommt sie noch nicht. Erst in einem Jahr könnte die Hündin der Forschung helfen.

Meldung des UFZ

Publikation im Fachjournal Methods in Ecology and Evolution

Helmholtz-Doktorandenpreis

Als eine von sechs Doktoranden wurde Annegret Grimm-Seyfarth mit dem Helmholtz-Doktorandenpreis 2019 ausgezeichnet. Bereits seit zehn Jahren erforscht sie die Auswirkungen des Klimawandels auf Wirbeltiere. Aktuell beschäftigt sie sich mit Amphibienarten in der Leipziger Auenlandschaft, die sie durch den Einsatz von Artenspürhunden erstmals an Land erforschen kann.

26.03.2021 , Benjamin Haerdle
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