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Weltklimagipfel Paris

Auftrag: Welt retten!

Der Klimagipfel von Paris könnte Geschichte schreiben. Erstmals soll es ein globales, verbindliches Abkommen geben, in dem sich alle Staaten verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. So weit, dass die Erderwärmung auf maximal zwei Grad begrenzt bleibt. Wie stehen die Chancen auf eine Einigung? Wie liefen die Vorbereitungen? Und was sagt die Wissenschaft? 

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"Die Zeit wird knapp"

Der Klimawandel ist da. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die globale Durchschnittstemperatur um 0,8 Grad erhöht. Was haben die internationalen Klimaverhandlungen bisher gebracht? Nicht viel, sagt der Klimaforscher Mojib Latif und erklärt, warum es Zeit ist zu handeln.

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Die Weltkimagipfel - eine Geschichte des Scheiterns

Seit mehr als 20 Jahren gibt es Weltklimakonferenzen. Nur einmal kam dabei ein internationales Abkommen mit völkerrechtlich verbindlichen Zielen heraus, auf das sich zumindest einige Staaten einigen konnten. Das Kyoto-Protokoll trat 2005 in Kraft. Vor dem Gipfel von Kopenhagen 2009 waren die Erwartungen ähnlich hoch, wie in diesen Tagen vor Paris. Das Ergebnis ist bekannt. Wie kam es, dass die Gipfel immer wieder scheiterten? Und warum ging es trotzdem immer weiter? Eine kurze Geschichte der internationalen Klimadiplomatie:

Optimismus vor Paris

Viele Gipfel, wenige echte Erfolge und dennoch blicken Experten und Politiker dem Klimagipfel gleichermaßen optimistisch entgegen. Was ist anders vor Paris? Zum einen manifestieren sich die Schäden und Veränderungen durch den Klimawandel immer deutlicher. Zum anderen zeigt sich, dass sich wirtschaftliches Wachstum und die Verbrennung fossiler Rohstoffe entkoppeln lassen. Und: Mit China und den USA sind - anders als nach Kyoto - die beiden größten Emittenten mit im Boot. Auch die Herangehensweise vor den Verhandlungen ist eine andere. Während es früher galt, Verträge mit von oben gesetzten Zielen auszuhandeln und zu unterschreiben, haben sich die Teilnehmer-Staaten diesmal eigene Ziele gesetzt. Sie reichen zwar noch nicht aus, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, doch sie sind ein erster Schritt. Auch die professionelle Vorbereitung auf diplomatischer Ebene stimmt Experten wie Reimund Schwarze, Umweltökonom vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), positiv.

Von den 196 Verhandlungspartnern haben 164 vor Paris geliefert. Zusammengenommen reichen diese Zusagen aus, die Erderwärmung auf 2,7 Grad zu begrenzen. Erreicht werden kann das Zwei-Grad-Ziel also nur, wenn in Paris nachgelegt wird oder ein Prozess in Gang gesetzt wird, der weitere Verpflichtungen für die Zukunft beinhaltet. Entscheidend wird sein, ob es künftig gelingt, die Energieerzeugung weltweit von der Verbrennung fossiler Energieträger auf erneuerbare Energien umzustellen.

Schmutzige Energie

Der Schlüssel für ein wirkliches Gegensteuern liegt in der Umstellung der Energieproduktion. Die Infografik zeigt, dass der Löwenanteil der Treibhausgase in den meisten Ländern auf ihr Konto geht.




Das Zwei-Grad-Ziel kann nur erreicht werden, wenn es gelingt, bis zur Mitte des Jahrhunderts die fossilen Brennstoffe im Energiesystem durch alternative Energien zu ersetzen. In Paris wird es auch darauf ankommen, die Ländern, die vom Export fossiler Rohstoffe leben, davon zu überzeugen, ihr volkswirtschaftliches Vermögen im Boden zu belassen. Ob die diskutierten Finanzhilfen hier ausreichen ist mehr als fraglich.

Warum zwei Grad?

Was scheint wie ein akademischer Streit um Nachkommastellen, hat gewaltige Auswirkungen auf die Umwelt. Während der letzten Eiszeit, als Gletscher Mitteleuropa bedeckten, lag die Durchschnittstemperatur gerade einmal vier Grad unter dem heutigen Wert. Die Zwei-Grad Marke ist zwar ein politisches Ziel, doch sie hat eine wissenschaftliche Basis: Klimaforscher erwarten oberhalb dieser Grenze unbeherrschbare Prozesse, wie das Abschmelzen großer Eisschilde. Zudem drohen Kipppunkte im Erdsystem überschritten zu werden. Für marine Korallenriffe liegt die kritische Grenze übrigens schon bei 1,5 Grad Erderwärmung. Eine Marke, die so gut wie sicher überschritten wird. Das "Treibhausgas-Budget", ab dem die Zwei-Grad-Schwelle erreicht ist, beträgt nach Berechnungen des Weltklimarates (IPCC) noch 1.000 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente. Um das Ziel nicht zu reißen, sollte spätestens 2020 der Höhepunkt der Trebhausgasemissionen erreicht sein. Danach sollten sie kräftig sinken. Die Zeit wird knapp, doch noch haben wir es in der Hand.

Mehr zum Thema Klimagipfel und Klimawandel:  

Warmes Wasser wirbelt das Leben in der Arktis durcheinander (AWI)

Die Rolle Deutschlands in Paris - Video-Interview mit Reimund Schwarze (ESKP)

Acht Fragen an das Süddeutsche Klimabüro (KIT)

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Sachstandsbericht zu Methan als Treiber des Klimawandels in der Arktis (GFZ)

Interaktiver Web-Atlas, der zeigt, was in Europa passiert, wenn die globale Temperatur um zwei Grad ansteigt (auf Englisch)

"Ich erhoffe mir eine Stärkung des Zwei-Grad-Ziels" - Interview mit Daniela Jacob, Leiterin des Climate Service Center Germany

Den Ozeanen droht der Kollaps - was bedeutet die Erderwärmung für die Meere?

Sollen wir am Zwei-Grad-Ziel festhalten? Zwei Blickwinkel auf eine nicht unumstrittene Zielvorgabe

"Wir werden die Deiche um einen Meter erhöhen müssen" - was bedeutet der Klimawandel für unsere Breiten?

Links:

Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung (AWI)

GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung

Forschungszentrum Jülich

Wissensplattform Erde und Umwelt (ESKP)

Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

 

27.11.2015, Martin Trinkaus