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Helmholtz-Perspektiven

19standpunk te Helmholtz Perspektiven September – Oktober 2013 Die Technologien zum Aushorchen, Archivieren und Analysieren unseres Lebens breiten sich immer weiter aus. Wer sie meiden will, muss sich anstren- gen: Straßen, Plätze und Geschäfte sind voller Überwachungskameras; jeder unserer Klicks wird von Internet-Diensten nachverfolgt, immer mehr Mitmenschen versenden per Handykamera, Twitter und bald auch Google Glass live im Internet, was sie gerade erleben. Das schränkt unsere möglichen Zufluchtsorte für die Privatsphäre immer weiter ein. Ein wirkungsvoller Datenschutz ist utopisch. Schaffen Datenschutzgesetze Abhilfe? Ihre Grund- prinzipien – Datensparsamkeit, Zweckbindung und Kontrolle von Daten – verpuffen im Netz. Jede Handlung erzeugt hier Daten in Massen, die mit minimalem Aufwand verbreitet und kopiert werden können und sich (wenn überhaupt) nur mit maxi- malem Aufwand wieder einfangen lassen. Durch je mehr fremde Rechner die Daten laufen, umso eher werden sie auf andere Arten analysiert oder verwendet, als bei ihrer Erzeugung geplant war. Regionales Datenschutzrecht versagt vor dem so globalen wie anarchischen Internet. Der Kampf gegen Datensünder wie Facebook scheitert aber nicht nur an deren Fluchten in lockerere Rechtsord- nungen, sondern auch an denen, die er schützen soll: den Menschen selbst. Kommunikationsbedürf- nis, Neugier und Bequemlichkeit treiben Menschen millionen- bis milliardenfach in die Arme solcher Daten-Maschinerien, sie füttern und legitimieren sie und fordern ihre Weiterentwicklung – und das beim anhaltenden exponentiellen Wachstum computer- technischer Kapazitäten. Zuletzt scheitert Datenschutz an denen, die ihn als Recht für uns durchsetzen sollen: den Staaten. Deren Behörden und ihre internationalen Koope- rationen schaffen mitunter die monströsesten Überwachungsapparate. Als direkte Produkte politischer und amtlicher Entscheidungen wären diese am ehesten gesetzlich zu bändigen – besäße Datenschutz als Staatsauftrag relevantes Gewicht. PRISM, Tempora & Co aber zeigen, wie wenig wir uns auf Staat und Recht als Garanten der Privat- sphäre verlassen können.  Christian Heller Der Publizist Christian Heller hat sich für einen radikalen Umgang mit dem Datenschutz entschieden: Er legt als Blogger sein gesamtes Leben offen. Seinen Kalender und selbst privateste Notizen stellt er ins Internet (www.plomlompom.de). Auf Privatsphäre verzichtet er von vornherein selbst

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