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"Israels Dynamik ist beeindruckend"

Vlnr.: Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Billy Shapira, Leiterin des Helmholtz-Büros Israel und Susanne Wasum-Rainer deutsche Botschafterin in Israel. Bild: Hanan Bar-Assouline / Helmholtz

Die Helmholtz-Gemeinschaft hat ein neues Auslandsbüro in Tel Aviv. Damit will die größte deutsche Forschungsorganisation ihre Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftlern und Unternehmensgründern auf eine neue Basis stellen.

Bakterien sind cleverer als wir Menschen. Das zeigen die zunehmenden Antibiotika-Resistenzen. Wir sollten also die Antibiotikaforschung entschieden vorantreiben. Ansonsten laufen wir Gefahr, in unserer Gesundheitsversorgung auf ein Niveau zurückzufallen, wie wir es vor der Entwicklung von Antibiotika hatten – wenn diese nämlich nicht mehr wirken. Mit diesem eindringlichen Appell hat die israelische Nobelpreisträgerin Ada Yonath am Montag das wissenschaftliche Symposium der Helmholtz-Gemeinschaft in Tel Aviv eröffnet. Das Zusammentreffen von knapp 200 hochrangigen Wissenschaftlern fand anlässlich der offiziellen Inauguration des neuen Helmholtz-Büros in Israel statt.

Neben aktuellen Gesundheitsthemen wurden dabei auch neueste Entwicklungen aus den weiteren fünf Helmholtz-Forschungsbereichen vorgestellt – etwa wie sich der Klimawandel am Toten Meer beobachten lässt oder welche Entwicklungen es im Bereich der Solarenergie gibt; allesamt Themen, an denen israelische und Helmholtz-Forscher bereits gewinnbringend zusammenarbeiten.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Das neue Büro in Tel Aviv soll künftig viele weitere Kooperationen mit Wissenschaft und Wirtschaft ermöglichen. Dessen feierliche Eröffnung wurde am Abend im Rahmen der nachgezogenen Feierlichkeiten der deutschen Botschaft Israel zum Tag der Deutschen Einheit von Botschafterin Susanne Wasum-Rainer verkündet. "Wir freuen uns, dass sich die größte deutsche Forschungsorganisation in Israel noch stärker engagieren wird", sagte sie vor mehreren hundert Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.  Und der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, Otmar D. Wiestler, betonte, dass die schon lange existierenden wissenschaftlichen Kooperationen mit dem hochinnovativen Land im Nahen Osten nun einen ganz neuen Schub erhalten sollen. 

Das neue Helmholtz-Büro wird das insgesamt vierte Auslandsbüro der Forschungsgemeinschaft sein. "Wir haben uns ganz bewusst für diesen Standort entschieden", sagte Wiestler weiter. "Die wissenschaftliche und wirtschaftliche Dynamik in Israel ist wahrlich beeindruckend." In vielen wissenschaftlichen Bereichen wie der Medizin, der Chemie oder Physik, der Umwelt- oder der Energieforschung biete das Land Spitzenwissenschaft auf internationalem Top-Niveau. "Da gibt es mit unseren sechs Forschungsbereichen zahlreiche Berührungspunkte, so dass wir die vielen bereits bestehenden Kooperationen ausbauen und zahlreiche weitere initiieren können." Auch auf dem breiten Feld der Digitalisierung sieht Wiestler interessante Anknüpfungspunkte: "Bereiche wie Künstliche Intelligenz oder Informationssicherheit werden in allen Lebensbereichen immer wichtiger werden. Die israelischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind hier Weltspitze."

Israel ist mit etwas mehr als 8 Millionen Einwohnern ein kleines Land. In Forschung und Hightech investiert es aber kräftig. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt liegt beispielsweise bei mehr als 4,3 Prozent und ist damit einer der höchsten weltweit. Diese Investitionen zahlen sich aus: Allein seit 2002 erhielten acht israelische Forscher den Nobelpreis. 

Aber nicht nur die Wissenschaft spielt in der internationale Spitzenklasse. Auch im Bereich der Start-Ups hat sich eine weltweit einmalige Szene etabliert. Allein in der Gegend rund um Tel Aviv soll es an die 6.000 junge Unternehmen geben. "Das eröffnet der Wissenschaft viele interessante Möglichkeiten, um Know-how und Technologie noch schneller in die Anwendung zu bringen", sagte Wiestler.

Das neue Büro wird zentral in Tel Aviv angesiedelt sein, dem Co-Working-Space Wework Midtown. "Hier sind wir ganz nah dran an der Start-Up-Szene", sagt Billy Shapira, die Leiterin des neuen Helmholtz-Büros in Tel Aviv. Gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitern wird sie nun die Aufbauarbeit in Israel leisten und den Grundstock für eine fruchtbare Zusammenarbeit legen. Dazu hat Shapira in den vergangenen Jahrzehnten wertvolle Erfahrungen und Kontakte gesammelt. Sie ist seit mehr als vier Jahrzehnten im Wissenschaftsmanagement tätig. Insbesondere für die Hebrew-University in Jerusalem, wo sie zuletzt als Kanzlerin und Vizepräsidentin wirkte. Für Helmholtz sei sie ein Glücksfall, betonte Wiestler.

Die jüngste der zahlreichen wissenschaftlichen Kooperationen, die Helmholtz mit Partnern aus Israel bereits unterhält, wurde im April 2017 geschlossen. Es ist ein gemeinsames Projekt mit dem Weizmann Institut, das Laboratory for Laser Matter Interaction (WHELMI). Hier soll eine Brücke zwischen der Grundlagen- und der angewandten Forschung in der Laser-Teilchenbeschleunigung geschlagen werden. Hochintensive Laser sollen es ermöglichen, extrem schnell ablaufende chemische oder biologische Prozesse zu beobachten. Das wird auch in der Strahlentherapie zur Behandlung von Tumoren Einsatz finden. "Wir hoffen jetzt, dass diesem Vorzeigeprojekt viele weitere folgen", sagte Wiestler.

Helmholtz eröffnet neues Auslandsbüro in Israel (Pressemitteilung)

Das Helmholtz-Büro in Israel

Die Helmholtz-Delegationsreise führte von Israel weiter nach Jordanien. Dort gab Wiestler bekannt, dass die Helmholtz-Gemeinschaft die Einrichtung einer neuen Beamline an der einzigen Synchrotronstrahlenquelle im Nahen Osten, dem Teilchenbeschleuniger SESAME, mit 3,5 Millionen Euro fördern wird. Dies wird es ermöglichen, in einer neuen Strahlführung mit Hilfe hochmoderner weicher Röntgenstrahlung eine Vielzahl neuer wissenschaftlicher Untersuchungen im Bereich Materie durchzuführen – sowie die internationale Zusammenarbeit in der Region zu verstärken.

Helmholtz investiert 3,5 Millionen Euro in das multinationale Projekt SESAME in Jordanien

25.10.2018 , Roland Koch
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