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Forschung kürzen, um Forschung zu unterstützen?

Das 315-Milliarden schwere Investitionsprogramm der EU-Kommission steht in der Kritik. Ein Teil der Gelder soll aus dem Forschungsbudget kommen. Dabei ist die Forschungsförderung ein Kernziel des Gesamtprogramms. Ein Kommentar von Annika Thies

Wie versprochen hat der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, noch vor Weihnachten sein Investitionspaket vorgestellt. Für die Mütze des neuen Spielzeugsoldaten unter dem Weihnachtsbaum soll allerdings der gerade frisch ans Herz gewachsene Stoffteddy einen Arm abgeben.

Das Juncker-Paket verfolgt wichtige Ziele: Investitionen ankurbeln, Bildung, Forschung und Innovation in Europa stärken. Umso unverständlicher ist, daß dafür ausgerechnet ein EU-Förderinstrument gekürzt werden soll, das sich genau diesen Zielen verschrieben hat. Horizon 2020, das Forschungsrahmenprogramm der EU, soll 2,7 Milliarden Euro an Budget verlieren, um das Juncker-Paket mit zu finanzieren.  Da bereits weitere Kürzungspläne das Forschungsbudget bedrohen, könnte 2015 insgesamt eine 20-prozentige Kürzung für Horizon 2020 ins Haus stehen. Dies bedroht die Umsetzung dieses ehrgeizigen und für Europa maßgeblichen Programms massiv.

Das Programm leistet wichtige Impulse für die europaweite Spitzenforschung und die Nutzung von einzigartigen Forschungsinfrastrukturen über die europäischen Grenzen hinweg. Die Entwicklung neuer Technologien und deren Umsetzung in marktreife Produkte ist das erklärte Ziel. Horizon2020 steht ganz im Zeichen der Innovation, ist stark auf Arbeitsplätze und Wachstum fokussiert und enthält bereits Investitionsanreize und spezielle Programme für kleine und mittlere Unternehmen: es sollte also als Muster oder als wichtiger Bestandteil für das Juncker-Paket dienen, nicht als Kollateralschaden. 

Horizon2020

Das europäische Forschungsprogramm zielt darauf ab, Europas Forschung an der Weltspitze zu halten, große gesellschaftliche Herausforderungen wie z.B. Energiesicherheit zu bewältigen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken. Insgesamt war für die Laufzeit von 2014-2020 ein Budget von 77 Milliarden Euro vorgesehen.

www.horizon2020.de

01.12.2014 , Annika Thies, Leiterin des Helmholtz-Büros in Brüssel
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