Flüchtlinge

„Wir wollen ein Beispiel setzen, wie Integration gelingen kann“

Auf dem Podium v.l.n.r.: Kabeya Kabambi, Jutta Cordt, Frank-Jürgen Weise, Otmar D. Wiestler, Fuad Abu Sameer, Thomas Naumann

Die Helmholtz-Gemeinschaft und die Bundesagentur für Arbeit haben eine gemeinsame Initiative gestartet, um Flüchtlingen den Einstieg in das Arbeitsleben in Deutschland zu erleichtern. Sie wollen damit in der Wissenschaft ein Modell etablieren, das Nachahmer finden soll.

„Wir wollen unserer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen und talentierten Flüchtlingen eine Perspektive eröffnen“, sagte Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler auf einer Pressekonferenz, in der die Bundesagentur für Arbeit (BA) und die Helmholtz-Gemeinschaft das Projekt vorstellten. „Deshalb bieten wir wissenschaftlich oder technisch ausgebildeten Menschen verschiedene Möglichkeiten für einen Job-Einstieg in einem wissenschaftsnahen oder wissenschaftlichen Umfeld. Das können Hospitationen oder Anstellungen für Wissenschaftler sein oder Ausbildungsplätze für Jugendliche.“ Die Prozesse und Abläufe, die das ermöglichen, sind in den vergangenen Wochen in einer Pilotphase umfassend geprüft worden. 

Der Vermittlungsprozess, der zunächst in der Region Berlin-Brandenburg aufgesetzt wurde, besteht in der Regel aus drei Phasen: In einem mehrstufigen Auswahlverfahren erfasst die Bundesagentur für Arbeit geeignete Kandidaten. In der zweiten Phase folgt ein sechswöchiges Praktikum an einem Zentrum. Nach diesem Praktikum steht die Tür für eine Weiterbeschäftigung oder eine Ausbildung offen.

„Wir freuen uns sehr, mit den Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft engagierte und qualifizierte Partner für die Vermittlung junger Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt gewonnen zu haben“, sagte Frank-J. Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit und Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Schon im Vorfeld einer Vermittlung müssen viele Fragen geklärt werden: Wie können wir Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, als Wissenschaftseinrichtung eine Chance geben? Wie wählt man geeignete Kandidaten oder Kandidatinnen aus und gibt es rechtliche Rahmenbedingungen? Die Bundesagentur für Arbeit und die Helmholtz-Gemeinschaft haben in diesen Bereichen hervorragendes Know-how, um das Pilotprojekt auf die Beine zu stellen.

Die häufig genannte Sprachbarriere sieht Otmar Wiestler nicht als Problem: „Das Schöne an der Wissenschaft ist, dass wir ein internationales Geschäft sind“, sagte er. „Wir sind als große Forschungsorganisation international aufgestellt und haben demnach viel Erfahrung mit der Integration internationaler Kolleginnen und Kollegen.“ Sollten die Sprachkenntnisse nicht ausreichen, wird die Bundesagentur unterstützen. Sie übernimmt neben der Vermittlung der Bewerber zusätzlich die Kosten für sechswöchige Probekurse an den Helmholtz-Zentren sowie für eventuell nötige Qualifizierungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen wie z.B. Sprachkurse.

Auch Thomas Naumann, stellvertretender Standortleiter am DESY in Zeuthen, sieht in der Sprachkompetenz der Kandidaten keine ernsten Probleme. „In der Wissenschaft ist Internationalität eine völlig normale Sache. Wir haben unsere Wissenschaftssprache, in der wir uns immer miteinander verständigen, und wir machen das, was wir immer machen, nämlich forschen. “ In Naumanns Team startet am Montag Fuad Abu Sameer. Er stammt aus Syrien und hat dort Computer Information Systems  studiert. Anfang 2015 ist er aus seinem Heimatland geflohen und lebt seit August in Deutschland. Am DESY in Zeuthen hat er nun einen Praktikumsplatz und sieht seine Teilnahme an der Initiative als Chance: „Ich möchte gern sehen, wie in der Praxis geforscht wird und dann noch weiterführend studieren.“ Wenn sein Heimatland wieder sicherer ist, möchte er zurückkehren.

Mittelfristig sollen mit der Initiative 10 bis 20 Menschen pro Helmholtz-Zentrum integriert werden. Die Helmholtz-Gemeinschaft stellt für diese Aufgabe insgesamt 1 Million Euro aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds des Präsidenten bereit. Zusätzlich beteiligen sich die jeweiligen Zentren insgesamt mit einer Summe in ähnlicher Höhe. Die restlichen Kosten übernimmt die Bundesagentur für Arbeit. Bundesweit wird die Initiative von Jutta Cordt, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir vielen Menschen damit eine Tür in eine bessere Zukunft öffnen“, sagte Otmar D. Wiestler. „Angesichts des aktuellen Ausmaßes der Flüchtlingszahlen, ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, nach besten Kräften zu helfen.“ Man müsse darüber hinaus aber auch sehen, dass die vielen gut ausgebildeten Fachkräfte, die derzeit nach Deutschland kommen, hier dringend gebraucht würden. Deutschland sollte also durchaus auch ein eigenes Interesse daran haben, qualifizierte Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

"Wir bieten Flüchtlingen eine Perspektive in der Wissenschaft" - Pressemitteilung

11.12.2015, Bianca Berlin
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