Helmholtz fördert drei neue Validierungsvorhaben

Erkenntnisse aus der Forschung in die Anwendung zu bringen, ist ein wichtiger Schritt, um einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu leisten. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert deshalb mit dem Helmholtz-Validierungsfonds (HFV) Projekte, die in diesem Bereich besonders vielversprechend sind. Die Expertinnen und Experten des Entscheidungsboards haben in der aktuellen Ausschreibungsrunde drei Projekte für die Förderung ausgewählt - aus den Bereichen Krebsforschung, Sensorik und Mikroskopie. Die ausgewählten Vorhaben werden in den kommenden beiden Jahren mit insgesamt 3 Millionen Euro unterstützt.

„Der Helmholtz-Validierungsfonds unterstützt unsere Forscherinnen und Forscher maßgeblich dabei, ihre Erkenntnisse in die Anwendung zu überführen und zur Marktreife zu bringen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Mission“, sagt Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. „Mich freut es besonders, dass wir Projekte fördern, die aus unterschiedlichen Zentren und Forschungsbereichen stammen. Das spiegelt die Bandbreite und Vielfältigkeit der anwendungsorientierten Forschung bei Helmholtz wider.“

Seit 2011 wurden insgesamt 24 Validierungsprojekte ausgewählt. Die drei aktuellen sind:

OPTIMAB -  Entwicklung eines mehrfach-optimierten bispezifischen Antikörpers zur Krebstherapie

Die Immuntherapie gegen Krebs macht in letzter Zeit Schlagzeilen. Forscher vom Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem Tübinger Partnerstandort des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), wollen nun einen in mehrfacher Hinsicht optimierten bispezifischen Antikörper zur Behandlung von Prostatakrebs und Plattenepithelkarzinomen in die Klinik bringen. Dieser ist aus den Bestandteilen von zwei unterschiedlichen Antikörpern aufgebaut. Er bindet sowohl an die Krebszellen als auch an Immunzellen, so genannte TZellen, die dadurch aktiviert werden, die Krebszellen abzutöten. Im Vergleich zu bisher verfügbaren bispezifischen Antikörpern soll das neue Konstrukt deutlich weniger Nebenwirkungen verursachen und auch für Patienten und Ärzte deutlich einfacher zu verabreichen sein. In der Projektlaufzeit erfolgen die Produktion des Antikörpers unter qualifizierten (GMP)-Bedingungen sowie weitere präklinische Untersuchungen. Die beteiligten Wissenschaftler bereiten darüber hinaus bereits eine erste klinische Studie an mehreren DKTK-Standorten vor.

Kontakt: Prof. Dr. med. Helmut Salih, Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) , Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Partnerstandort Tübingen, Klinische Kooperationseinheit Translationale Immunologie

Magnetosensoren – Maßgeschneiderte Magnetowiderstandssensoren

Magnetfeldsensoren erfreuen sich steigender Beliebtheit in der Computer- und Automobilbranche, beispielsweise als Drehzahlsensoren in ABS-Systemen. Besonders interessant aufgrund ihrer Sensitivität und vergleichsweise geringen Größe sind Magnetowiderstandssensoren. Die Industrie verlangt kontinuierlich nach neuen Sensorkonzepten, um Anwendungsbereiche zu erweitern und neue Absatzmärkte zu erschließen. Diesen Bedarf können konventionelle Magnetowiderstandssensoren jedoch nur begrenzt decken, da die möglichen Funktionalitäten eingeschränkt sind. Ein beim Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg entwickeltes und zum Patent angemeldetes Herstellungsverfahren ändert dies durch eine neue Beschichtungssprozedur bei der die Schichten der Sensoren nicht vertikal von oben, sondern im schrägen Einfall aufgetragen werden und damit die Sensoreigenschaften flexibel eingestellt werden können. Diese neue Technologie zur maßgeschneiderten Fertigung von Magnetowiderstandssensoren erlaubt es, neue Funktionalitäten zu generieren. Im Rahmen des Validierungsvorhabens wird eine neue Beschichtungsanlage errichtet und der Einsatz der Sensoren im industriellen Umfeld getestet, um die Anforderungen aus der Automobilbranche, aber auch aus weiteren Anwendungsbereichen erfüllen zu können.

Kontakt: Dr. Kai Schlage, Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, Photon Science

MultiProb - Nanoprober für die Halbleiterindustrie

In der Halbleiterindustrie aber auch an Forschungsinstituten werden Nanoprober eingesetzt. Sie helfen beispielsweise bei der Fehleranalyse integrierter Schaltkreise und bei der Prozessoptimierung in der Wafer-Produktion. Zur Untersuchung der sehr kleinen Strukturen braucht man nicht nur Mikroskope, sondern auch Messspitzen. Diese werden beispielsweise direkt an die Kontakte einzelner Transistoren herangefahren. Bisher werden zwei unterschiedliche Arten von Nanoprobern eingesetzt: Elektronenmikroskop-basierte (SEM) und Rasterkraftmikroskopie-basierte (AFM) Nanoprober. Für die Kunden aus der Halbleiterindustrie bietet eine Kombination dieser beiden Arten von Nanoprobern den Vorteil, kostensparender zu sein. Ein Team des Forschungszentrums Jülich (FZJ) wird im Rahmen des Validierungsvorhabens einen kombinierten SEM/AFM-Nanoprober bis hin zur Marktreife entwickeln und den Einsatz im industriellen Umfeld testen.

Kontakt: Prof. Dr. Bert Voigtländer; Forschungszentrum Jülich

04.11.2016 , Helmholtz-Geschäftsstelle
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