Serie

„Deutschland hat sich gewandelt“

Foto: Gesine Born/DESY

Der Brite Brian Foster ist ein Weltreisender in Sachen Teilchenphysik. Als er vor 30 Jahren erstmals nach Hamburg kam, wunderte er sich über geschlossene Geschäfte und endlos lange Antragsformulare. Jetzt lebt er wieder in Deutschland, und die Leute kommen ihm entspannter vor.

Über 30 Jahre sind zwischen Brian Fosters erstem Forschungsaufenthalt in Deutschland und seiner Auszeichnung mit der Alexander von Humboldt-Professur vergangen, mit der er heute am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY an modernen Teilchenbeschleunigern forscht. Glücklicherweise, so resümiert der Physiker heute, hat sich in dieser Zeit auch Deutschland gewandelt: Forscher aus dem Ausland haben heute weit weniger Schwierigkeiten.

Als Brian Foster 1978 erstmals nach Deutschland kam, musste er mit vielen für ihn sonderbaren Gegebenheiten zurechtkommen. "An Samstagen machten die Geschäfte schon um 12 Uhr mittags zu, und es war nur zu bestimmten Zeiten erlaubt, das eigene Auto zu waschen," erinnert er sich. Da in Deutschland kaum jemand Englisch sprach, waren die endlosen Anträge und Formulare außerdem eine enorme Herausforderung.

Aus wissenschaftlicher Sicht hat es sich jedoch mehr als gelohnt: Das TASSO-Experiment am Teilchenbeschleuniger PETRA ging in die Geschichte der Physik ein, als es die Existenz eines neuen Elementarteilchens namens Gluon bestätigte. In den folgenden Jahrzehnten war Brian Foster weltweit an verschiedenen bahnbrechenden Experimenten beteiligt, darunter auch dem ZEUS-Experiment am HERA-Beschleuniger bei DESY, dem größten Teilchenbeschleuniger in Deutschland.

2011 wurde er mit einer Alexander von Humboldt-Professur ausgezeichnet, die ihm für seine Forschung über fünf Jahre eine Summe von fünf Millionen Euro bereitstellt. Mit den Mitteln möchte er die Beschleunigertechnologie, die in Hamburg entwickelt wurde und heute auf der ganzen Welt zum Einsatz kommt, verfeinern. Er geht auch ganz neuen Ideen wie der Plasmawellen-Beschleunigung nach, die in Zukunft viel kleinere Anlagen erlauben könnte, als heute in der Teilchenphysik üblich. Das Interessanteste and seiner Arbeit ist für ihn, täglich etwas Neues zu lernen: "Ich bin kein Experte in Beschleunigerphysik, aber ein Großteil meiner Arbeit hat damit zu tun. So entdecke ich ständig Neues kennen und lerne von meinen Studenten und Postdocs."

Deutsch zu lernen war für Brian Foster nicht nur eine Notwendigkeit: "Anfangs war Deutsch auch in der Forschung bei DESY noch unerlässlich, aber wirklich fließend spreche ich Deutsch vor allem, seit ich meine Frau kenne, die gebürtige Hamburgerin ist. Wir sprechen zuhause Deutsch miteinander." Das geht allerdings meist nur am Wochenende: Brian Fosters Frau bewohnt das gemeinsame Haus bei Bristol in Südengland, wo sie auch arbeitet.

Das nächste große Ziel für Brian Foster ist der Baubeginn des International Linear Collider, der in Japan entstehen soll. Dieser neue weltgrößte Teilchenbeschleuniger ist seit über zehn Jahren in der Planung und Entwicklung. Auch privat hat er Großes vor: Er möchte das Violinkonzert in D-Dur op. 77 von Johannes Brahms spielen lernen - eine Aufgabe, vor der er großen Respekt hat. Er übt viel in seinem alten Fischerhaus in Hamburg-Blankenese, wo er auch frische Lebensmittel vom Markt genießt. Bei Gelegenheit schaut er die Tagesschau, die er prägnanter als britische Fernsehnachrichten findet und wegen ihrer internationaleren Perspektive vorzieht.

Internationales bei DESY

  • Das Büro für Internationales (International Office) ist der erste Anlaufpunkt bei DESY für auswärtige Gäste und ihre Familien. Es bietet Hilfe mit Visa, Aufenthalts- und Reiseerlaubnissen sowie Einladungen, und Versicherungen, Kinderbetreuung, KFZ-Anmeldung und mehr. 
  • Das Sommerstudenten-Programm bietet Studierenden der Physik oder verwandter Naturwissenschaften die Gelegenheit, bei DESY vor Ort an der Forschung teilzunehmen und bietet den Gästen zudem Vorlesungen und ein Kulturprogramm.
  • Der weltweit leistungsstärkste Röntgenlaser European XFEL, der zurzeit in einer internationalen Kooperation in Hamburg entsteht, ist DESYs wichtigstes Zukunftsprojekt. 

Mehr als 8.500 ausländische Forscher arbeiten an Helmholtz-Zentren in Deutschland. Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, in wir einige von ihnen vorstellen.

Bisher erschienen: 

"Das Schlimmste waren die Formulare" - Anya M. Waite vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

12.02.2015, Michael Büker
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